Cloppenburg - Bereits zehn Menschen sind im Verlauf dieses Jahres bei Unfällen im Kreis Cloppenburg ums Leben gekommen. In fünf Fällen endete die tödliche Fahrt an einem Baum – zwei davon im Januar und September in einer S-Kurve auf der K 358 im Bereich Essen-Sandloh.

Diesen Zustand hält der CDU-Politiker Professor Dr. Lucien Olivier (Cloppenburg) für untragbar. Er forderte am Dienstagabend bei einer Sitzung des Kreis-Verkehrsausschusses das radikale Abholzen von Bäumen am Straßenrand. „Feststehende Hindernisse haben dort nichts zu suchen.“ Es sei ihm völlig unverständlich, warum vor allem im Bereich von herausragenden Gefahrenstellen Bäume „aus pseudoökologischen Gründen“ stehenbleiben dürften. Es sei doch kein Problem, einen am Straßenrand abgeholzten Baum an anderer Stelle durch eine Neuanpflanzung zu ersetzen.

Vor allem Fahranfänger und Senioren – so Olivier weiter – machten Fehler hinterm Steuer, und dies dürfe man nicht gleich mit dem Leben bezahlen. „Die EU hat für 2015 ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Keine Verkehrstoten mehr in Europa.“ Hierzu müsse nun auch der Landkreis Cloppenburg seinen Beitrag leisten. Olivier stellte daraufhin den Antrag, die Bäume an der zurzeit besonders unfallträchtigen S-Kurve im Bereich Essen-Sandloh zu entfernen und durch ein Leitplankensystem zu ersetzen und optional mit Blitzern zu bestücken.

Soweit wollten die übrigen Ausschuss-Mitglieder dann doch nicht gehen. Außerdem – so Erster Kreisrat Ludger Frische – werde nach der Fertigstellung der zurzeit im Bau befindlichen Essener Ortsumgehung der Verkehr in diesem Bereich massiv zurückgehen.

Oliviers Fraktionskollege Leonard Rosenbaum (Ramsloh) schlug daraufhin vor, zunächst einmal alle Unfallschwerpunkte im Kreis detailliert untersuchen zu lassen und dann im Ausschuss konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Das wiederum ging nun Olivier nicht weit genug.

Auf Vorschlag des Ausschuss-Vorsitzenden Detlef Kolde (SPD) wurde schließlich einstimmig ein Kompromiss verabschiedet. So schnell wie möglich sollen an den Unfallschwerpunkten „Essen-Sandloh“ und „Kreuzung Bunnen“ konkrete Maßnahmen ergriffen und die allgemeine Überprüfung über die Bühne gebracht werden.

ð  Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ausschuss-Mitglied Dr. Irmtraud Kannen (Grüne) bereits die Sitzung verlassen. Zuvor hatte sie als einzige gegen eine weitere Übertragung der technischen Verwaltung über 2016 hinaus an das Niedersächsische Straßenbauamt (Lingen) gestimmt, weil sie sich – so Kannen – zu sehr über die „Baum-ab-Mentalität“ der Behörde ärgere.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland