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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Cloppenburg

„Damit solches Leid nicht noch einmal geschieht“

24.10.2019

Cloppenburg Im Alter von 92 Jahren ist die aus Cloppenburg stammende Jüdin Hildegard Gernsheimer (geb. Simon) bereits am 27. März dieses Jahres in ihrer Wahlheimat Reading/Pennsylvania (USA) gestorben. Das teilte der Sprecher des Arbeitskreises Oldenburger Münsterland in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Oldenburg, Karl Sieverding, am Mittwoch mit.

Der Viehhändler Karl Simon (Jahrgang 1884) wohnte gemeinsam mit seiner Frau Selma (Jg. 1894, geb. Katz) und den vier Töchtern Edith (Jg. 1922), Ruth (Jg. 1925), Hildegard (Jg. 1926) und Ilse (Jg. 1928) seit 1912 in der Osterstraße 17 in Cloppenburg. Nach der Reichspogromnacht (9./10. November 1938) wurde Karl Simon verhaftet und in das KZ Oranienburg gebracht. Während der Haftzeit gelang es seiner Frau, die Kinder Ruth und Hildegard von Hamburg aus in ein englisches Kinderheim zu schicken. Karl und Selma Simon selbst sowie die beiden Töchter Edith und Ilse fuhren am 13. Mai 1939 mit dem Schiff „St. Louis“ nach Havanna/Kuba. Sie durften dort jedoch nicht anlegen, sondern mussten nach Europa zurückkehren. Dazu hat die ARD am vergangenen Montag um 20.15 Uhr den Film „Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis“ gezeigt. Der Streifen ist noch bis zum 20. November in der ARD-Mediathek (www.daserste.de) zu sehen.

Während Edith nach England emigrierte, fanden Karl, Selma und Ilse Simon Aufnahme bei Verwandten in Arnheim/Holland. Am 21. Mai 1943 wurden sie vermutlich in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor umgebracht – dorthin waren sie drei Tage zuvor aus dem Sammellager Westerbork deportiert worden.

Mehr als 40 Jahre brauchte Hildegard Gernsheimer, längst Amerikanerin, um sich zu einer Reise in die alte Heimat Cloppenburg zu überwinden. Gemeinsam mit ihrem Mann Solly war sie im August 1980 nach Cloppenburg gekommen. Seinerzeit sprach sie ohne Hass über die furchtbare NS-Zeit. Gleichwohl dürfe der Holocaust nicht vergessen werden, „damit solches Leid nicht noch einmal geschieht“, sagte sie am 19. August 1980 gegenüber der NWZ.

Danach besuchten Hildegard Gernsheimer und ihre Schwester Ruth noch einige Male ihren Geburtsort Cloppenburg – zuletzt im Herbst 2007. Auf dem jüdischen Friedhof an der Ritterstraße in Cloppenburg stellten sie für ihre Eltern und ihre Schwester Ilse eine Gedenktafel auf.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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