CLOPPENBURG - Die Bauten haben Fakten geschaffen. Die Anwohner wollen aber weitere Mietshäuser dieser Größenordnung in ihrer Siedlung verhindern.
von michael loots
CLOPPENBURG - Viele Anwohner im Baugebiet 43 b zwischen Löninger Straße, Prozessionsweg und Ortsumgehung in Cloppenburg fürchten um ihre Einfamilienhaus-Idylle. Stein des Anstoßes sind zwei 11,30 Meter hohe Sechs-Familien-Häuser eines Investors in der Südstraße. Eines der Mietshäuser ist bereits fertig, das zweite noch im Bau.147 Anlieger, zumeist Eigenheim-Besitzer, in der Süd- und in den umliegenden Straßen fordern angesichts dieser Fakten in einem gemeinsam unterzeichneten Schreiben an die Stadtverwaltung und Politiker eine umgehende Rückstufung des Bebauungsplanes (B-Plan). Künftig soll dort nur noch eine zweigeschossige Bauweise erlaubt werden.
Karl-Heinz Geditzky brachte als Sprecher die Besorgnis der Anwohner im Planungsausschuss des Stadtrates so auf den Punkt: „Sechs-Familien-Häuser gehören nicht in 80 Jahre alte Siedlungen, und wir wollen nicht, dass man uns beim Frühstück auf den Tisch guckt.“
Rückendeckung bekommen die Anwohner von SPD und Grünen. Peter Hackmann (SPD) befürchtet durch „Mietskasernen neben Einfamilienhäusern“ die Zerstörung gewachsener Wohnstrukturen und forderte von der Verwaltung aufgrund der aktuellen Situation in der Südstraße eine exemplarische Prüfung, wie man derartige Fehlentwicklungen stoppen oder gar nicht erst aufkommen lassen kann. Fritz Thole (Grüne) sprach sich zwar für eine verdichtete Bebauung in der Stadt aus, die müsse sich allerdings in die Struktur einfügen. Auch CDU-Fraktionschef Hermann Schröer wollte da nicht abseits stehen. Er bezeichnete das Anliegen der Bürger als nachvollziehbar und forderte die Verwaltung auf, die Auswirkungen großer Mietshäuser auf das Baugebiet 43 b und, wegen der Gleichbehandlung, auf andere Baugebiete in städtebaulicher Hinsicht und bezüglich möglicher Entschädigungsansprüche zu prüfen. Damit erhalte man ein Tableau für Entscheidungen, wo nachsteuern nötig und möglich sei.
Stadtplaner Hermann Asbree warnte dagegen vor einer „Verkennung der Realität“. Angesichts des rasanten Einwohnerzuwachses – in 15 Jahren soll Cloppenburg 40 000 Bewohner haben – werde man sich eine Einfamilienhaus-Struktur wie in den 50er Jahren nicht mehr leisten können, zumal die Bindung an Eigentum nachlasse. Und Rückstufungen von B-Plänen hätten nach Ansicht von Asbree fast zwangsläufig Regressansprüche zur Folge.
