Cloppenburg - Die traditionsreiche Laings Apotheke an der Hagenstraße hat nun zum 30. April ihre Türen dauerhaft verriegelt. Das ist bereits die vierte Apotheke in der Stadt Cloppenburg, die in den vergangenen fünf Jahren das Geschäft aufgegeben hat. Zuvor waren bereits die Bären-Apotheke an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße, die Markt-Apotheke am Eberborgbrunnen am Ende der Fußgängerzone und die Andreas-Apotheke im Carré Cloppenburg (Kaufland-Gebäude) geschlossen worden.
Einzige Neueröffnung in den vergangenen Jahren ist die Meis-Apotheke im St.-Damian-Ärztehaus gewesen. Damit gibt es in der Kreisstadt mit inzwischen 38.000 Einwohnern noch acht Apotheken: Marien (Antoniusplatz 10), Pinguin (Löninger Straße 13), Post (Bahnhofstraße 16), Burg (Osterstraße 1), Rathaus (Lange Straße 7), Krapendorfer (Am Capitol 6), Königs (Mühlenstraße 2) und eben Meis beim St.-Josefs-Hospital.
Doch warum geben so viele Apotheker auf, und ist das eigentlich ein bundes- und landesweites oder ein Cloppenburg-spezifisches Phänomen? Und welche Konsequenzen haben die Schließungen für die Patienten bzw. Kunden? Unsere Redaktion hat bei einem Apotheker aus Cloppenburg (Name der Redaktion bekannt) nachgefragt.
Notdienste
Durch die Schließung von Laings Apotheke werde sich die Notdienst-Situation für die Kunden verschärfen, so der Apotheker. Es müssten die Doppelungen wie beispielsweise Emstek/Molbergen, Cappeln/Molbergen oder Cloppenburg/Garrel zum Jahresende aufgehoben werden. Dann gebe es in dem Bezirk mit heute elf Apotheken-Gruppen nur noch jeweils eine, die an einem Tag rund um die Uhr geöffnet sei. Das heißt, dass ein Patient aus Cloppenburg dann teilweise auch bis nach Cappeln oder Garrel fahren muss, um ein dringend benötigtes Medikament zu erhalten.
Medikamentenmangel
Allerdings würden viele Kunden – so der Apotheker – auch heute schon lange fahren, weil bekanntlich ja schon längst nicht mehr jedes Medikament in jeder Apotheke – Stichwort Medikamentenmangel – sofort verfügbar sei. Bevor man sich allerdings auf den Weg mache, sei eine telefonische Vorabanfrage sinnvoll, ob das Medikament denn auch tatsächlich zur Verfügung stehe.
Fachkräftemangel
Ein weiteres Problem, mit dem die Apotheken nicht erst seit gestern zu kämpfen haben, ist – wie in vielen anderen Branchen auch – der Fachkräftemangel. Viele Berufsstarter, die an der Uni ihren Abschluss gemacht hätten, blieben entweder dort, oder es ziehe sie beispielsweise in die Pharma-Industrie, so der Apotheker. Immer mehr fertige Apotheker scheuten Arbeitswochen mit 60 Stunden plus x sowie Notdienste, die im Raum Cloppenburg jeden zwölften Tag auf die einzelnen Apotheken zukämen. An diesen Tagen gebe es bis Mitternacht häufig einen regen Kundenverkehr, erst nach 24 Uhr werde es ruhiger. Es könne aber durchaus sein, dass man noch zwei-, drei-, viermal in der Nacht hoch müsse.
Alternativen-Suche
Nicht besser sehe es im Bereich der pharmazeutisch-technischen Assistenten aus. Hier sei – so der Apotheker – der Markt wie leergefegt. Darüber hinaus mache die seit Jahren zunehmende Bürokratie vor allem im Bereich Abrechnung den Pharmazeuten das Leben schwer.
Viel Arbeitszeit nehme – erklärte der Apotheker – vor dem Hintergrund des Medikamentenmangels in einigen Bereichen inzwischen auch die Suche nach Alternativen ein, bei der häufig Rücksprache mit dem behandelnden Arzt aufgenommen werden müsse. Und da gehe es den Apothekern nicht anders als den Patienten, häufig stecke man erst einmal in der Warteschleife fest. Die Konkurrenz aus dem Internet sorge dagegen für vergleichsweise wenig Verdruss.
Die hier geschilderten Probleme würden nicht allein in der Stadt und im Landkreis Cloppenburg auftreten, nein, sie seien ein landes- und bundesweites Phänomen.
