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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Bildung: A wie Apfel und W wie Würfel

27.04.2016

Cloppenburg Eine Frauenstimme erklingt aus dem CD-Player in der einen Ecke des Raumes an der Johann-Comenius-Schule in Cloppenburg. Sumeya (11) und El Alicia (12) lauschen den Wörtern der Frau, sprechen sie nach einer kurzen Pause nach. Die beiden Mädchen lernen nicht etwa Englisch oder Französisch wie Gleichaltrige. Sie wiederholen deutsche Wörter, die da aus den Boxen kommen. Lineal, Sonne und Stift, noch etwas zögerlich sprechen sie die für sie fremden Silben und Wörter.

Das Förderkonzept an der Johann-Comenius Oberschule

Momentan werden 42 Kinder mit keinen oder nur sehr geringen Deutschkentnissen in fünf Sprachgruppen auf vier Niveaus unterrichtet. Das Förderkonzept startete im Februar 2015 mit zwei Sprachgruppen mit 15 Schülerinnen und Schülern. Die Kinder haben nach ihrer Ankunft in Cloppenburg Schulpflicht und ein Anrecht, zwei Jahre lang nicht benotet zu werden.

Insgesamt werden in der Stadt Cloppenburg zurzeit 173 Schülerinnen und Schüler mit Integrationsbedarf unterricht, 880 Kinder von sechs bis 16 Jahren sind es im gesamten Landkreis Cloppenburg.

Anne Kruthoff hilft den beiden jungen Mädchen, ermuntert sie in der Aussprache, gibt Hilfestellungen. Die Lehrerin der Oberschule hat an diesem Dienstagmorgen die Aufsicht über sechs Flüchtlinge im Alter von elf bis 14 Jahren. Die Kinder sind erst seit Kurzem in Deutschland und beginnen jetzt mit dem Deutschförderunterricht, erklärt sie. Täglich heißt es dann vormittags für 90 Minuten deutsche Wörter, Grammatik und Rechtschreibung pauken. Bei der komplizierten deutschen Grammatik sind Liza (13) und Muhamad (11) noch nicht angekommen, sie üben das Alphabet: A wie Apfel, U wie Uhr, W wie Würfel – wobei den beiden jungen Syrern das ü am schwersten fällt. „Das ist aber auch nicht einfach“, ermutigt Kruthoff die beiden und formt das ü mit ihren Fingern.

„Ziele, natürlich neben dem Spracherwerb, sind auch die Alltagskommunikation, die Sozialisation und auch die Persönlichkeitsentwicklung“, erklärt Kruthoff das Förderkonzept für die Flüchtlinge, welches sie als didaktische Leiterin entwickelt hat. Dabei steht für die Kinder zwischen elf und 16 Jahren nicht nur Lernen im Vordergrund. Die Kinder sind oftmals auch traumatisiert und berichten von ihren Erlebnissen auf der Flucht. Es gehe daher auch darum, die Kinder abseits der Sprache zu unterstützen.

Der Großteil der Kinder ist trotz oder wegen der Fluchtstrapazen sehr motiviert und möchte die Sprache schnell lernen. So auch Hadi, der erst seit vergangener Woche in Deutschland lebt und nachmittags häufig mit seinem Bruder lernt, der bereits seit zwei Jahren in Deutschland ist. Nach Kruthoffs Einschätzung besuchen viele Eltern Sprachkurse, in einigen Familien sind aber die Kinder Übersetzer und Vermittler für die Eltern, wenn es um Alltägliches geht.

Deswegen ist ein weiterer Baustein für die Kinder mit sehr geringen Deutschkentnissen die sogenannten Sozial AG. Dort wird Cloppenburg erkundet, das Rathaus besucht oder gebacken – die Kinder sollen an die neue Heimat gewöhnt werden. Abgerundet wird das Konzept durch den Unterricht im Klassenverband und die Nachmittagsgestaltung in Fußball- oder Reit-AGs. Die Flüchtlingskinder werden dabei gut von den Cloppenburger Schülern aufgenommen, beobachtet Kruthoff. Den Kinder soll das Gefühl des Willkommen-Seins vermittelt werden.

Mittlerweile habe sich alles gut eingependelt, resümiert die Altenoytherin. Es gebe viel Material, und auch der Austausch der Lehrer untereinander sei sehr hilfreich. Und Schüler wie Hunar aus dem Irak zeigen, dass das Fördersystem greife. Er besucht seit vergangenem Sommer die Realschule, erbringt gute Noten und kann auf einen guten Abschluss hoffen.

Einen erfolgreichen Abschluss und eine gute Berufsqualifikation für die Flüchtlinge sind die obersten Ziele der Förderung. Für die Zukunft wünscht sich Anne Kruthoff noch mehr Zeit für die Förderung, die für sie regulär neben dem Schulbetrieb läuft.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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