Friesoythe/Barßel - Wohin in Corona-Zeiten? Viele Menschen besinnen sich auf den Wald als Erholungsgebiet. „Die Leute wissen nicht wohin, das merkt man“, sagt Johannes Dierks, Revierförster im Eleonorenwald. „Speziell bei Eltern mit Kindern ist das auffällig.“
Auch der etwas abgelegene Loher Wald in Barßel ist nun beliebt: „Der Wald ist nachgefragt wie selten. Der Loher Wald war bis dato kein Besuchermagnet“, berichtet Gerd Dählmann, Förster des Reviers Kloster Barthe. Er war in den vergangenen Wochen wegen Pflegearbeiten dort und hat viel mehr Menschen getroffen als sonst. „Es ist gut, wenn sich die Leute in Corona-Zeiten mehr im Wald bewegen“, sagt Dählmann. „Sie haben auch ein gesteigertes Interesse.“
Aufgrund seiner Lage habe der Loher Wald einige Probleme nicht, die es indes im Eleonorenwald gibt: rabiate Pilzsammler, die Müll hinterlassen, sowie Quad- und Motorcrossfahrer, die das Wild verängstigen. Es sei in der Pilzsaison August, September und Oktober auffällig gewesen, wie viele Menschen Pilze gesammelt und dabei wenig Rücksicht genommen hätten, berichtet der örtliche Revierförster Johannes Dierks. Es seien sogar Gruppen unterwegs gewesen, die den Wald systematisch abgesucht hätten.
Schäden an Anpflanzung
Sobald es dunkel wird, tauchen zudem Quads und geländegängige Motorräder auf. Sie fahren auch abseits der Wege durch den Wald. „Das ist nicht erlaubt und sehr ärgerlich. Die fahren durch unsere Kulturen“, sagt Dierks. So würden kleine nachwachsende oder angepflanzte Bäume beschädigt. Und: „Wir haben hier Wölfe, das Wild ist sowieso schon verschreckt“, sagt Dierks. Durch den illegalen Motorsport würden die Tiere zusätzlich verängstigt, was zu Problemen bei der Jagd führe. Das Wild müsse aber bejagt werden: Wildschweine wegen der Gefahr der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest und Reh- und Dammwild, weil es nachwachsende Bäume verbeißt.
Die meisten Quad- und Motorradfahrer – oft sind sie ohne Nummernschild im Wald unterwegs – fahren den Förstern davon. Werden sie mal angehalten, zeigten sie sich einsichtig. Ob sie anschließend nicht doch wiederkommen würden, wisse er natürlich nicht, sagt Dierks.
Hinterm Ofen hervor
„Es ist toll, wenn die Leute hinterm Ofen vorkommen, und die Kinder nicht vorm Computer sitzen“, sagt Onno Striowsky, Revierförster in Augustendorf. Neulich hätten an einem Sonntagmorgen am Wasserwerk wohl 20 Autos gestanden. Noch besser fände er es jedoch, wenn Menschen nicht in der Dämmerung im Wald unterwegs wären und auf den Wegen blieben – zum Schutz des Wildes. Dieses zeige sich derzeit kaum tagsüber, müsse aber auch die Ruhe zum Fressen finden.
Was Förster Striowsky aufgefallen ist: Die Menschen kümmern sich in Corona-Zeiten verstärkt um ihre Gärten. Gartenabfälle werden am Waldrand abgeladen, was verboten ist. Für Striowsky insoweit unverständlich, weil die Mülldeponie Sedelsberg für viele Friesoyther Gartenbesitzer ja näher liegen müsste, als das Forstrevier Augustendorf. „Aber in Sedelsberg kostet es vielleicht ein paar Euro“, sagt Striowsky.
