CLOPPENBURG - Hermann Schröer orientiert sich in seinem Tun als Verwaltungsdirektor des Pius-Stiftes in Cloppenburg an einem Ausspruch der Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen: „Ohne Wirtschaftlichkeit werden wir nicht durchhalten, ohne Menschlichkeit werden wir es nicht ertragen.“ Dieser Satz skizziert für ihn das Thema der Betreuung der alten Menschen in der Gesellschaft im Heute und im Morgen. Die zentrale Frage muss im Spannungsfeld zwischen Humanität und Ökonomie beantwortet werden.

Das versuchte am Donnerstag Professorin Dr. Marianne Assenmacher auf der Basis einer Expertise von Gerontologen (Altersforschern). Die Präsidentin der Hochschule Vechta sprach als Gastreferentin zum 60-jährigen Bestehen der Pius-Stiftung in Cloppenburg vor zahlreichen Gästen aus dem politischen und sozialen Sektor.

Assenmacher kritisierte an der aktuellen Debatte um die Versorgung und Betreuung der alten Menschen die eingeschränkte Sicht auf Leistungsfähigkeit und Produktivität. Ältere würden in der Gesellschaft als zu tragende Last wahrgenommen. Sie brächten nichts ein und belasteten die Sozialsysteme durch die notwendige Versorgung und medizinische Leistung. Auch viele Einrichtungen seien immer noch an Defizitorientierung ausgerichtet. Dabei seien in den Menschen im „vierten Lebensalter“ Potenziale verankert, die als Ressourcen genutzt werden könnten. Beispielhaft nannte die Professorin das ehrenamtliche Engagement von Seniorinnen und Senioren, ihr kulturelles Schaffen, das Teilen von Lebenserfahrung oder Wissen mit anderen, und selbst die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Pflege erweiterten den Horizont. All das sei auch eine Form der Produktivität. Die Alten erhöhten so die eigene Lebensqualität und die der anderen und trügen zu einer Nutzenstiftung in der Gesellschaft bei, die

allerdings nicht in Geldwert gemessen werden könne. Und schon gar nicht könnten Humanität und Nächstenliebe über Preise oder in Modulen der Pflegeversicherung abgerechnet werden. Gleichwohl müssten Humanität und Nächstenliebe ihren Platz neben ökonomischen Fragestellungen finden. Es bedürfe einer Wahrnehmung und Unterstützung der Produktivität der Alten und Pflegebedürftigen und einer Weiterentwicklung der Humanität als Wert für den Nutzer und den Erbringer von Angeboten für alle Generationen, betonte Assenmacher. Die Pius-Stiftung sei hier vorbildlich aufgestellt.

Cloppenburgs stellvertretender Bürgermeister Albert Deeken hob die Bedeutung der Einrichtungen der Pius-Stiftung für das soziale Gefüge der Stadt hervor. Er lobte die zentrale Einbindung, die Überschaubarkeit und das christliche Menschenbild als Leitlinie der Arbeit.