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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Sütterlin-Schrift ein schönes Relikt aus schmerzlicher Zeit

02.06.2018

Friesoythe Wem heute ein Brief in altdeutscher Schrift, der sogenannten Sütterlin-Schrift, in die Hände fällt, der steht in der Regel ratlos davor. Einige Buchstaben lassen sich vielleicht erahnen, aber ganze Wörter geschweige denn Sätze lassen sich daraus zumeist nicht ableiten. Dabei war Sütterlin von 1915 bis 1942 offizielle Schreibschrift, die in der Schule gelehrt wurde.

Nur noch wenige können mit der altdeutschen Schrift etwas anfangen. Einer davon ist Otger Eismann (83) aus Friesoythe. Der ehemalige Grundschullehrer und emeritierte Diakon hat Sütterlin noch in der Schule gelernt. In Gescher im Kreis Coesfeld 1935 geboren, besuchte er dort ab 1940 die Grundschule. „In meinen ersten beiden Schuljahren war Sütterlin die offizielle Schreibschrift“, erzählt Eismann im Gespräch mit der NWZ.

1942 gab es dann den Wechsel zur lateinischen Schreibschrift, einer Variante, die der heutigen sehr ähnlich ist. Der 83-jährige Friesoyther kann Texte auf Sütterlin aber noch schreiben und lesen wie früher. Nichts verlernt? „Nein. Was man in der Frühphase erlernt hat, bleibt“, sagt der ehemalige Rektor der Friesoyther Ludgeri-Schule.

Als er selbst noch Grundschullehrer war, hat er seinen Schülern auch immer gerne ein paar Buchstaben und Wörter beigebracht. „Die Kinder waren immer ganz begeistert“, erinnert er sich gerne. Weniger gerne erinnert er sich an seine eigene Grundschulzeit. Zumindest ab der dritten Klasse. Da habe er eine Lehrerin bekommen – „eine stramme Hitler-Verehrerin“ –, die dem kleinen Otger das Grundschulleben schwer gemacht habe. „Gute Noten habe ich bei ihr nie bekommen. Dabei war ich eigentlich ein guter Schüler“, sagt Eismann. Die „Nazi-Lehrerin“ sollte ihm in seiner eigenen Zeit als Lehrer immer ein abschreckendes Beispiel sein.

Schreibschrift von 1915 bis 1942

Das preußische Kultur- und Schulministerium von Ludwig Sütterlin hat im Jahr 1911 einen Auftrag für die Entwicklung einer Ausgangsschrift für das Erlernen von Schreibschrift in der Schule gegeben. 1915 wurde die Sütterlinschrift in Preußen eingeführt. 1942 wurde diese durch die uns heute geläufige lateinische Schreibschrift ersetzt.

Die Umstellung auf die neue Schreibschrift im Jahr 1942 sei ihm nicht sehr schwer gefallen. Und auch seine Eltern hätten schnell gelernt. „Doch die alte Schreibschrift haben sie noch lange beibehalten.“ So gibt es zum Beispiel einen Brief seiner Mutter an ihren Sohn Karl, Otgers älterem Bruder, aus dem Jahr 1943. Ein trauriges Dokument, denn den Brief sollte Karl nie bekommen. Als die Mutter die Zeilen zu Papier brachte und den Brief abschickte, war ihr Sohn bereits im Krieg gefallen. Ohnehin war der Zweite Weltkrieg für Familie Eismann traumatisch. Otger verlor vier Brüder. Geblieben sind nur wenige materielle Erinnerungen, etwa ein Tagebuch und das Berufsschule-Berichtsheft seines Bruders Karl, alles geschrieben auf Sütterlin.

Da Otger Eismann die altdeutsche Schrift beherrscht, ist er heute auch oft als Übersetzer gefragt. „Ich habe schon viele Feldpostbriefe oder Urkunden übersetzt“, sagt Eismann und bietet diese Hilfe auch nach wie vor an.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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