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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Fragen bringen Minister ins Schwitzen

03.09.2019

Ramsloh /Hannover Zum zweiten Mal hatte kürzlich die Schülerpressekonferenz mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne in Hannover stattgefunden. Gemeinsam mit sechs anderen Schülerzeitungsredaktionen aus Niedersachsen hatte auch die Redaktion der Online-Schülerzeitung „laurentinews.de“ des Laurentius-Siemer-Gymnasiums (LSG) in Ramsloh eine Akkreditierung erhalten.

Gemeinsam mit den drei Redakteuren Jara-Sofie Wilms, Mina Barg und Niklas Steenken machte sich Lehrer Reinhard Walter auf nach Hannover. Im Pressekonferenzraum des Landtags herrschte bereits reges Treiben, da auch Fernseh- und Radioteams von der Pressekonferenz berichteten. Die drei Schülerzeitungsredakteure hatten sich im Vorfeld gut vorbereitet und zahlreiche Fragen zur Bildungs- und auch zur Bundespolitik ausgearbeitet.

Feste Regeln

Die Schülerzeitung hatte 2018 bereits mehrfach Landespolitiker interviewen können, unter anderem Innenminister Boris Pistorius, Tonnes Vorgängerin Frauke Heiligenstadt und zweimal Ministerpräsident Stephan Weil. Doch nun mussten die Jungjournalisten feststellen, dass eine Pressekonferenz festen Regeln unterliegt, die stark an den Unterricht in der Schule erinnern: Zunächst galt es, den Ausführungen von Tonne zuzuhören, der sich zum Stand der Lehrereinstellungen, zum Digitalpakt Schule und zur Demokratie-Bildung äußerte. Anschließend wurde die Fragerunde eröffnet.

Hier mussten die Schüler aus Ramsloh Geduld mitbringen, denn man durfte seine Frage erst stellen, wenn man vom Leiter der Pressekonferenz aufgerufen wurde. Bei den Fragen zeigte sich ein breites Themenspektrum, und die Jungjournalisten hakten kritisch nach. Auf die Ausführungen des Ministers zu den „Fridays for Future“-Demonstrationen wollte Niklas Steenken wissen, ob Tonne auch seinen eigenen Kindern eine Entschuldigung schreiben würde, wenn diese an einer Demonstration teilnehmen möchten. Die klare Antwort des Ministers: „Die gibt es nicht.“ Er akzeptiere und respektiere die Entscheidung, wenn jemand teilnehmen möchte, aber Teil der Entscheidungsfindung sei es auch, die entsprechenden Konsequenz zu tragen. Und die würde logischerweise unentschuldigtes Fehlen bedeuten.

Offene Debatte wichtig

Mina Barg sprach Tonne auf die Äußerungen von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast an, die in einem Interview gesagt hatte, dass man Lehrern keinesfalls das Vermitteln des Bildes der Landwirtschaft überlassen solle, da diese meistens Vegetarier seien. Tonne sagte, dass er diese Einschätzung nicht teile und sich sicher sei, dass Lehrer ein differenziertes Bild von Landwirtschaft hätten. Es sei wichtig, in der Schule eine offene Debatte über die Rolle der Landwirtschaft zu führen.

„Impfpflicht richtig“

Jara-Sofie Wilms hinterfragte, ob die von der Landesregierung beschlossene Impfpflicht der einzige Weg sei, um die in den vergangenen Jahren immer weiter gesunkene Impfquote bei Kindern zu erhöhen. Tonne erläuterte, dass er nach wie vor auf eine Einsicht bei den Eltern setze und dass es wichtig sei, sich über Fakten und nicht über Horrorgeschichten zu unterhalten. Unterm Strich halte er aber die beschlossene Impfpflicht für richtig, auch wenn dies, hinsichtlich der Frage, was man anderen vorschreiben dürfe, eine schwierige Abwägung gewesen sei.

Besonders deutlich positionierte er sich bei der Frage von Niklas Steenken, wie viele Lehrer über das Meldeportal der AfD inzwischen gemeldet worden seien und wie in diesen Fällen vorgegangen werde. „Dieses Meldeportal ist ein Witz“, sagte Tonne, da es eine Unmöglichkeit sei, dass eine Lehrkraft neutral unterrichten könne. „Lehrkräfte sollen eine Meinung haben und natürlich sollen sie diese auch sagen dürfen.“ Wenn sich Parteien offen demokratiefeindlich verhielten, so sei es nicht nur wünschenswert, sondern sogar die Pflicht von Schulen, dies zu thematisieren.

Die Ramsloher hatten noch andere Fragen in petto, doch nach 90 Minuten war die Zeit vorbei. Dennoch waren alle Beteiligten mit dem Ergebnis sehr zufrieden, und Kultusminister Tonne kam zu dem Fazit, dass die anspruchsvollen Fragen der Schüler ihn ganz schön ins Schwitzen gebracht hätten.

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