CLOPPENBURG - Zum Gedenken an die Heimatvertriebenen des 2. Weltkriegs ist am Dienstag in der Cloppenburger Innenstadt eine Bronzetafel enthüllt worden. „Die Vertreibung von zwölf Millionen Menschen ist vergleichbar mit Folter und Verschleppung und ein Verbrechen gegen die Menschenrechte“, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises „Flucht und Vertreibung“, Erich Behlau, vor rund 50 Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie Bürgern und Vertriebenen.
Auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese zeigte sich zufrieden, dass nun auch Cloppenburg – fast 63 Jahre nach Kriegsende – an exponierter Stelle auf das Leid der Vertriebenen aufmerksam mache.
Die stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Helge Kahnert (Edewecht), dankte der Familie Grimme, die ihre Hauswand an der Mühlenstraße 15 für die Gedenktafel zur Verfügung gestellt hatte. „Mehr als 60 Jahre nach Kriegsende ist das nicht üblich. Es kann sein, dass Sie dafür noch Ärger bekommen“, sagte Kahnert. Es sei einigen Menschen ein Dorn im Auge, dass sich die Vertriebenen auch nach so langer Zeit noch für ihre Sache stark machten.
Die schlichte Bronzetafel zeigt Männer, Frauen und Kinder, die offenbar gegen einen starken Wind mit starren Minen in eine Richtung laufen – „Unseren Vertriebenen“ steht darunter. Behlau erinnerte daran, dass allein im Kreis Cloppenburg seinerzeit 20 000 Flüchtlinge ankamen. „Diese Tafel sagt aus, dass hier Menschen wohnen, die im christlichen Sinne das Leid der Heimatvertriebenen mitfühlten und Hilfe leisteten, wo sie nur konnten.“
Behlau betonte, dass für ihn mit der Enthüllung der Tafel ein Punkt unter die Vergangenheit gesetzt worden sei. „Was vor 60 Jahren passiert ist, ist Geschichte. Man kann sie nicht wegwischen, aber sehr wohl unterdrücken und verfälschen. Noch lebt die Erlebnisgeneration, die über die Tatsachen von damals zu berichten weiß.“
Erfreulicherweise – so Behlau – sei die Region Cloppenburg inzwischen für viele Vertriebene zur neuen Heimat geworden. „Trotz der vielen Probleme zwischen Vertriebenen und Einheimischen verlief die Integration relativ gut.“
