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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Lastwagen gegen Spielzimmer getauscht

22.11.2019

Landkreis Cloppenburg Rund 200 Tagesmütter betreuen aktuell im Landkreis Cloppenburg Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Aber nur fünf Tagesväter gibt es im Landkreis. „Drei bieten zusammen mit ihren Frauen eine Großtagespflege mit acht bis zehn Kindern an“, erläutert Birgit Hannes-Möller, Leiterin des Kindertagespflegebüros des Landkreises.

Ein solches Tandemangebot bieten seit Anfang November Ingo und Inna Arlt an. Der 42-Jährige hat sich entschieden, das Cockpit eines Lasters gegen den gemütlichen Spielraum im eigenen Zuhause zu tauschen, in dem seine Frau Inna nach einem Quereinstieg seit zwei Jahren die Kindertagespflege anbietet. „Der Job gibt wirklich was zurück. Das ist jetzt etwas ganz anderes nach 13 Jahren. Hier bekommt man bei guter Arbeit sofort positives Feedback, wenn die Kinderaugen strahlen. Das macht echt Spaß“, freut sich der Cloppenburger.

Er ließ sich überreden, in der Elternzeit den ersten Teil des Zertifikatslehrgangs zu absolvieren. Bereits nach einem halben Jahr darf man qualifizierungsbegleitend als Kindertagespflegeperson tätig werden. „Ich wollte eigentlich nur, dass wir beide auf einer Erziehungsebene stehen“, erinnert sich Inna Arlt, die ursprünglich mit einer Kollegin in der Tagespflege arbeiten wollte und sich dann für ihren Mann als Kollegen entschied. „Die Eltern und vor allem die alleinerziehenden Mütter haben sich tierisch gefreut.“ Manche Kinder, auch Mädchen, würden fast nur mit Ingo spielen wollen.

Oft fehlt es Kindern bis zum Beginn der mittleren Reife an männlichen Rollenvorbildern, mahnt Birgit Hannes-Möller: „Ende der 90er Jahre wurde von der EU eine Quote von 20 Prozent an Männern im Kita-Bereich empfohlen, heute sind wir in Deutschland bei 5,85 Prozent. Gerade bei alleinerziehenden Müttern besteht der Wunsch nach einem Mann als Betreuer für Jungs. Aber auch Mädchen brauchen einen männlichen Ansprechpartner.“

Viele Eltern würden sich gezielt nach einem der wenigen Tandems aus Tagesmutter und Tagesvater erkundigen. Das Kreisjugendamt hatte den zunehmenden Bedarf an Betreuung und Förderung von Kindern als Träger der öffentlichen Jugendhilfe gesehen und darauf reagiert. Mit der Beitragsfreiheit in den Kindergärten wurde im Landkreis Cloppenburg die ergänzende Kindertagespflege beitragsfrei gestellt. Davon profitieren Kinder im Kindergartenalter, die nur einen Vor- oder Nachmittagsplatz im Kindergarten bekommen können, aber darüber hinaus Betreuung brauchen.

Zurück zu den Arlts: Der Alltag des Cloppenburger Paares besteht aus Kochen, Spielen, Dokumentieren, Basteln und Aufräumen. Dazu werden in der Freizeit zahlreiche Projekte angeschoben. Bis zum nächsten Sommer soll beispielsweise ein hölzernes Piratenschiff im Garten stehen. Auch die Garderobe der Kinder und die Möbel im Wickelraum sind Eigenanfertigungen des Paares. Den Schritt in die gemeinsame Selbstständigkeit bereuen beide nicht. Mit der Bezahlung für den fordernden Job ist das Paar zufrieden. „Man kann gut davon leben.“

Das Klischee vom schlecht bezahlten Job in der Kindertagespflege stimmt heute nicht mehr, denn es gibt auch finanzielle Anreize, verrät die Leiterin des Kindertagespflegebüros Hannes-Möller. „Man verdient bei voller Auslastung mit fünf Kindern, fünf Werktagen und täglich acht Stunden bis zu 4000 Euro brutto.“

Zusammen betreuen die Arlts acht Kinder. „Wir haben eines unserer eigenen Kinder bei einer Tagesmutter“, sagt Ingo und Inna ergänzt: „So lernen die Kinder auch etwas anderes kennen, andere Regeln, haben soziale Kontakte und sind nicht auf die Eltern fixiert.“ Den Job nur darauf zu reduzieren, die Kinder in der Abwesenheit der Eltern zu beschäftigen, hält Ingo nicht für gerecht. „Wir beobachten und analysieren. Wir wollen das Kind in der Entwicklung da abholen, wo es steht, um seine Stärken zu fördern. Da sich die Kinder ständig weiter entwickeln, muss auch unser Konzept ständig angepasst werden.“

Der besonders kinderreiche Landkreis Cloppenburg habe immer Bedarf an Tages-Müttern und -Vätern, erinnert Birgit Hannes-Möller und weist zudem auf den nächsten mehrmonatigen Zertifikatslehrgang hin, der heute, 22. November, bei der VHS beginnt. Weitere Informationen unter Telefon  04471/94 69 26.

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