CLOPPENBURG - Verbraucherschutzminister Horst Seehofer will das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen, darunter Gaststätten, verbieten. In Cloppenburg ist die Meinung zu diesem Vorstoß geteilt.
von michael loots
CLOPPENBURG - Vor dem Cloppenburger Arbeitsamt stehen große Aschenbecher parat. Wenn die Kunden die Lust auf eine Zigarette überkommt, müssen sie vor die Tür. Die Flure und Wartebereiche sind für Raucher tabu. Die Mitarbeiter des Amtes dürfen dagegen in ihren Büros qualmen – wenn nicht gerade ein Kunde gegenübersitzt. Für Amtsleiter Thomas Petri wäre angesichts dieser „nicht gerade glücklichen“ Regelung ein gesetzliches Rauchverbot durchaus wünschenswert, auch und vor allem im Sinne der Gesundheit. Petri: „Das wäre eine klare Richtlinie, und das wäre auch das Ende aller Diskussionen“, sagt Ex-Raucher Petri.Kein gesetzlicher Handlungsbedarf wird dagegen im Cloppenburger Rathaus und im Kreishaus gesehen. Das Rathaus ist schon seit geraumer Zeit während des Publikumsverkehrs rauchfrei, nur die Politikerinnen und Politiker dürfen in Sitzungspausen – das ist meist außerhalb der Öffnungszeit des Rathauses – auf den Fluren am Glimmstängel ziehen. Die Bediensteten verdrücken sich tagsüber für ihre Zigarette in Raucherräume. „Eine für alle einvernehmliche Lösung“, nennt das Pressesprecher Klaus Niemann.
Im Kreishaus ist das Nikotinproblem derart gelöst, dass rauchende Kolleginnen und Kollegen möglichst in einem Büro zusammensitzen und gegeneinander anqualmen dürfen. Allerdings nicht, wenn Kundschaft klopft, „denn auf die Belange der Nichtraucher nehmen wir natürlich besonders Rücksicht“, sagt Pressesprecher Ansgar Meyer, schließlich ende für die Besucher der Kreisverwaltung die Zigarette auch im stählernen Aschenbecher vor der Kreishaustür, weil der öffentliche Bereich rauchfreie Zone sei.
Adi Röhr, Cloppenburgs Dehoga-Vorsitzender und Chef des Dorfkruges im Museumsdorf, hält ein Rauchverbot in Speiselokalen für durchaus geboten, und mit dem Gaststättenverband seien in vielen Lokalen sukzessive rauchfreie Zonen eingerichtet worden. Röhr selbst stellt in seinem Restaurant Aschenbecher nur dann auf, wenn der Gast das wünscht, und dann auch nur in speziellen Bereichen. Für kleine Kneipen jedoch, in denen die Gäste traditionell an der Theke sitzen, klönen, knobeln und Skat spielen, hält Röhr ein Rauchverbot für durchaus existenzgefährdend, weil die Gäste ausblieben.
Der Dorfkrugwirt schlägt zudem vor, „das Pferd von hinten aufzuzäumen“. Statt eines Verbotes könne man in Gaststätten doch auch ein Schild anbringen mit der Aufschrift: Hier wird geraucht! „Dann weiß jeder, woran er ist“, meint der Gastronom.
