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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Mit einfachen Mitteln kommunizieren

29.09.2018

Friesoythe Am letzten Sonntag im September wird weltweit der „Tag der Gehörlosen“ begangen. Betroffene wollen damit auf ihre Situation aufmerksam machen.

Zu den rund 80 000 Gehörlosen in Deutschland gehören auch Antje Büter und Lucia Luttmann. Die beiden Frauen arbeiten in der sozialen Arbeitsstätte des Caritas-Vereins Altenoythe, einer Werkstatt für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. Ihre Hörbehinderung stellt sie und ihre hörenden Kollegen vor Kommunikationsbarrieren – mit nicht zu unterschätzenden sozialen Auswirkungen.

Gebärden lernen

Bei Gruppensitzungen etwa seien die Gehörlosen häufig nicht vollständig eingebunden, sagt Martina Stalljann, stellvertretende Leiterin der sozialen Arbeitsstätte. „Das ist ähnlich, als säße man in einer Runde, in der alle Chinesisch sprechen“, vergleicht Stalljann. Wenn möglich, nehmen sich die Gruppenleiter nach der Sitzung für die Gehörlosen noch extra Zeit. Oft fehlt diese aber. Auch in geselligen Runden, etwa in Pausen oder bei Feiern, fühlen sich Gehörlose oft isoliert. „Antje wollte ganz lange gar nicht mitkommen zu Feiern“, erzählt Ingrid Südkamp. Gemeinsam mit einer weiteren Mitarbeiterin der sozialen Arbeitsstätte belegte sie vor einem Jahr einen Gebärdensprachkurs. Dies sei zwar nicht einfach, aber die Mühe zahlt sich aus: „Die Kommunikation hat sich deutlich verbessert. Antje fühlt sich wertgeschätzt und ist entspannter“, so Ingrid Südkamp. Auch andere Mitarbeiter eignen sich nach und nach einige Gebärden an. Es helfe schon, wenn man ein paar Ausdrücke kenne. Vor kurzem wurde Antje Büter für ihr 20-jähriges Jubiläum in der Werkstatt geehrt. „Alle haben in Gebärden geklatscht. Da hat sie richtig gestrahlt. Sie war ganz beeindruckt.“

Seit dem Sommer hängt gegenüber von Antje Büters Arbeitsplatz in der Kreativwerkstatt ein Plakat mit den wichtigsten Gebärden. Zudem können sich Mitarbeiter kleine Kärtchen mit weiteren Gebärden zur Hilfe nehmen. „Schon durch einfache Kommunikation hat sich die Zusammenarbeit deutlich verbessert“, sagt Christina van Düren, die ebenfalls in der sozialen Arbeitsstätte arbeitet.

Im Umgang mit Lucia Luttmann wiederum hilft dies nicht unbedingt weiter. Sie kann Gebärdensprache selbst nicht sehr gut. Nun hat sie jedoch ein Implantat, mit dem die seit ihrer Geburt Gehörlose plötzlich hören kann. Was durch und durch positiv klingt, ist für die 55-Jährige nicht immer leicht. „Im Moment prasselt alles auf sie herein. Sie muss erst lernen zu filtern, und die Worte ihrer Bedeutung zuzuordnen“, erzählt Mitarbeiterin Julia Bloedorn. Dabei unterstützt sie sowohl eine Logopädin als auch eine App, mit der sie Laute – Vokabeln gleich – entsprechenden Bildern zuordnet. Überhaupt sei das Handy ein hilfreiches Medium: „Mit Symbolen und Fotos teilt Lucia uns viel mit, auch Privates. Ohne dieses Kommunikationsmittel würden wir viel weniger aus ihrem Alltag mitkriegen“, schwärmt Julia Bloedorn.

Einfache Mittel im Alltag

Martina Stalljann ist überzeugt, dass Gehörlose mit einfachen Mitteln besser in das gesellschaftliche Leben eingebunden werden könnten – auch jenseits ihrer Familien und dem Fachpersonal der sozialen Arbeitsstätte. „Es wäre schon viel gewonnen, wenn im Alltag mehr Leute über Mimik und Gestik mit Gehörlosen kommunizieren würden.“ In emotionalen oder Konfliktsituationen, wenn die Kommunikation mit Mimik und Gestik schwierig werde, helfe es, Dinge aufzuschreiben. Auch wenn dies eben manchmal etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Nathalie Meng Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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