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NWZonline.de Region Cloppenburg Blaulicht

Das Schweigen hat viel Leid gebracht

30.04.2019

Neuscharrel Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche hat nicht nur in weit entlegenen Orten stattgefunden. Es ist direkt vor der Haustür passiert. Es gibt mindestens zwei Fälle. Ein neunjähriges Kind und ein Jugendlicher sind in den 1980er Jahren nachweislich Opfer von Pfarrer Helmut Behrens geworden. Ob weitere Kinder, Jugendliche und Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen und Belästigungen durch den damaligen Pfarrer von Neuscharrel wurden, ist zumindest nicht aktenkundig geworden. Nach einer NWZ-Reportage Mitte März dieses Jahres über ein Neuscharreler Opfer ist das Thema präsenter als je zuvor.

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„Durch verschiedene Presseveröffentlichungen der letzten Wochen sind die traurigen und beschämenden Ereignisse von vor fast 40 Jahren wieder sehr ins Bewusstsein der Gemeindemitglieder gehoben worden“, sagte der Friesoyther Dechant Michael Borth. Um mit den Neuscharrelern ins Gespräch zu kommen, hatte er vor einigen Tagen zu einem Treffen ins Pfarrheim eingeladen.

Etwa 30 Neuscharreler waren gekommen. In seiner Begrüßung machte Pfarrer Borth deutlich, dass die St.-Marien-Pfarrei in der St.-Ludger-Gemeinde in Neuscharrel sich ihrer Verantwortung bewusst sei und akzeptieren müsse, dass hier verurteilungswerte und höchst traurige Straftaten geschehen seien. Vieles, was damals an Aufklärung und Tatsachenfeststellung nicht ins Wort gebracht worden sei, breche sich nun Bahn – unter anderem durch die Berichte der Opfer, die ihren Missbrauch lange in sich verschlossen hätten und sich nun ein Stück davon befreien wollten. „Das gilt es zu respektieren und zu achten als einen sehr schweren Prozess der Aufarbeitung eigener seelischer Not und Verletzung“, so Borth.

Auf dem anschließenden Gesprächsabend, so schilderte Pfarrer Borth später, schauten sich die Teilnehmer gemeinsam die Faktenlage zu den Missbrauchsfällen und ihre Verarbeitung an. Einige sprachen auch von ihren eigenen persönlichen Erfahrungen mit Pfarrer Behrens. Man sei sich einig gewesen, dass nach heutigen Erkenntnissen damals viele Fehler gemacht wurden, Schuld zu verantworten sei und Unrecht entstanden sei. „Die Nicht-Verfolgung der Straftat des Missbrauchs, das Schweigen, das Viel-zu-lange-Hinnehmen des menschlichen und persönlichen Fehlverhaltens des damaligen Pfarrers von Neuscharrel, das Schweigen der Mitwisser und das Nicht-Glauben-Wollen der Berichte der Opfer sowie die Reaktionen der damaligen Kirchenleitung haben viel Leid mit sich gebracht. Das darf nie wieder geschehen“, sagte Borth.

Stefanie Burtz aus Markhausen vom Pfarreirat St. Marien stellte das kürzlich neu aufgestellte Schutzkonzept der St.-Marien-Pfarrei vor, welches genau diesem Ziel dienen will. Die Aus- und Fortbildung in der Präventionsarbeit, das Setzen klarer Regeln für das Verhalten insbesondere zu Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen sind neben der Benennung von Ansprechpartnern in Missbrauchs(an)fragen wesentliche Elemente des Schutzkonzeptes, führte Borth aus.

Unterstützt und begleitet wurde der Abend von Dr. Annette Gründing (Friesoythe), Vorsitzende des Pfarreirates, und Maria Reiners (Neuscharrel), Mitglied des Pfarreirates und des Gemeindeausschusses St. Ludger in Neuscharrel. Wichtig sei beiden, dass die Kirche und die Pfarrei ihre Schuld anerkennen und Verantwortung übernehmen würden. Beides sei eine wesentliche Grundlage, um aus Fehlern zu lernen und künftig alles zu tun, um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Verantwortungsbereichen auszuschließen.

Dem Gesprächsabend vorausgegangen war ein Gottesdienst. In den Fürbitten wurde besonders der Missbrauchsopfer gedacht, aber auch derer, die heute Verantwortung tragen, damit die schrecklichen Ereignisse so gut es geht aufgeklärt und sexuelle Missbräuche, Schweigen und Vertuschungen keine Chance mehr haben. Ein Gedenken galt auch allen, die durch ihr Tun und Unterlassen schuldig geworden sind.

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Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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