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NWZonline.de Region Cloppenburg

Von wegen rosa Plüsch und Shopping

17.06.2017

Friesoythe Händchen halten, das wollen sie nicht in der Öffentlichkeit. Nicht, weil sich das Paar dabei unwohl fühlt. Sie finden es einfach kitschig.

Friesoythe. Eine Stadt mit aktuell 22 268 Einwohnern. Ist Schwul-Sein hier auf dem Land noch ein Problem? Zwei Friesoyther berichten, wie Freunde und Verwandte beim „Coming-out“ reagierten und ob sie sich wohl fühlen in der Stadt. Vorurteile, soviel kann schon gesagt werden, gibt es noch immer.

Marvin-Lee (30) und Hans-Bernd Thoben (31) sind seit zwölf Jahren ein Paar. Kennengelernt haben sich die beiden ganz typisch beim Tanzen in der Diskothek „Extra“. Insgeheim wussten beide zu dem Zeitpunkt, dass sie auf Männer stehen. Aber die beste Freundin, die Kumpels – die wussten es noch nicht. Nach monatelangem E-Mail-Kontakt und ersten Telefonaten folgte schließlich ein Treffen, in einem Schnellrestaurant.

Marvin hat sich als gelernter Mediengestalter in Friesoythe mit einer Werbeagentur selbstständig gemacht. Hans-Bernd ist Rettungsassistent und arbeitet jetzt seit fünf Jahren in der Altenpflege in Altenoythe.

Über den CSD

Der Christopher Street Day (CSD) wird seit Ende der 60er Jahre von Schwulen, Lesben, Asexuellen, Transgendern und Bisexuellen gefeiert. Der Fest- und Demonstrationstag findet einmal jährlich auf der ganzen Welt mit großen Paraden statt. Unter anderem wird an dem Tag für die Rechte dieser Gruppen, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert.

An diesem Samstag, 17. Juni, wird der CSD in Oldenburg gefeiert. Mehr als 10 000 Teilnehmer werden dazu erwartet. Beginn der Parade ist um 12 Uhr am Stau/Ecke Rosenstraße. Um 14 Uhr findet auf dem Schlossplatz ein Kulturfest statt.

Das „Coming-out“ war für Marvin unproblematisch. Während Hans-Bernd wie immer im Auto wartete, um ihn abzuholen, fragte seine Mutter, ob er seinen neuen Freund nicht einmal vorstellen wolle. „Irgendwie wusste sie es wohl schon lange.“ Auch seine drei Brüder hatten kein Problem damit. Bei Hans-Bernd gestaltete sich das schwieriger: „Ich bin streng katholisch aufgewachsen.“ In Markhausen. Einige enge Freunde hätten sich von ihm abgewandt. Die Familien sind mittlerweile hingegen fest zusammengewachsen. „Heute fragen meine Eltern als erstes, wie es Marvin geht, bevor sie sich nach mir erkunden“, sagt Hans-Bernd und lacht.

Zur damaligen Zeit seien sie auch die einzigen Schwulen in der Disco gewesen. „Das war ja ein Highlight“, sagt Marvin sichtlich belustigt, und er erzählt davon, dass viel geredet wurde und die Leute viel geguckt haben. Das schwule Pärchen kannte dann bald fast jeder in der Stadt. „Für mich war das anfangs ein komisches Gefühl“, berichtet Hans-Bernd. Geschämt habe er sich nicht, dennoch musste er sich daran gewöhnen, so im Mittelpunkt zu stehen. Heute seien viel häufiger schwule junge Leute im „Extra“ zu sehen.

Nur zufällig tragen Hans-Bernd und Marvin Thoben den gleichen Nachnamen. „Verheiratet“, wie sie sagen, sind sie nicht. Eine Eheschließung in dem Sinne ist für Homosexuelle in Deutschland nicht möglich, dafür aber seit 2001 die Eingetragene Lebenspartnerschaft. 21 davon existieren nach Auskunft der Stadt in Friesoythe.

In Städten wie Hamburg ist der prozentuale Anteil deutlich höher. Warum das so ist, liegt auf der Hand: „Da ist man anonym“, sagt Hans-Bernd. Er kennt das Großstadtleben, lebte einige Jahre in Hamburg. Kein Mensch interessiere sich dort für ein schwules Paar. Trotzdem wohnen die Thobens seit fünf Jahren in der gemeinsamen Wohnung in Friesoythe. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt Marvin, „aber wir bewegen uns auch unauffällig.“ Anfeindungen oder gar Gewalt hätten die beiden nie erlebt, hin und wieder einen dummen Spruch, ja, aber Schwul-Sein sei hier kein Problem.

„Nur“, sagt Hans-Bernd, „Friesoyther denken noch sehr klischeehaft.“ Als Beispiel nennt er rosa Plüschsofas. Ihre Wohnung ist stilvoll und charmant eingerichtet. Das dunkle Ledersofa dekorieren beige Kissen, eine weiße Leinwand setzt Akzente an der grau gestrichenen Wand. Und auch Hund Balou passt mit seinem braun-weißen Fell irgendwie zur Einrichtung. Aber nichts ist rosa. Die beiden mögen es schlicht. Ihr gemeinsames Hobby ist auch nicht Shopping, sondern Sport. Und es ist der feste Freundeskreis, der die beiden unter anderem in Friesoythe hält, nicht eine Schwulen-Szene.

Aber der Christopher Street Day an diesem Samstag in Oldenburg ist doch Pflicht, oder? Mehr als 10 000 Schwule und Lesben werden erwartet (siehe Infokasten). Die beiden schauen sich an. „Komischerweise“, beginnt Hans-Bernd, „waren wir noch nie da.“

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