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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Bildung: Große Lust am Selberlernen

26.01.2019

Beverbruch Annalena, Thomas und Caroline grübeln angestrengt über den Multiplikationsaufgaben im Hunderttausender-Bereich. In Socken sitzen sie auf dem Teppich, vor sich ein Rechenbrett, das die Operationsschritte erleichtert. Daneben beschäftigen sich Klassenkameraden mit geometrischen Formen und am Tisch im hinteren Bereich des Klassenraums geht es an diesem Morgen darum, einen Satz nach seinen Wortarten zu untersuchen. Freiarbeit in der zweiten Klasse der Grundschule Beverbruch. Während in dieser Klasse die Kinder selbst entscheiden, womit sie sich befassen möchten, bestimmt andernorts Frontalunterricht den Schulalltag. Klassenlehrerin Melanie Sitzmann unterrichtet nach der Montessori-Pädagogik.

Maria Montessori und ihre Prinzipien

Die Pädagogik, die Maria Montessori (1870-1952) entwickelte, wird auch heute noch als eine alternative Form der Pädagogik angesehen. Ihr Leitsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Maria Montessori versuchte mit einem völlig neuen Ansatz, Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern. Sie sah jedes Kind als Individuum – einzigartig und als respektable Persönlichkeit. Ihr Hauptziel lag darin, Mädchen und Jungen zu einer Selbstständigkeit und zu einem Selbstvertrauen zu erziehen, die ihnen in ihrem späteren Leben von großem Vorteil sein sollte.

Wichtige Prinzipien sind
das Kind in seiner Persönlichkeit zu achten und es als ganzen, vollwertigen Menschen zu sehen
seinen Willen entwickeln helfen, indem man ihm Raum für freie Entscheidungen gibt
dem Kind helfen, selbstständig zu denken und zu handeln
 ihm Gelegenheit bieten, dem eigenen Lernbedürfnis zu folgen und es entscheiden zu lassen, was es wann lernen will
dem Kind helfen, Schwierigkeiten zu überwinden.

Zweieinhalb Jahre lang hat sich die Pädagogin dafür ausbilden lassen, hat schriftliche und mündliche Prüfungen bestanden und in zwölf Montessori-Einrichtungen hospitiert, bis sie das Diplom erhielt, mit dem sie nach Montessori in der Grundschule in Beverbruch unterrichten darf. Seit April 2018 ist die Schule anerkannte Hospitationsstätte der Deutschen Montessori-Vereinigung. Bedeutetet: Pädagogen, die die entsprechende Zusatzausbildung absolvieren, kommen nach Beverbruch, um sich fortzubilden.

Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Im Prinzip gehe es darum, sich als Lehrer zurückzunehmen und die Schüler beim Lernen zu unterstützen, berichtet Melanie Sitzmann. Der Pädagoge sei „Beobachter", der nur eingreift zur Unterstützung.

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Die Schüler erhalten einen Wochenplan mit den Themen, die für sie in der Woche anstehen. In den zwei Schulstunden jeden Morgen bis auf freitags können die Mädchen und Jungen dann, nachdem die Morgenrunde vorüber ist, wählen, ob sie sich mit Adjektiven oder Zungenbrechern im Fach Deutsch befassen möchten oder mit geometrischen Formen oder Subtraktion im Fach Mathe. Hauptsache, am Ende ist alles erledigt.

„Jedes Kind arbeitet nach dem eigenen Niveau“, erklärt Melanie Sitzmann. Wer nun denkt, die Kinder würden vor allem die Bereiche wählen, die sie eh schon beherrschen, sieht sich getäuscht: Kinder lernten aus sich selbst heraus, berichtet die Pädagogin, „intrinsisch motiviert“ lautet der Fachbegriff. Der Filmemacher Alexandre Mourot nennt es „Die Lust am Selberlernen“.

Der Vorteil: „Kinder können nicht über- oder unterfordert werden“, so Melanie Sitzmann. Das bezeugen die Mädchen und Jungen der Klasse selbst, die sich die Einmaleins-Reihen selbstständig beigebracht haben. Der Wissensdrang wird nicht gebremst. Der Stoff werde im gebundenen Unterricht aber nochmals für alle vermittelt, erklärt die Pädagogin, so bleibt keiner zurück. Auch voneinander zu lernen, ist Unterrichtsprinzip: Wer nicht weiterweiß, fragt Melanie Sitzmann. Oder einen Mitschüler.

„Lernen mit Kopf, Herz und Hand“, wie es der Pädagoge Pestalozzi vor rund 200 Jahren propagiert hat, verfolgt die Pädagogin ebenfalls: Beim Rechnen helfen Würfel, Formen werden ertastet, aus Bildern Geschichten erzählt, mit Schablonen Wortarten definiert. Natürlich finden auch Lernzielkontrollen statt: Arbeiten wie in anderen Klassen einerseits, Tests, um zu belegen, dass sie das Thema verinnerlicht haben, schnappen sich die Schüler selbst.

Bildungswerk

Was sich hinter der Montessori-Pädagogik verbirgt, vermittelt Melanie Sitzmann in zwei Bildungswerk-Kursen: Der Kurs „Kinder sind anders“, angeboten am 25. März um 19.30 Uhr in der Grundschule Beverbruch, versteht sich als Einführung in das Thema. Er dient auch als Vorbereitung auf den Praxiskurs „Mit allen Sinnen lernen“ – eine Einführung in das Montessori-Material –, der am 25. April um 19.30 Uhr ebenfalls in der Grundschule Beverbruch stattfindet. Anmeldungen für beide Kurse sind möglich beim Bildungswerk Garrel unter Telefon  04474/919385 sowie im Internet unter www.bildungswerk-garrel.de.

Ganz ohne Regeln geht es gleichwohl nicht – die haben sich die Kinder aber selbst auferlegt: Wo es Probleme gibt, werden sie im Klassenrat besprochen und „demokratisch gelöst“, so die Lehrerin.

Sicherlich müsse man einige Schüler mehr im Auge haben als andere. Für jeden Einzelnen gebe es bei dieser Art des Unterrichts aber viel mehr Zeit, betont die Fachfrau. Dass das Unterrichtsprinzip funktioniert, davon konnten sich Eltern auch schon selbst überzeugen.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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