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NWZonline.de Region Cloppenburg Bildung

STUDIENFAHRT: Schuljahr beginnt mit Polen-Besuch

12.10.2007

VON FRIEDHELM M.-DüRING Für 22 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 7 bis 9 und 23 Schüler der Klasse 10c der Friesoyther Realschule hat das neue Schuljahr mit einer abwechslungsreichen und informativen einwöchigen Austausch- und Studienfahrt nach Polen begonnen. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die von den Lehrern Evelyne Reichert und Michael Podkrajac begleitet wurden, besuchte zum ersten Mal das Nachbarland. Nach zwölf Stunden Busfahrt wurden die Austauschschüler vor dem Gymnazjum Jaszkotle, sechs Kilometer vor Breslau, von ihren Partnern, die im Mai Friesoythe besucht hatten, herzlich empfangen und den Gasteltern vorgestellt.

Die 10. Klasse bezog in Breslau in einem für manche etwas gewöhnungsbedürftigen Sporthotel Quartier und erkundete schon am ersten Abend die schön restaurierte Altstadt um das historische Rathaus. In den folgenden Tagen bekamen die Jugendlichen teilweise einen ganz neuen Bezug zum Schulfach Englisch, als sie beim Einkaufen in der Stadt die Erfahrung machten, wie nützlich Englischkenntnisse sein können. Stundenlang erkundeten die Schüler in der Freizeit die neuen hochmodernen Einkaufszentren mit überwältigendem Angebot und teilweise niedrigeren Preisen als in Deutschland.

Zum offiziellen Programm gehörten ebenfalls ein Besuch in der riesigen Jahrhunderthalle, die Dominsel mit Blick von der Aussichtsplattform der Kathedrale auf die ganze Altstadt, die im 2. Weltkrieg zu 80 Prozent zerstört worden war, das Arsenal mit seinen historischen Ausstellungen sowie Ausflüge in die Umgebung zur Friedenskirche in Schweidnitz und in die Berge an der polnisch-tschechischen Grenze. „Die Landschaft in Polen ist traumhaft“, fand Patricia Niedrig (14). Andere genossen stärker das Großstadtleben und die Fahrten mit den alten Straßenbahnen, obwohl in Breslau auch hochmoderne fahren.

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Die Austauschschüler hatten so gut wie keine Verständigungsprobleme, weil ihre Partner am Gimnazjun Jaszkotle seit Jahren Deutsch lernen und auch Elternteile und Geschwister Deutsch oder Englisch sprechen. Pia Tholen (14): „Es ist einfach schön, sich mit ausländischen Schülern zu unterhalten, die Polen sind voll nett und lustig.“ Auch das Essen war kein Problem. Franziska Schmedes (14) war sogar zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. „Das Essen war lecker, aber an einige Sachen muss man sich halt erst gewöhnen.“

Während die Austauschschüler durch die unheimlichen unterirdischen Labyrinthe unter der Festung Glatz irrten oder mit den Gastfamilien individuelle Ausflüge zu den anderen Attraktionen Niederschlesiens machten, erlebte die Abschlussklasse 10c in Oswiecim auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eine Geschichtslektion aus der deutsch-polnischen Vergangenheit, wie sie kein Schulbuch oder Film vermitteln kann. An zwei Nachmittagen führte Gedenkstättenmitarbeiterin Ewa Pasterak zum dritten Mal eine Schulklasse aus Friesoythe durch das ehemalige Stammlager Auschwitz sowie das ehemalige Vernichtungslager Birkenau. Klassenlehrer Podkrajac kennt die Auschwitz-Expertin seit über zwölf Jahren.

„Einerseits will man es sehen, mehr darüber erfahren und verstehen, warum das passiert ist, wie jemand so etwas machen kann, doch wenn man da ist, will man einfach nur noch weg“, stellte Klassensprecherin Kristina Untiedt (16) fest. Gebannt lauschen sie den Erklärungen der polnischen Führerin, die vor einigen Jahren auch schon den ehemaligen Außenminister Joschka Fischer über das Gelände geführt hatte.

Im Museum des Stammlagers sahen die Jugendlichen hinter riesigen Glaswänden hunderte von Koffern mit Namen und Adressen, tausende von Schuhen in allen Größen und 2000 Kilogramm Menschenhaare. Tausende von Zahnbürsten, Rasierpinseln, Waschschüsseln und viele andere persönliche Gegenstände, die den über eine Million Opfern von Auschwitz gehört hatten. Zu den Gegenständen im Stammlager gehörten auch die schwarze Erschießungswand im Hof von Block 11, die Kellerräume im „Todesblock“ 11 sowie die Gaskammer und das Krematorium mit den Verbrennungsöfen.

Im Frauenlager in Birkenau zeigte Ewa Pasterak den Friesoythern eine Baracke, in der zeitweise nur Kinder untergebracht waren. In Auschwitz wurden nach neuesten Berechnungen rund 230 000 Kinder ermordet. Die katastrophalen hygienischen Verhältnisse in den Wohn- und Latrinenbaracken lassen sich heute noch gut erkennen.

Alle Friesoyther Schüler nahmen an der Abschiedsfeier der Partnerschule teil wo der Direktor persönlich den Grill mit Fleisch und Wurst bediente. Der tränenreiche Abschied wurde wie immer in die Länge gezogen. Aber schon im nächsten Jahr sehen sich viele Teilnehmer wieder, wenn der Schüleraustausch zwischen Jaszkotle und Friesoythe zum 10. Mal stattfindet und Jubiläum gefeiert wird.

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