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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Wenn der Unterricht smart wird

16.01.2019

Garrel Rund zweieinhalb Stunden verbringen Jugendliche heute vor dem Bildschirm und nutzen Tablet und Handy – weit mehr als sie Zeit für Hobbys und Sport verbringen. Digitale Medien bestimmen den Alltag der meisten Jugendlichen. In der Schule herrschte bei vielen Lehrern Skepsis gegenüber Digitalisierung: 49 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter sind der Meinung, dass der Nutzen digitaler Medien überbewertet wird, berichtete die „Zeit“ mit Verweis auf den Schulleitungsmonitor der Universität Essen-Duisburg im Auftrag der Wübben-Stiftung. Zudem habe die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer Vorbehalte gegen die Nutzung digitaler Medien.

Zum Vorreiter in Bezug auf digitale Medien aufgeschwungen hat sich die Oberschule Garrel, mindestens im Cloppenburger Landkreis. Sämtliche Klassenräume – 33 an der Zahl – und zudem die Fachräume hat die Gemeinde als Schulträger mit interaktiven Tafeln ausgestattet.

Klassische Tafeln sucht man in der Oberschule vergeblich. Zumeist seien sie auch völlig überflüssig, berichten Schulleiter Markus Berssen und Jörn Ksinsik, didaktischer Leiter der Oberschule. Es sei denn, die Internetverbindung ist mal wieder gestört oder zu langsam. Das sei leider häufiger der Fall, die Bandbreite genügt den Anforderungen einer digitalen Schule längst nicht. „Wir sind mit einer Boeing unterwegs, haben aber nur einen fünf Liter Kanister Kerosin zur Verfügung“, zieht Schulleiter Berssen den Vergleich, aber: „Daran wird gearbeitet.“

Zeugnis bis Klassenbuch

Unterrichtsmaterial, die Dokumentation der individuellen Lernentwicklung der Schüler, Zeugnisse und demnächst das Klassenbuch, die Kommunikation über die schuleigene Cloud, plattformunabhängig und unter Aufsicht des Lehrers – die Digitalisierung ist vielgestaltig.

Lehrer Jörn Ksinsik hatte die Digitalisierung an der Oberschule 2012 maßgeblich mit umgesetzt – allerdings nicht, ohne die Kollegen mit ins Boot zu holen und sie schulintern fortzubilden. Sicherlich habe es zu Beginn einige Skepsis gegeben, erinnern sich Ksinsik und auch Schulleiter Markus Berssen. Doch wo früher Skepsis herrschte, wollten die Lehrer heute auf die digitalen Möglichkeiten nicht mehr verzichten. Auch wenn sie sich zu Beginn einige Streiche gefallen lassen mussten. Da kaperten Schüler schon mal kurz die Mouse vom Rechner...

Eltern in der Pflicht

Bilder, die früher nach der Unterrichtsstunde schnell wieder von der Tafel verschwanden, sind jetzt digital dauerhaft abrufbar aus der Cloud oder vom USB-Stick. Erklärvideos, Arbeitsblätter, die am Computer digitalisiert werden, Audioausgaben für den Englisch- oder Französisch-Unterricht, der Atlas, den frühere Schülergenerationen mitschleppen mussten – alles digital und ein „echter Mehrwert“, sagt Ksinsik. Wie man einen Winkel vermisst, kann er mit Hilfe des digitalen Geodreiecks, zumal skalierbar, mit wenigen Klicks für die gesamte Klasse demonstrieren. Auch die Lehrwerke sind angepasst an das digitale Lernen.

Eltern wollen die Pädagogen gleichwohl nicht aus ihrer Verantwortung für ihre Kinder im Umgang mit digitalen Medien wie Tablets oder Smartphones entlassen. Die Kontrolle darüber etwa, wie Dienste wie Whatsapp genutzt würden, obliege den Eltern, nicht den Lehrern. „Wir können das nicht leisten“, sagt Schulleiter Berssen. Wie an vielen Schulen hatte es in Garrel „viele Probleme“ durch den Messengerdienst gegeben. „Eltern müssen den Grundstock für einen bewussten Umgang mit den Medien legen.“

Nur zur Unterstützung

Ksinsik und Berssen machen aber auch deutlich: Die digitalen Medien dienen im Unterricht lediglich der Unterstützung. Die Inhalte seien im Kerncurriculum festgehalten. Auf handschriftliches Arbeiten wollen die Pädagogen auch in Zukunft nicht verzichten. „Schüler müssen Tun. Nur so lernen sie“, fasst Ksinsik zusammen.

Über die Einrichtung von Tablet-Klassen hat sich die Oberschule zwar Gedanken gemacht, nimmt allerdings derzeit davon Abstand. „Der Mehrwert erschließt sich uns noch nicht“, urteilt Ksinsik. Wenn, dann soll Schülern ermöglicht werden, eigene Geräte mitzubringen – ebenso wie Lehrern. Deutlich wird: Der Prozess der Digitalisierung an der Oberschule ist nicht abgeschlossen – und wird es nie sein.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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