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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Hochdeutsch als Fremdsprache

12.05.2016
Frage: Herr Willer, Sie sind nicht nur Vorsitzender der Borsla-Vereinigung in Bösel, sondern auch einer der Gründungsväter. Was war damals Ihr Ziel?
Willer: Wir wollten uns um die Erhaltung der niederdeutschen Sprache kümmern. Dabei haben wir uns für einen Literaturwettbewerb entschieden, der die Sprache auch über die Grenzen von Bösel hinaus pflegt. In diesem Jahr geht der Preis in die 20. Runde. Die ersten Einsendungen habe ich bereits in meinem Briefkasten gefunden. Noch bis zum 15. Juli können Teilnehmer ihre selbst geschriebenen plattdeutschen Kurzgeschichten, Novellen, Gedichte oder andere Genres einreichen.
Frage: Haben Sie als Jugendlicher denn auch viel Plattdeutsch gesprochen? Und denken Sie, dass Jugendliche heutzutage zu wenig mit dem Plattdeutschen in Berührung kommen?
Willer: Für mich war das Hochdeutsche damals die erste Fremdsprache, die ich lernen musste. Gerade weil Jugendliche heute kaum etwas mit dem Plattdeutschen zu tun haben, finde ich, dass es zum festen Unterrichtsfach gemacht werden sollte. Es geht dabei ja nicht um irgendeine deutsche Mundart. Die plattdeutsche Sprache ist eine eigenständige Sprache, die im Lehrplan der Schüler auftauchen muss.
Frage: Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem, warum die plattdeutsche Sprache in den Hintergrund gerückt ist?
Willer: Das Plattdeutsche ist eine alte aber vorherrschende Sprache. Dementsprechend war das Hochdeutsche damals auch nur eine Mundart. Das würde mir heute keiner mehr von den jungen Leuten glauben. Im weitesten Sinn haben Sprachen auch immer etwas mit Kultur zu tun, die erhalten werden muss. ◘Die meisten Jugendlichen interessieren sich schlichtweg für andere Dinge in ihrem Leben. Loriot hat es mit einem Satz auf den Punkt gebracht, den ich auf die Sprache beziehe: Ein Leben ohne Plattdeutsch ist möglich, aber sinnlos.

Verein Borsla

Dr. Josef Willer ist nicht nur Gründungsmitglied, sondern auch seit vielen Jahren Vorsitzender des Vereins. Beruflich widmet er sich seit 1999 vor allem Hunden und Katzen in seiner Kleintierpraxis am Berliner Ring in Bösel.

Zum 20. Mal wird in diesem Jahr der plattdeutsche Literaturwettbewerb ausgeschrieben. Borsla hat es sich zum Ziel gemacht, die plattdeutsche Sprache zu erhalten. Bis zum 15. Juli können Teilnehmer ihre Schriftstücke einsenden. Informationen gibt es unter www.borsla.de.

Frage: Ist ein Grund für das mangelnde Interesse an der Sprache auch, dass die Jugendlichen viel zu spät erst damit in Kontakt gekommen sind?
Willer: Ja, auf jeden Fall. Ich merke es immer wieder, dass Eltern oder Großeltern, die eigentlich Plattdeutsch miteinander sprechen, zu viel Rücksicht auf die Kinder nehmen und mit ihnen dann Hochdeutsch sprechen. Sie müssen ihre Kinder und Enkelkinder mehr einbeziehen und auch einmal auf Plattdeutsch reden lassen. Dann kommt das ganz von alleine.
Frage: Was hat es denn für Vorteile, wenn Jungen und Mädchen heutzutage Plattdeutsch sprechen?
Willer: Es wird immer gesagt, dass es die Sprachentwicklung fördert, wenn Kinder mindestens zwei Sprachen sprechen können. Warum denn nicht auch Plattdeutsch? Es hat viele Parallelen zum Englischen und Holländischen und könnte Jungen und Mädchen nur positiv entgegenkommen, wenn sie bereits in der Schule diese Ähnlichkeiten kennen. Es ist ja nicht so, dass sie das Hochdeutsche verlernen würden, wenn sie sich mit Plattdeutsch beschäftigen würden.

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