Cloppenburg - Die Krankenhaus-Landschaft im Oldenburger Münsterland (OM) ist nach Ansicht des Klinik-Experten Matthias Borchers (Münster) von kleinen und mittleren Häusern im Bereich Grund- und Regelversorgung geprägt, die sich auch noch dem Wettbewerb mit den Maximalversorgern wie Oldenburg und Osnabrück sowie Spezialkliniken im Umland stellen müssen. Dazu komme eine intensive Konkurrenzsituation durch überlappende Leistungsportfolios im Bereich Operationen, so Borchers während seines Vortrags am Mittwochabend. Dazu hatte die Schwester-Euthymia-Stiftung (Vechta), zu der die Krankenhäuser in Cloppenburg, Vechta, Lohne und Damme gehören, rund 50 Gäste aus Kliniken, Politik und Verwaltungen eingeladen. Beispielsweise wurden im Jahr 2021 rund 13 000 Operationen an den Bewegungsorganen durchgeführt – davon 2845 in Damme, 1805 in Löningen, 3895 in Lohne, 2959 in Cloppenburg, 767 in Vechta und 686 in Friesoythe.
Die Bettenzahlen
Die meisten Betten stellt das Krankenhaus in Vechta (310) vor Cloppenburg (252), Damme (244), Neuenkirchen-Vörden (199), Lohne (140), Friesoythe (115) und Löningen (112). Die derzeit bekannten Überlegungen sehen vor, dass landesweit mehr als die Hälfte der Krankenhäuser nur noch eine „integrierte ambulant-stationären Versorgung“ (Grundversorgung) bieten dürfen. „Das bedeutet, dass diese Krankenhäuser dann keine Notfallversorgung und keine Akutmedizin mehr erbringen dürften. Faktisch wären das keine Krankenhäuser mehr“, so Honorarprofessor Dr. Martin Pohlmann vom Landescaritas-Verband bereits am Dienstag bei einer Veranstaltung im Vechtaer „Haus der Caritas“. Das gefährde die Versorgungssicherheit, zudem seien die Einrichtungen wirtschaftlich und inhaltlich langfristig nicht existenzfähig.
Schwierige Suche
Auch sei es schwierig – so der frühere Ärztliche Direktor des Cloppenburger Krankenhauses, Professor Dr. Joachim Schrader, am Mittwochabend im Kreishaus – gute Ärzte an Grundversorger-Kliniken zu locken. „Welcher Arzt wird noch in einem Haus arbeiten wollen, in dem er nur noch Pflaster kleben kann“, hatte es bereits am Dienstag in Vechta ein Verwaltungsleiter zugespitzt.
Ein bisschen Schelte gab es unterdessen am Mittwochabend im Kreishaus von Seiten des Landkreises für den Vorstandsvorsitzenden der katholischen Schwester-Euthymia-Stiftung im Hinblick auf eine mögliche Zusammenarbeit des Cloppenburger Krankenhauses mit den beiden übrigen Kreiskrankenhäusern in Friesoythe und Löningen. „Wir brauchen einen unverstellten Blick, den stelle ich bei Ihnen, Herr Pelster, in Frage“, sagte Wirtschaftsförderer Dirk Gehrmann. Entscheidungen dürften nicht an „bestehenden Strukturen festgemacht werden“. Der Landkreis Cloppenburg sei mit allen Trägern und der Politik bereits seit langem in guten Gesprächen.
Dazu wollte Pelster „keinen Kommentar“ abgeben. Er betonte aber, dass die Stiftung mit ihren vier Häusern die Entwicklung hin zu größeren Einheiten bereits gut aufgefangen habe. „Das darf man um Himmels willen nicht gefährden. Eine völlig neue Trägerstruktur zu entwickeln... Wie lange dauert das? Zwei Jahre sind da nichts.“
Erneut sah sich Pelster auf Nachfrage gedrängt, zu versichern, dass der Standort Cloppenburg gehalten werden solle: „Wir haben das Ziel, Cloppenburg zu einem Schwerpunktversorger zu machen, mit einer 24-Stunden-Versorgung in der Kardiologie.“

