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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Debatte auch nach 500 Jahren aktuell

03.06.2017

Garrel Auch nach 500 Jahren taugt die Bibelübersetzung von Martin Luther noch für Debatten. Das zeigte sich beim Vortrag von Professor Dr. Hermann Gelhaus, der im Rathaus der Gemeinde Garrel über „Luthers Bibelübersetzungen“ vor fast 50 Besuchern sprach. Denn nach dem Vortrag entwickelte sich eine zuweilenhöchst interessante Diskussionsrunde – mindestens für Linguisten

Der „Nährboden der Häresie“ – so wurde die Volkssprache schon im Film und Buch „Der Name der Rose“ bezeichnet. Ein Vorwurf, den Luther zu entkräften suchte. Ebenso wie die Meinung der Kirchenväter, das gemeine Volk brauche die Bibel nicht zu lesen. Das Recht und die Pflicht der Auslegung liege bei der Geistlichkeit. Bischof Berthold von Henneberg vertrat die Meinung, der deutschen Sprache mangele es an passenden Ausdrücken und der Fülle des Ausdrucks, wie sie das Lateinische besitze. Es könne nur zu falschen Übersetzungen kommen. Luther brach radikal mit dieser Vorstellung der unveränderlichen Sprachen, wenngleich er sich auf diese bezieht, in dem er das Studium der klassischen Bildungssprachen für sehr förderlich hielt und sie „nicht ganz hatte fahren lassen“, wie Professor Gelhaus sagte. Aber er hob die deutsche Sprache auf eine Stufe mit den klassischen Bildungssprachen.

Luther sorgte für eine „Renaissance des Evangeliums“, in dem er die Ansicht vertrat, die Bibel gehöre in die Hand des Volkes. Die Bibel, das Wort Gottes, sei die einzige Autorität, nicht die Kirchenväter-Lehre.

Erst später sollte sich erweisen, dass es – entgegen der Kritik – sehrwohl Systematiken in der Volkssprache gibt. Und gutes Deutsch wird mit Rückgriff auf Luther als dieses ausgemacht, denn ihm ist auch eine Vereinheitlichung des Deutschen zu verdanken.

Das Evangelium Wort für Wort zu übersetzen, war nicht der Auftrag, den sich Luther gab. Er übersetzte nach dem Sinn. Nur so könne gelingen, den Text auch verständlich werden zu lassen, war sich Luther sicher – stets in der Gewissheit, dass nicht jede Übersetzung immer noch einmal verbessert werden könnte.

Das „größte Lob“, so Professor Gelhaus, erfuhr der Kirchenmann dadurch, dass die Bibel reißenden Absatz fand. Und die Luthersprache verbreitete sich dank der Bibel rasend in Deutschland.

Wäre eine plattdeutsche Bibelübersetzung möglich? Diese Frage war eine von vielen, die in der anschließenden regen Diskussion thematisiert wurde. Professor Dr. Gelhaus: „Sehr wohl“, denn der Sinn könne in jeder Sprache wiedergegeben werden. Die katholische Kirche allerdings sieht das jedoch anders.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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