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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Wiedersehen mit alten Gästen

15.07.2019

Ermke Murat aus Aserbaidschan war aus Paris mit dem Flixbus angereist, Noé aus der Schweiz hatte in Südfrankreich zu tun und war mit dem Flugzeug gekommen, Noisette aus Belgien mit dem Auto und Beatrisa aus Estland bleibt noch ein paar Wochen in Ermke. Gemeinsam ist allen und weiteren 14 jungen Menschen aus fast der ganzen Welt, dass sie ein Jahr bei Familie Möller in Ermke verbracht und das Clemens-August-Gymnasium in Cloppenburg besucht haben. Sieben von ihnen, die in Europa leben, trafen sich nun zu einer Wiedersehensfeier in Ermke aus Anlass des 70. Geburtstages von Albert Möller.

„Wir haben hier in diesen 18 Jahren Schüler gehabt aus allen Erdteilen außer aus Australien. Es war jemand hier aus Japan, aus Brasilien, aus Mexico, aus den USA aus Ghana, aber auch aus Europa, zum Beispiel aus Aserbaidschan, Belgien, Rumänien, Finnland und den Niederlanden und aktuell Beatrisa aus Estland“, berichtet Agnes Möller-Rolfes. Sie und ihr Mann Albert engagieren sich bei der Organisation Youth for Understanding (YfU). „Ich wollte immer ehrenamtlich arbeiten“, erzählt Agnes Möller-Rolfes. Dieser Bildungsaustausch gefiel ihr. Denn seit mehr als 60 Jahren nehmen Schülerinnen und Schüler an YFU-Austauschprogrammen teil. „Ein Austauschjahr mit YFU eröffnet Gastfamilien und Jugendlichen die Möglichkeit, eine andere Kultur intensiv zu erfahren und fördert so die interkulturelle Verständigung“, so Möller-Rolfes. YFU, weder religiös und politisch gebunden, konzentriert sich auf langfristigen Schüleraustausch. Die Teilnehmer lernen, sich über nationale und kulturelle Grenzen hinweg zu verständigen. Mit dem Schüleraustausch möchte YFU interkulturelle Verständigung persönlich greifbar machen und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein vermitteln.

Möller-Rolfes selbst hält sogenannte Mittelseminare ab, in denen Austauschschüler über ihre ersten Erfahrungen in Deutschland berichten, in denen Probleme mit der Gastfamilie angesprochen oder in denen den Schülern deutsche Kultur und deutsche Kunst vermittelt werden. „Unter Umständen müssen Gastfamilien ausgetauscht werden, wenn die Harmonie nicht stimmt“, erzählt die Ermkerin. Mit Beatrisa zusammen leitet Agnes Möller zudem in nächster Zeit eine Orientierungswoche für neu nach Deutschland kommende Schüler.

Livio aus Rumänien war der erste Gastschüler bei den Möllers. „Damals gehörte Rumänien noch nicht zur EU und wir mussten für ihn bürgen“, erzählt Rolfes-Möller. Heute beschäftigt er sich mit internationalen Beziehungen und schreibt an einem Buch über die amerikanische Außenpolitik. Murat aus Aserbaidschan hatte einen enormen Bewegungsdrang. Statt mit Albert Möller im Auto zur Schule nach Cloppenburg zu fahren, nahm er das Fahrrad. „Ich fuhr gerne Fahrrad. Hier konnte ich das. Ich konnte beim BC Ermke Fußball spielen und im Schützenverein schießen“, erzählt der Student der Sorbonne, der gerade im Fach Physik promoviert.

Eine Erfahrung haben alle gemacht: „Wir haben alle in Ermke zugenommen“, erzählt Noé. Ansonsten haben sie Ermke als still und angenehm empfunden und in den örtlichen Vereinen mitgemacht. „Zwei unserer Austauschschüler haben sogar die Schiedsrichterausbildung gemacht“, freut sich Albert Möller, selbst ehemaliger Schiedsrichter.

An eine Sache mussten sich alle im Hause Möller gewöhnen: An die deutsche Pünktlichkeit. „Das ist mir unheimlich schwergefallen und ich habe auf diese Pünktlichkeit geschimpft. Als ich später nach Rumänien zurückging und Termine gemacht habe, die dann nicht eingehalten wurden, habe ich die deutsche. Tugend gelobt“, erinnert sich Livio. Schwierigkeiten gab es manchmal auch mit dem Plattdeutsch. „Ich kam von meiner ersten Feier zurück. Es wurde Plattdeutsch gesprochen. Ich dachte, ich verstehe nichts, weil ich betrunken bin und bin ins Bett gegangen. Am nächsten Tag klärte sich auf, dass es nicht am Alkohol lag“, so Noé.

Für Möllers ist Beatrisa die letzte Austauschschülerin. „Wir wollen nicht Oma und Opa für die Schüler sein“, sagen sie. Aber als Betreuerin möchte sich Agnes Möller schon noch weiterhin engagieren. Zur goldenen Hochzeit in vier Jahren möchte sie alle 18 ehemaligen Gastschüler in Ermke begrüßen können.

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