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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

„Liefern kein Humankapital ab“

16.01.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-07-20T13:49:42Z 280 158

Gespräch:
„Liefern kein Humankapital ab“

Friesoythe „Unsere Aufgabe ist es nicht, Humankapital abzuliefern.“ Wenn Burghard Gieseler (54) über die derzeitige Entwicklung in der Bildungspolitik spricht, gerät er leicht in Rage. Dem Latein- und Griechisch-Lehrer am Albertus-Magnus-Gymnasium bereitet die „Betonung des Methodischen“ einiges Kopfzerbrechen. Gegen diese „Einengung des Bildungsbegriffs“ hat er in seiner Funktion als Vorsitzender des Niedersächsischen Altphilologenverbandes in den vergangenen Jahren gekämpft. Die Funktion gibt er an diesem Freitag in jüngere Hände. Auf der Vertreterversammlung kandidiert Gieseler nicht wieder für den Vorsitz. Seinen Kampf aufgeben wird er gleichwohl nicht.

Für Burghard Gieseler enden damit 19 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit im Verband, davon elf als Vorsitzender. Im Frühjahr 2004 war er auf Vorschlag des damaligen Vorsitzenden zu dessen Nachfolger gewählt worden. Die Kompetenz des Studiendirektors, der seit 1999 auch den Fachbereich Griechisch am Albertus-Magnus-Gymnasium leitet, war während dieser Zeit auch in der Landesschulbehörde und im Niedersächsischen Kultusministerium gefragt.

So hat Gieseler etwa daran mitgearbeitet, die Kerncurricula, die Lehrpläne, für die alten Sprachen zu erstellen. Und darauf ist er besonders stolz: Eine „inhaltliche Entleerung“ habe es – anders als in anderen Fächern – nicht gegeben. So wird weiterhin über den Kern der Antigone von Sophokles diskutiert, anstatt nur an deren Beispiel die Versform deutlich zu machen.

Eine große Unruhe habe die Verkürzung der Schulzeit von neun auf acht Jahre gebracht. Die Rückkehr zum G9 hält der Pädagoge gleichwohl für richtig, denn: Schüler brauchten Zeit, um sich entfalten zu können. Sie brauchten Zeit für ihre Interessen, auch Zeit zum Nichtstun.

Den Schülern die Möglichkeit zu geben, sich zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranzubilden – darin sieht der Pädagoge die Aufgabe von Schule – und heute mehr denn je. Schule könne nur Anstöße dazu geben. Großes „Anregungspotenzial“ dafür entdeckt er bei den griechischen Philosophen oder Dichtern. Für neue Lehrmethoden sei der Verband offen, halte aber an Bewährtem fest.

In seiner Amtszeit – Gieseler: „nicht alleine mein Verdienst“ – ist es gelungen, die Mitgliederzahl im Altphilologenverband von rund 600 auf mehr als 1000 zu steigern – der „größte Organisationsgrad in einem Landesverband“, so Gieseler.

Zudem hat der Altphilologe den landesweiten Sprachwettbewerb „Rerum Antiquarum Certamen“ für Latein und Griechisch – mit regelmäßigen Erfolgen für Friesoyther Schüler – zu einem über Niedersachsen hinaus renommierten und einzigartigen Wettbewerb entwickelt.

„Ich glaube, ich habe alles gesagt, was ich habe sagen wollen“, zieht Gieseler im Gespräch mit der NWZ Bilanz seines Wirkens. Nunmehr sei es an der Zeit, die Aufgaben in jüngere Hände zu geben – auch, um ja den Eindruck der Verkrustung nicht aufkommen zu lassen. Zudem hätten ihn gesundheitliche Gründen in diesem Entschluss bestärkt.