CLOPPENBURG - Die Mischung aus Theater und Essen stimmte. Am Ende spendeten die Gäste donnernden Applaus für die Schauspieler und die Küche.

Von Carsten Mensing

CLOPPENBURG - Die Menükarte verspricht eine Leiche zum Dessert – doch der erste Tote ist bereits vor der Vorspeise zu beklagen. „Dinner Criminale“ heißt das Theaterstück um Liebe, Geld und Eifersucht, das am Freitagabend im voll besetzten Dorfkrug aufgeführt worden ist. Der Clou: Die Gäste werden nicht nur Zeugen von Mord und Totschlag, sondern dürfen auch ein hervorragendes Vier-Gänge-Dinner genießen, das das Juwelierhaus Kronsberg zum 125-jährigen Bestehen veranstaltet.

Der erste Tote heißt Edgar Koslowski, ist ein entflohener Juwelendieb und Ehemann der Empfangsdame Mathilde Schneckenburg. Die Zuschauer werden schnell Teil des Programms: So kann der unter den Gästen weilende Allgemeinmediziner Dr. Ansgar Blömer (Löningen) nur noch das Ableben durch Vergiftung diagnostizieren.

Die Besucher nehmen’s gelassen. Sie genießen derweil den „abgetauchten Räucherlachs im Mantel des Schweigens“ und die „Consommé vom Nachtschattengewächs“.

Die Ereignisse überschlagen sich. Der zwischenzeitlich als Dieb eines wertvollen Colliers in Verdacht geratene Aushilfskellner Norbert Bramscheck wird mit einem Messer hinterrücks ermordet. „Erwischt“ hat‘s zu diesem Zeitpunkt auch die Gäste: Sie haben „das Beste vom Rind mit giftgrüner Füllung und vorsichtig zu genießenden Pilzen“ verspeist.

Der erneut eilig herbeigerufene Kommissar Klaus Brenner hat alle Hände voll zu tun. Mathilde Schneckenburg, Klara Kronsberg und deren Tochter Silvia, Brenners Assistent Harry Petersen, der Gast Tom Taylor – alle stehen plötzlich unter Mordverdacht. Das Publikum rätselt, schreibt Haftbefehle samt Tatvorwurf und Motiv. Selbst eine Beteiligung von Dr. Blömer wird nicht mehr ausgeschlossen, bevor‘s ans „Vanilleparfait hinter Gittern“ geht.

Des Rätsels Lösung ist sehr überraschend. Täterin ist Judith Kronsberg, die sich den Abend über als ihre Schwester Silvia ausgegeben hat. Aus Rache und Habgier hat sie den Komplott eingefädelt. Kommissar Brenner behält alles im Griff – souverän hat er den Fall gelöst.

Alles im Griff haben auch Dorfkrug-Inhaber Adi Röhr und seine Mannschaft. Der zwischenzeitlich im Sträflingskostüm arbeitende Chef serviert seinen Gästen kulinarische Genüsse, die auch optisch gehobenen Ansprüchen genügen. Der donnernde Applaus am Schluss des Stücks ist somit nicht nur für die Schauspieler bestimmt gewesen, sondern auch für die perfekt servierten Schlemmereien.