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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Junge Frauen trotzen dem Handwerker-Klischee

11.10.2018

Friesoythe /Edewecht Am 11. Oktober wird seit einigen Jahren der Welt-Mädchentag gefeiert. Der Tag soll unter anderem auf die Benachteiligung von Mädchen und die gezielte Förderung von Mädchen und jungen Frauen in Bildung und Beruf aufmerksam machen. Die NWZ hat zwei junge Frauen getroffen, die eine für Mädchen eher ungewöhnliche Berufswahl getroffen haben: Carmen Henle und Saskia Getzlaff müssen sich in der immer noch vorwiegend von Männern dominierten Welt des Handwerks behaupten – und das mit Erfolg.

Die Metallbauerin

„Ich wollte eigentlich schon immer im Handwerk arbeiten“, sagt Carmen Henle. Nur für die Ausbildung kam die 21-Jährige nach Friesoythe. Geboren und aufgewachsen ist sie in einer kleinen Stadt in Namibia – auf dem Bauernhof ihrer Eltern kam sie schon früh mit handwerklichen Arbeiten in Kontakt und fasste den Entschluss, Schmiedin oder Schlosserin zu werden. Bei der Suche in Deutschland wurde sie dann auf die Ausbildung zur Metallbauerin in der Fachrichtung Konstruktionstechnik bei der Firma Heinrich Kühling Stahl- und Metallbau aufmerksam. Während ihre gesamte Familie weiterhin in Afrika lebt, hat Carmen, fernab, ein neues Leben im Oldenburger Münsterland begonnen – für eine Ausbildung, für die sich kaum eine Frau entscheidet.

BILD: Warmuth

Hintergründe zum Welt-Mädchentag:

Die Vereinten Nationen (UN) haben im Dezember 2011 den 11. Oktober zum Internationalen Welt-Mädchentag erklärt. Die Idee zu diesem Tag entstand bereits 2003 als Teil der Kampagne „Because I am a Girl“ des Vereins Plan International Deutschland.

Der Aktionstag verfolgt das Ziel, auf die schwierige Situation von Mädchen in vielen Ländern der Welt aufmerksam zu machen. Durch begleitende Kampagnen sollen Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation gezeigt werden.

Rechte von Mädchen sollen durch den Aktionstag gestärkt werden. Der Tag soll zeigen, dass Jungen und Mädchen noch immer nicht die gleichen Chancen haben und Mädchen weltweit benachteiligt, diskriminiert und missbraucht werden – nur weil sie Mädchen sind.

Forderungen sind unter anderem die gezielte Förderung von Mädchen und jungen Frauen durch Bildung. Weltweit gehen 130 Millionen Mädchen nicht zur Schule. Auch die Bekämpfung der Zwangsehe stellt eine zentrale Forderung dar. Heute leben weltweit fast 750 Millionen Mädchen und Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. Jedes 9. Mädchen in Entwicklungsländern wird vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Auch die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen, eine konsequente Umsetzung von Anti-Diskriminierungsgesetzen sowie keine Toleranz für Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen im Namen von Tradition oder Kultur werden gefordert.

Erste Erfolge sind durch die Einführung des Welt-Mädchentages bereits erzielt worden: Seit 2012 wurden mit der Bewegung fast 5 Millionen Mädchen direkt erreicht. Durch einen koordinierten Ansatz zur Förderung der Gleichberechtigung haben 43 Millionen Mädchen und Jungen indirekt von den Aktionen profitiert. Weltweit setzt Plan International 538 Projekte und Programme um, die Mädchen stärken und fördern.

Bis 2030 hat Plan International sich vorgenommen, die Gleichberechtigung für 100 Millionen Mädchen und junge Frauen zu ermöglichen. Dazu gehören: das Recht auf Bildung, auf körperliche Unversehrtheit und auf menschenwürdige Arbeit. Alle Mädchen sollen gesund aufwachsen, die gleichen Chancen erhalten wie Jungen und ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Mehr Infos zu Kampagne und Aktionstag unter www.plan.de

Seit zwei Jahren absolviert sie ihre Ausbildung bereits – so wie fünf weitere Auszubildende, die alle männlich sind. Ein bis zweimal in der Woche besucht sie die Berufsschule. Auch hier ist Carmen das einzige Mädchen. Unwohl fühlt sie sich aber nicht. „Am ersten Schultag haben mich die Jungs schon etwas verwundert angeschaut. Aber jetzt kommen sie sehr gut damit klar, dass auch ein Mädchen ihren Beruf lernt, ich gehöre dazu“, berichtet sie.

Und: Die männlichen Mitarbeiter im Betrieb sehen in ihr eine echte Unterstützung. „Es ist tatsächlich so, dass Carmen von den Kollegen vorgeschlagen wird, wenn es um Feinarbeiten geht“, erklärt Ute Sperveslage, Prokuristin im Unternehmen. „Sie wissen, dass die Frauen ein wenig mehr Feingefühl besitzen und dass sie sich auf Carmen verlassen können.“ Überhaupt bringe die 21-Jährige viele verschiedene Ideen ein. Sperveslage: „Die Kollegen haben Carmen sehr gut aufgenommen und schätzen ihr weibliches Denken.“ Schließlich führe das zu noch besseren Ergebnissen.

Die Kfz-Mechatronikerin

Ähnlich äußert sich Rainer Niemann. Er betreibt zwei Autowerkstätten, eine in Friesoythe und eine in Edewecht. Vor rund drei Jahren stellte er mit der heute 21-jährigen Saskia Getzlaff aus Markhausen seine erste Auszubildende für Kfz-Mechatronik ein. „Vorurteile oder Hemmungen, die wir eventuell hatten, haben sich überhaupt nicht bestätigt“, sagt Niemann. Ganz im Gegenteil: „Das gesamte Team ist froh, eine so sorgfältige Mitarbeiterin zu haben.“

Für Saskia Getzlaff war bereits seit der fünften Klasse klar, dass sie ein Handwerk erlernen möchte. Schon als kleines Mädchen hat sie zusammen mit ihrem Vater an Motorrädern geschraubt. Nach einem Praktikum in einer Autowerkstatt war klar – das sollte es sein. „Für mich gab es keine Alternative dazu“, lacht die junge Frau. Auch sie ist die einzige Frau in ihrer Berufsschulklasse. Die ersten Tage seien zwar etwas komisch gewesen, doch das habe sich schnell gelegt. Etwas anders behandelt fühlt sie sich weder von ihren Kollegen in der Werkstatt noch von ihren Mitschülern. Lediglich die Lehrer, „denken manchmal, sie müssten aufpassen, was sie sagen“.

Saskia Getzlaff würde sich wünschen, dass mehr Mädchen und junge Frauen ein Handwerk erlernen würden: „Es gibt definitiv viel zu wenige Frauen im Handwerk“, ist sie überzeugt. Ihr Rat an Mädchen ist simpel: Einfach ausprobieren. „Durch ein Praktikum kann man mal Probearbeiten und sehen, ob das was für einen wäre“, sagt sie.

Da stimmt auch ihr Chef, Rainer Niemann zu. Er ist davon überzeugt, dass das Handwerk ohne mehr weibliche Kräfte nicht auskommen kann. „Wer dies immer noch als reine Männerdomäne sieht, dem ist nicht zu helfen“, findet er.

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