CLOPPENBURG - Dr. Wolfgang Wiese überzeugte die Schüler mit einer Geschichte über lustige Schimpfwörter. Die Viertklässler hörten gebannt zu.
Von Steffen Szepanski
CLOPPENBURG - Wenn Marsmenschen mit Einweg-Gläsern auf dem Kopf durchs Bildungswerk schleichen, Krimischweine auf Verbrecherjagd gehen und 160 Mädchen und Jungen mucksmäuschenstill den Worten eines Erwachsenen lauschen, kann das nur eines bedeuten: Es ist Vorlesezeit. Mit einem von Ilona Heydt organisierten Wettbewerb Cloppenburger Prominenter hat gestern im Bildungswerk der Cloppenburger Kultursommer begonnen. Neun bekannte Persönlichkeiten lasen dabei Viertklässlern aus Cloppenburger Grundschulen jeweils fünf Minuten lang aus Kinderbüchern vor und stellten sich dem Urteil einer Kinderjury. Dr. Wolfgang Wiese überzeugte die Viertklässler mit einer Geschichte über einen Schimpfwörterwettbewerb. Lustige Wortschöpfungen wie die Kuchen kauende Kamelkröte aus Axel Baumgarts „Schimpfwortwettbewerb“ sorgten dafür, dass Wiese jetzt nicht mehr nur Bürgermeister, sondern auch noch Vorlesekönig ist.Aber auch die anderen Wettbewerbsteilnehmer konnten das junge Publikum überzeugen – lauschte es doch fast anderthalb Stunden lang gebannt den Geschichten. So bekamen neben dem Bürgermeister auch die grüne Kreistagsabgeordnete Sabine Bay, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Dr. Christina Neumann, Buchhändler Michael Terwelp, die stellvertretende Bürgermeisterin, Christa Preuth-Stuke, die Leiterin des Waldkindergartens, Iris Göhre, der Vorsitzende des Behindertenbeirates, Franz-Josef Arkenau, und die Tageszeitungsredakteure Hubert Kreke und Michael Loots (NWZ ) gute Noten von der Jury, die aus Vertretern der vierten Klassen bestand.
„Mir ist wichtig, dass mir der Text gefällt“, hatte JuryMitglied Michel Spils gleich ein wichtiges Kriterium festgelegt. „Aber auch auf die Betonung kommt es an“, fand sein Jury-Kollege Henry Koopmann. Und so gaben sich die Vorleser, die von Dr. Heinrich Dickerhoff (Heimvolkshochschule Stapelfeld) anmoderiert wurden, viel Mühe, die Geschichten von Otfried Preußler, Christine Nöstlinger oder Frauke Nahrgang lebendig herüberzubringen.
Das gelang teilweise so gut, dass die Teufelskicker auf Torejagd durchs Bildungswerk zu toben schienen, man das Rauschen des von Moses geteilten Meeres, oder die Rechthaberfamilie streiten zu hören glaubte. Und lernen konnten die Kinder auch noch so einiges: Etwa, welche Gefahr von Marmeladenbroten für die teure Sonntagskleidung ausgeht, und dass man sich mit einem Einwegglas als Marsmensch verkleiden kann – aber bedenken muss, dass der eigene Kopf auch irgendwie wieder aus dem Glas herauszukriegen sein sollte.
Und was die 160 Mädchen und Jungen bestimmt mitnehmen werden, ist die Erkenntnis, dass eben auch bei Schimpfwörtern Kreativität gefragt ist. Die herkömmlichen Schimpfwörter hören sich doch ziemlich langweilig an gegen den „Zitronen zischenden, Zwetschgen zwirbelnden, Ziehharmonika ziehenden Zupfdudel“. . .
