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NWZonline.de Region Cloppenburg Blaulicht

Neun Soldaten starben bei Militär-Unfall

21.10.2016

Buchenau /Varrelbusch Was genau hat sich am 7. Juli 1944 auf dem Bahnübergang beim Flugplatz Varrelbusch ereignet? Versuchten die Nazis einen tragischen Unfall zu einem Sabotageakt umzudeuten? Das glaubt jedenfalls auch Günter Buschenlange, Vorsitzender des Heimatvereins Garrel.

Unteroffizier Willi Briel war als Kampfbeobachter in Varrelbusch stationiert. Er sollte mit anderen Kameraden auf dem Weg zum Heimaturlaub mit einem Mannschaftswagen zu einem Bahnhof gefahren werden. Der Fahrer raste dann am Bahnübergang in Varrelbusch in einen Zug – sämtliche Fahrzeuginsassen wurden getötet. Das sind allerdings Fakten, die erst intensive Recherchen zutage beförderten.

Die Hintergründe

Der Verein Dorfleben in Buchenau/Dautphetal (Hessen) hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichten der gefallenen Soldaten aus der Gemeinde zu recherchieren. Dabei stieß Willi Balzer auf den ungeklärten Todesfall des Soldaten Willi Briel. Die Sterbeurkunde in Buchenau wies als Sterbeort Varrelbusch aus. Willi Balzer bat den Garreler Heimatverein um Hilfe, um Näheres über den Unfall in Erfahrung zu bringen. Buschenlange grub in den Archiven – zunächst jedoch erfolglos. Bei einem solchen Unfall doch ungewöhnlich.

Willi Balzer hatte auch ein Foto von einer Trauerfeier beigefügt, das er von der noch lebenden Schwester des Soldaten erhalten hatte. Die Vermutung, dass es sich dabei um Varrelbusch handeln könnte, widerlegte Buschenlange. „Anhand des Hintergrundes schloss ich auf Cloppenburg beim ehemaligen Kriegerdenkmal“, berichtet Buschenlange. Dieses befand sich beim heutigen Marktplatz.

  Die Recherchen

Mit diesen Hintergrundinformationen wurde erneut recherchiert. Hilfreich war schließlich ein Luftwaffen-Forum im Internet, über das Balzer weitere Infos mitgeteilt wurden. Demnach starben neun Insassen in dem Mannschaftswagen bei dem Unfall am Bahnübergang in Varrelbusch. Sie alle gehörten der gleichen Staffel an. Acht wurden sofort getötet – vermutlich die acht Särge auf dem Foto –, der neunte erlag später im Luftwaffen-Ortslazarett Bissel seinen Verletzungen. Unter den neun Toten befanden sich zwei Mann vom Bodenpersonal, die anderen sieben Männer gehörten zu unterschiedlichen Besatzungen des Kampfgeschwaders 30.

Die zweite Gruppe des Kampfgeschwaders flog in dieser Zeit unter anderem von Varrelbusch aus Einsätze, überwiegend bei Nacht, um unentdeckt zu bleiben. Der Verband war auf Flugplätze im Raum Oldenburg verteilt.

   Die Vermutungen

Nach den Recherchen könne man davon ausgehen, dass sowohl der Bus, als auch der Zug abgedunkelt unterwegs waren. Schließlich flogen in dieser Zeit ständig Fernnachtjäger beziehungsweise „Intruder“ der englischen Royal Air Force über den Absprungplätzen der Luftwaffe. Beleuchtete Fahrzeuge hätten leichte Ziele abgegeben.

Angehörigen des verunglückten Soldaten sei von einem absichtlich herbeigeführten Unfall berichtet worden oder von einem Anschlag, berichtete Willi Balzer aus seinem Gespräch mit der Schwester Willi Briels. Auch Günter Buschenlange geht davon aus, dass die Wehrmacht diesen „peinlichen Unfall verschleiern wollte, um daraus einen Heldentod zu machen“. Jedenfalls habe er bislang in keinem Archiv darüber etwas finden können. Immerhin habe es eine große Trauerfeier gegeben. Das beweisen die Fotoaufnahmen.

    Die Hoffnungen

Der Heimatverein Buchenau ist auf der Suche nach Zeitzeugen, die vielleicht weiteres Licht ins Dunkel der Geschichte bringen können. „Ich habe bei mehreren Nachfragen keine gefunden“, berichtet Buschenlange. „Da der Unfall nachts passiert ist, vermute ich, dass die umliegenden Anwohner davon nichts mitbekommen haben.“ Die Schwester Willi Briels habe auch kaum Informationen über den Vorfall, sagt Balzer im Gespräch.

    Der Heimatverein

Den Garreler Heimatverein erreichen häufiger solcherlei Anfragen. Wo immer geholfen werden kann, sind die Heimatfreunde um Günter Bu-schenlange bemüht, Informationen auszugraben. Hilfreich dafür sind auch alte Dokumente.

Wer also Dokumente oder Bilder beim Entrümpeln auf dem Dachboden findet: nicht achtlos wegwerfen, sondern den Heimatverein informieren, der sich die Unterlagen gerne ansieht. Günter Buschenlange ist zu erreichen unter Telefon   04474/421.

Reiner Kramer
stv. Redaktionsleitung Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2901

Weitere Nachrichten:

Heimatverein | Royal Air Force | Luftwaffe | Wehrmacht

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