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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

Kita nicht fertig – Kinder ziehen ins Rathaus ein

16.03.2019

Ramsloh Künftig werden die Mitarbeiter des Rathauses in Ramsloh in Kauf nehmen müssen, dass es etwas lauter und wilder zugehen könnte. Denn ab Sommer werden Kinder ins Rathaus einziehen.

Die Gemeinde Saterland plant, unter dem Dach Räume für bis zu drei Kindergartengruppen (inklusive Krippenkinder) einzurichten. Grund dafür ist, dass die geplante vierzügige Kindertagesstätte an der Möhlenschleede in Ramsloh-Hollen nicht vor Frühjahr 2020 fertig sein wird und für das Kindergartenjahr 2019/2020 voraussichtlich bis zu 50 Plätze fehlen werden, teilte Bürgermeister Thomas Otto mit.

Sowohl der katholische Kindergarten St. Jakobus als auch der kommunale Kindergarten „Pusteblume“ in Ramsloh hätten Eltern bereits Absagen erteilen müssen, die ihre Kinder für das nächste Kindergartenjahr anmelden wollten. Auf den Engpass habe man reagieren müssen.

Am Donnerstag habe der Landkreis Cloppenburg schriftlich den Bau der geplanten Kita an der Möhlenschleede genehmigt. Mit den Bauarbeiten begonnen werden soll laut Otto Anfang Mai. Der Auftrag dafür sei bereits vergeben worden. Der Verwaltungsausschuss habe zudem am Mittwoch die Übergangslösung mit dem Rathaus einstimmig beschlossen, wenngleich der Bürgermeister eine andere Lösung besser gefunden hätte.

„Ich habe favorisiert, Räume in der Grundschule Ramsloh mit zu nutzen“, sagt Otto. Nachgedacht worden sei auch über Container – laut Bürgermeister aber die schlechtestes Lösung. So kurzfristig hätte auch kein geeignetes Gebäude angemietet werden können. „Die Ausschreibung für den Umbau des Rathauses soll möglichst schon nächste Woche erfolgen“, sagt der Bürgermeister. Der Umbau unter dem Dach des Rathauses umfasst neben den geplanten Gruppenräumen auch Sanitäreinrichtungen, ein Büro für die Kindergartenleitung und eine Küche. Auch ein eingezäunter Spielplatz soll hinter dem Rathaus gebaut werden. Im kleinen Sitzungssaal im ersten Stock wird künftig getobt. Er soll zum Bewegungsraum umfunktioniert werden.

100 000 Euro an Baukosten nannte der Bürgermeister für das gesamte Vorhaben. Das Dachgeschoss habe aber sowieso für Büroräume ausgebaut werden sollen. Von daher seien bereits Mittel in den Haushalt eingestellt worden. Zusätzlich entstehen Kosten für die Ausstattung, die später dann aber mit in die neue Kita an der Möhlenschleede genommen wird. Die Räume im Dachgeschoss könnten später als kleiner Betriebskindergarten genutzt werden, so Otto.

Einen Namen gibt es auch schon für den Übergangs-Kindergarten: „Rathaus-Mäuse“. Doch was werden die Rathausmitarbeiter davon halten? „Für das Rathauspersonal wird es eine hohe Belastung darstellen“, sagt Bürgermeister Otto. Gerade zu den Hol- und Bringzeiten werde das der Fall sein. „Wir wollen in der nächsten Woche eine Personalversammlung durchführen und für Verständnis werben.“ Damit ist die Gemeinde Saterland wohl die erste und einzige, die solch eine Übergangslösung in Norddeutschland anbiete, so Otto abschließend.

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Eine Lösung ist das nicht

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Carsten Bickschlag

Wer, bitte schön, kam denn auf diese Idee? Allen Ernstes soll eine Kindertagesstätte im Ramsloher Rathaus eingerichtet werden? Nun gut, Platz scheint es unter dem Rathausdach genügend zu geben. Aber Sinn macht das trotzdem nicht.

Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist groß. Das gilt auch für die Gemeinde Saterland. Und die neue Kita wird frühestens im Frühjahr 2020 fertig. Daher muss natürlich gehandelt werden, wenn man weiß, dass im Sommer bis zu 50 Plätze in Kindergärten und Krippen fehlen werden. Aber gab es wirklich keine bessere Lösung als das Rathaus?

Es scheint, als haben diejenigen Ratsleute, die vor wenigen Tagen im Verwaltungsausschuss unter Ausschluss der Öffentlichkeit diese Entscheidung gefällt haben, noch nie oder schon lange nicht mehr etwas mit Kitas zu tun gehabt. Das Problem beginnt doch schon morgens vor dem Rathaus. Viele Kinder werden mit dem Auto gebracht – und mittags auch wieder abgeholt. Wo also soll eine Bring- und Abholzone eingerichtet werden? Es ist doch jetzt schon im Bereich Rathaus und Schulzentrum chaotisch genug. Dann müssen die Kinder hinauf ins Dachgeschoss und zum Spielen an der frischen Luft dann wieder runter. Anschließend wieder rauf. Mal eben nach draußen rennen geht nicht.

Es darf auch nicht vergessen werden: Kinder sind laut und toben. Das ist auch gut so und muss auch so sein. Aber sie toben dann nun einmal quasi auf den Köpfen der Rathausmitarbeiter. Oder halt draußen direkt vor den Fenstern des Rathauses. Spielende, lachende Kinder sind eine echt Freude, dass soll an dieser Stelle nicht in Frage gestellt werden. Doch bis zu 50 Kinder können schnell zu einer Belastung werden, wenn man keine Erzieherin ist und trotzdem im direkten Umfeld arbeiten muss.

Hier wird eine Übergangslösung präsentiert, die eigentlich keine ist.

Carsten Bickschlag über eine provisorische Kita im Rathaus Ramsloh.

Tanja Mikulski Friesoythe / Redaktion Münsterland
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