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NWZonline.de Region Cloppenburg Blaulicht

„Radfahrer gehören auf die Straße“

23.01.2020

Cloppenburg Scharfe Kritik hat der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/die Grünen im Rat, Michael Jäger, an der Stadt Cloppenburg geübt. Der von der Verwaltung ausgegebene Leitsatz „Cloppenburg auf dem Weg zur Fahrradstadt“ sei irreführend, weil der Begriff Fahrradstadt per Definition sehr hohe Anforderungen an die Planer stelle. Denn in einer Fahrradstadt habe das Rad oberste Priorität. Und das strebe die Verwaltung definitiv nicht an, sagte Jäger am Dienstagabend bei der Diskussionsveranstaltung „Cloppenburg auf dem (Irr)-Weg zur Fahrradstadt?“. Dazu waren rund 90 Gäste ins Hotel Schlömer gekommen, gerechnet hatten die Veranstalter – SPD und Grüne – mit 20 bis 30. Einige Zuhörer mussten sogar stehen.

Jägers Kritik konterte der städtische Bauamtsleiter Armin Nöh mit wirtschaftlichen Argumenten. „Wir können heute in Cloppenburg nicht sagen, dass das Auto draußen bleibt. Wir sind eine Einkaufsstadt, und wir leben davon.“ Die Präsenz des Autos in der Stadt müsse zurückgenommen werden, es dürfe aber nicht verdrängt werden. Es müsse gelingen, alle Verkehrsteilnehmer unter einen Hut zu bekommen.

Welche Kritik müssen sich die Radfahrer gefallenlassen?

Viele Cloppenburger Radler seien häufig als Geisterfahrer unterwegs, hieß es. Sie würden verbotenerweise links auf dem Radweg – oder schlimmer noch – auf dem Fußweg fahren. Dabei gilt für Radfahrer das Rechtsfahrgebot und eine Maßgabe, die ständig ignoriert wird: „Fahrräder haben Fahrbahnen zu benutzen“, erklärte Bauamtsleiter Nöh. Eine Benutzungspflicht für Radwege gebe es nur bei entsprechender Ausschilderung wie entlang der Bether Straße oder der Emsteker Straße ab etwa Autohaus Lüske. Zudem könnten Radler auch auf „nicht-benutzungspflichtigen“ Radwegen wie beispielsweise entlang der Osterstraße fahren.

Verursacht ein Radfahrer als Geisterfahrer einen Unfall, weil er beispielsweise von einem Autofahrer übersehen wird, bleibt er auf seinen Kosten und auf denen des Unfallgegners sitzen. Es gebe entsprechende Gerichtsurteile, erläuterte der Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Rüdiger Henze.

Zudem – so schilderten einige Diskussionsteilnehmer – würden sich Radfahrer häufig wild klingelnd auf den Bürgersteigen gegenüber Fußgängern Platz verschaffen. Zum Beispiel würde man in Höhe des Friedhofs an der Kirchhofstraße so manches Mal fast in die Hecke gedrängt werden, weil die Radler zu faul seien, auf der Straße parkende Autos zu umfahren.

Bauamtsleiter Nöh erklärte, dass die Polizei in diesem Jahr bei Radfahrern massiv die Einhaltung von Verkehrsregeln kontrolliere. Die Beamten seien jetzt jede Woche draußen – so zuletzt zweimal auf der Hagenstraße.

Warum sind die Radler häufig sauer auf die Autofahrer?

Er – so SPD-Ratsherr Stefan Riesenbeck – habe Angst, auf dem abgezeichneten Radfahrstreifen der Soestenstraße bzw. der Langen Straße zu fahren. Fast immer hielten sich die Autofahrer nicht daran, den Radfahrer mit den vorgeschriebenen 1,5 Meter Abstand zu überholen.

Mit seiner Angst, auf der Straße zu fahren, ist Riesenbeck in guter Gesellschaft. ADFC-Vorsitzender Henze zitierte aus einer bundesweiten Untersuchung seines Vereins: Demnach sinkt das Sicherheitsgefühl – Radfahrende fühlen sich im Straßenverkehr immer unsicherer. Die Note für das Sicherheitsgefühl hat sich von 3,84 (2014) auf 4,16 (2018) verschlechtert. Immer mehr Menschen (81 Prozent) geben an, dass sie lieber getrennt vom Autoverkehr Rad fahren wollen – in Cloppenburg mit den engen Straßen wird das wohl eine Wunschvorstellung bleiben.

Einige Diskussionsteilnehmer – allesamt passionierte Radfahrer – rieten den ängstlichen Radlern, auf der Straße „ein breites Kreuz“ zu machen. Darüber hinaus – so ADFC-Chef Henze – müsse sich der Radfahrer nicht an den Rand drängen lassen. Dieser dürfe vom Fahrbahnrand noch einen Abstand von 80 bis 100 Zentimetern halten.

Wie läuft’s auf der Kirchhofstraße – Cloppenburgs erster Fahrradstraße?

Nach wie vor sind Autofahrer, die kein Anliegen haben, verbotenerweise auf der Kirchhofstraße unterwegs. Bauamtsleiter Nöh glaubt, eine Besserung erkannt zu haben. Dies werde eine 24-Stunden-Verkehrszählung unterstreichen, deren konkrete Ergebnisse noch nicht vorlägen.

Ein Anwohner aus dem Galgenmoor ist – stellvertretend für viele Autofahrer – sauer. Das Durchfahrtsverbot für die Kirchhofstraße sorge regelmäßig dafür, dass an der Kreuzung bei Farben Lohmann und an der Ecke Prozessionsweg/Ecke Bergstraße alles verstopft sei.

Bauamtsleiter Nöh erklärte indirekt, dass das auch so gewollt sein. „Steigen Sie doch mal aufs Rad. Sie sollen doch nicht immer Auto fahren.“ Indem das Autofahren in Cloppenburg unangenehmer werde und es häufig schneller mit dem Rad gehe, würden immer mehr Bürger umsteigen. „Dafür werben wir.“ Und dafür investiere die Stadt jedes Jahr mehr als eine Million Euro in den Radwegeausbau.

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