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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Immer weniger helfende Hände

30.05.2018

Friesoythe /Sedelsberg Es ist ein so hohes und sensibles Gut. In Würde zu altern und als pflegebedürftiger und kranker Mensch liebevoll gepflegt zu werden. Doch viele Pflegedienste in Deutschland können die Patienten aufgrund von Personalmangel nicht mehr hinreichend versorgen. Pflegebedürftige, aber insbesondere auch die Angehörigen machen sich große Sorgen. Mehr als 25 000 Fachkraftstellen in der Alten- und Krankenpflege sind laut Bundesregierung deutschlandweit nicht besetzt. In Niedersachsen sind es fast 3000. Zudem fehlen in Niedersachsen 1000 Hilfskräfte (bundesweit rund 10 000). Auch im Nordkreis gibt es einen zunehmenden Fachkräftemangel bei den (ambulanten) Pflegediensten zu beklagen.

Den Pflegenotstand kann Doris Meyer, Leiterin der Friesoyther Sozialstation St. Marien, nur bestätigen. „Wir suchen immer nach geeigneten Personal.“ Vor zehn Jahren habe es noch deutlich mehr Bewerber für Pflegedienststellen gegeben. Da habe man sich die Mitarbeiter praktisch aussuchen können, schildert Meyer. Jetzt müsse man bei entsprechender Eignung fast jeden nehmen.

„Wir haben wesentlich mehr Arbeit als noch vor zehn Jahren. Damals hatten wir circa 70 Patienten, heute sind es 350“, berichtet Meyer. Da sei einerseits auf die politische Gewichtung in Deutschland zurückzuführen – ambulant vor stationär –, aber auch den demografischen Wandel.

Im Gegensatz zu vielen privaten ambulanten Pflegediensten kann die in kirchlicher Trägerschaft geführte Einrichtung St. Marien mit ihren 65 Mitarbeitern (darunter zwei Männer/Pfleger) die schwierige Situation noch einigermaßen auffangen. „Wir brauchen noch keinem neuen Patienten absagen. Doch Wunscheinsatzzeiten können wir bei Neuaufnahmen nicht mehr gewährleisten“, erklärt Meyer. Die meisten Patienten werden morgens zwischen 7 und 9 Uhr in ihrem Zuhause betreut. Neue Patienten müssten schon mal mit 9.30 Uhr Vorlieb nehmen.

„Es kommt viel zurück“

Der Mangel an neuen, gut ausgebildeten Pflegefachkräften sei ihrer Meinung nicht nur auf das Gehalt zurückzuführen. „Die Arbeitszeiten im Pflegebereich sind für viele junge Leute nicht attraktiv“, so Meyer. Früh- und Spätdienst, Teildienst (ambulant) und alle zwei Wochen Wochenenddienst stehen für die Mitarbeiter der Sozialstation St. Marien auf dem Plan. Der Beruf sei zudem körperlich sehr beanspruchend. „Doch der Pflegeberuf hat auch viele tolle Seiten. Menschen zu helfen, ihnen zu ermöglichen, so lange wie es geht zu Hause zu bleiben. Es kommt viel zurück an Dankbarkeit, von den Patienten, aber auch den Angehörigen“, betont Doris Meyer.

In Sedelsberg führt Martin Reiners gemeinsam mit seiner Frau Nicole den privaten Pflegedienst „Reiners – Ihr ambulanter Pflegedienst GbR“. 38 Mitarbeiter gibt es – zu wenig für den gestiegenen Pflegebedarf. „Die Lage ist absolut beschissen. Es ist fünf vor zwölf. Unsere Mitarbeiter gehen auf dem Zahnfleisch“, betont Martin Reiners.

„Wir können derzeit keine Patienten mehr aufnehmen, suchen händeringend nach zusätzlichem Pflegepersonal.“ Das Gehalt sei ein entscheidender Reizfaktor, um den Pflegeberuf für neue Fachkräfte attraktiver zu machen. „Es wird zu schlecht bezahlt in der Pflegebranche.“ Doch für höhere Löhne „ist mehr Geld von den Krankenkassen nötig“, sagt Reiners.

Wenn das Zeitkontingent für einen Patienten in der Pflege mal überschritten wird, „dann müssen die Pflegedienste draufzahlen. Das gibt es in keinem anderen Berufsfeld“, kritisiert er.

Große Verantwortung

Neben dem Gehalt müsse auch die öffentliche Wertschätzung für die Pflegerinnen und Pfleger steigen. Die Verantwortung des Pflegepersonals sei sehr groß im Umgang mit den verschiedensten Patienten – darunter eine steigende Zahl an Demenzerkrankten – auch mit dem psychischen Druck, Menschen leiden zu sehen, müsse man umgehen können, so Reiners.

Es müsse dringend etwas passieren, sagt er. Nun sei die Politik am Zug. Union und SPD wollen 13 000 neue Fachkraftstellen schaffen und eine bessere Bezahlung gewährleisten. Zudem ist eine „Konzertierte Aktion Pflege“ für einen besseren Personalschlüssel und eine Ausbildungsoffensive für Pflegerinnen und Pfleger angekündigt. Weitere Ziele sind der Abbau finanzieller Hürden bei der Pflegeausbildung und die Stärkung der ambulanten Alten- und Krankenpflege im ländlichen Raum.

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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