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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Wo Schüler zu Umweltforschern werden

04.09.2019

Cloppenburg Ist die Stickstoffbelastung in Gewässern der Weser-Ems-Region zu hoch? Diese Frage hat in der Vergangenheit im nordwestlichen Niedersachsen für viel Unfrieden gesorgt. Ein Forschungsprojekt soll jetzt flächendeckend Messwerte sammeln. Dafür werden in den Landkreisen Cloppenburg, Vechta, Emsland und dem Nordkreis Osnabrück Bürger gesucht, die eineinhalb Jahre auf ihrem Grund und Boden alle zwei Wochen Wasserproben entnehmen.

Finanziert wird das Projekt mit 300 000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Die wissenschaftliche Begleitung übernehmen die Universitäten Osnabrück und Oldenburg. Vor Ort fungieren 13 Schulen als Forschungspartner. Sie versorgen die Teilnehmer mit einer Messbox und sammeln die Messdaten ein. Eine dieser Schulen ist das kirchliche Gymnasium Liebfrauenschule (ULF) in Cloppenburg. Auch Schulen in Friesoythe, Löningen und Damme machen mit.

Eine 16-köpfige ULF-Seminargruppe aus dem zwölften Jahrgang unter Leitung von Professor Dr. Marco Beeken betreut das praxisnahe Forschungsprojekt. Unter den Teilnehmern ist auch Katharina Ottenweß aus Sevelten. Sie findet es ungerecht, dass den Landwirten die ganze Schuld in die Schuhe geschoben wird. „Die Leute sollten auch mal darüber nachdenken, dass die ganze Nahrung auch irgendwie produziert werden muss.“ Das Projekt gefällt ihr gut, da alle zusammenarbeiten und nicht – wie in der Vergangenheit – gegeneinander.

Dieses Projekt sei zwar neu, aber mit Klimawandel und Umweltfragen hätten sie sich in der Vergangenheit oft beschäftigt, sagt ihr Mitschüler Lasse Böckermann aus Großenkneten. Er findet es wichtig, dass sich Jugendliche in ihrer Freizeit und in der Schule damit auseinandersetzen. Paul Vaske kommt aus Halen. Dort gibt es viele Bauern. Die Diskussionen über Nitratbelastungen in Gewässern aufgrund der Gülledüngung sei im Dorf natürlich Thema, sagt er. Ob sie zu hoch sind oder nicht? Da ist er sehr gespannt.

Was ist überhaupt gefährlich an Nitrat? Nitrat sei überall in der Nahrung, sagt Beeken. Im Körper kann es zu Nitrit umgewandelt werden. Bei Erwachsenen baut ein Enzym das Nitrit größtenteils wieder ab, nicht aber bei Säuglingen, denen dieses Enzym fehlt. Bei ihnen kann es dadurch zur Sauerstoffmangelversorgung kommen. In hohen Dosen, weiß der Chemiker, könne Nitrit auch krebserregend sein.

Was passiert, wenn der Messwert irgendwo über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegt? Dann wird noch einmal nachgemessen und mit den Messwerten der Behörden verglichen, erklärt Beeken, der auch an der Universität Osnabrück als Chemie-Didaktiker lehrt und insofern das Projekt von beiden Seiten betreut: „In den Universitäten sehen wir die Werte über eine App in Echtzeit.“

Die Bürger bringen sich unmittelbar in die wissenschaftliche Arbeit ein. Einer von ihnen ist der Cloppenburger Kurt Löwe. Er hofft auf gute Ergebnisse. Mit dem Wasser aus seinem 30 Meter tiefen Brunnen versorgt er seinen Garten und zwei Teiche.

Auch Beeken ist sehr gespannt: Es ist die erste Messung in Cloppenburg. Das Ergebnis beruhigt schließlich alle. Der Nitratwert liegt bei unter zehn Milligramm pro Liter und damit deutlich unter dem Grenzwert.


Mehr Infos   www.nitrat.uos.de 
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