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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Tabuthema fordert viel Feingefühl

04.09.2018

Ramsloh Wenn Eltern psychisch erkrankt sind, leiden auch die Kinder. Was das für die Mitarbeiterinnen von Kindertagesstätten bedeutet und wie sie Eltern und Kindern Hilfestellung geben können, erläuterte Angela Könnecke vom Kinderschutz-Zentrum Oldenburg den Teilnehmern des Projekts „starKids – Starke Kinder von Anfang an“ im Rathaus in Ramsloh.

„StarKids“ ist ein vor eineinhalb Jahren im Landkreis gestartetes Projekt, das auf die Suchtprävention in Kindertagesstätten abzielt und von der Fachstelle für Suchtprävention der Stiftung Edith Stein in Cloppenburg durchgeführt wird (siehe Infokasten). Ein Baustein des Projekts sind Kinder aus suchtbelasteten Familien.

Über das Projekt

Mit dem Projekt „starKids“ soll erfolgreiche Suchtprävention in Kitas umgesetzt werden. Es ist auf drei Jahre angelegt, wobei die zeitlichen Intervalle so geplant sind, dass die Kitas ausreichend Zeit für die Umsetzung haben. Ziel ist die Kompetenzerweiterung der Erzieher in Bezug auf Suchtprävention.

Umgesetzt und gesteuert wird die dazugehörige Arbeit in einem Arbeitskreis, den Katharina Deeken (Fachstelle für Suchtprävention der Stiftung Edith Stein) initiiert. Die teilnehmenden Kitas sind: St. Jakobus Ramsloh, St. Georg Strücklingen, „Unterm Regenbogen“ Scharrel, Häuser für Kinder und Familien, Kindergarten „Die Arche“ Elisabethfehn, St. Marien Sedelsberg sowie der evangelisch-lutherische Jona-Kindergarten Elisabethfehn.

   

   www.lkclp.de

Bei den teilnehmenden Kitas kam der Wunsch auf, im Zuge dessen einen Exkurs zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ zu machen. Könnecke war der Einladung von Katharina Deeken von der Fachstelle für Suchtprävention der Stiftung Edith Stein gefolgt. Anhand von Zahlen informierte sie die Mitarbeiter der an dem Projekt teilnehmenden Kitas zunächst über die Relevanz des Themas.

So würden in Deutschland 30 Prozent der Erwachsenen –fast jeder Dritte – im Laufe eines Jahres psychisch erkranken. Circa jedes vierte Kind (drei bis vier Millionen) habe einen vorübergehend oder dauerhaft psychisch erkrankten Elternteil. Die Folgen könnten fatal sein, so Könnecke. So bestehe für Kinder psychisch erkrankter Eltern eine zwei- bis fünffach erhöhte Wahrscheinlichkeit, Opfer von Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch zu werden. Generell könne sich eine psychische Erkrankung von Eltern negativ auf die Beziehungsgestaltung zu den Kindern auswirken. Das Schamgefühl bei den betroffenen Eltern, das fehlende Verständnis der Kinder und die eigene Unsicherheit machten es für die Kita-Mitarbeiter schwer, eine derartige Situation in der Familie erkennen und ihre Arbeit dementsprechend ausrichten zu können.

„Betroffenen fällt es oft sehr, sehr schwer, sich jemanden anzuvertrauen“, sagte Könnecke. Psychische Erkrankungen seien noch immer ein „Tabuthema“ in der Bevölkerung. Entsprechend viel Mut und Einfühlungsvermögen erforderten Elterngespräche von den Kita-Mitarbeitern.

In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmer, worauf im Gespräch mit erkrankten Eltern zu achten ist. „Wichtig ist es, die Eltern nicht zu verurteilen und keine Schuldzuweisungen zu machen“, so Könnecke. Dies sei kontraproduktiv. Eltern könnten sich dann schnell „entmündigt“ fühlen. Stattdessen sollten Kita-Mitarbeiter Wertschätzung und Respekt zum Ausdruck bringen, ihre Sorgen und Belastungen erfragen und sie in ihrer Rolle als Erziehungsperson bestärken. „Denn auch psychisch kranke Eltern lieben ihre Kinder und wollen nur das Beste für sie“, betonte Könnecke.

Zu den Zielen eines positiv-unterstützenden Elterngespräches gehöre es unter anderem, ein Problembewusstsein zu schaffen, die Bereitschaft einer Inanspruchnahme einer psychologischen Behandlung zu erhöhen und Unterstützungsmöglichkeiten bei der Kindererziehung aufzuzeigen.

Zudem tauschten sich die Teilnehmer darüber aus, wie sie Kinder von psychisch kranken Eltern im Kita-Alltag unterstützen können. Diese bräuchten beispielsweise in der Kita besonders ein Gefühl von Sicherheit, verlässliche und empathische Bindungspersonen sowie Rückzugsorte. Darüber hinaus bekamen sie anhand mitgebrachter Bilderbücher Material für den konkreten Einsatz in der Kita.


Betroffene haben über die Homepage des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises die Möglichkeit, auf Hilfsangebote zurückzugreifen   https://www.lkclp.de/gesundheit-soziales/gesundheit/hilfe-fuer-psychisch-kranke-deren-angehoerige.php 

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