Cloppenburg - Ganz so schlimm kann es mit der Politikverdrossenheit in Cloppenburg nun doch nicht sein. Schließlich kamen weit mehr als 100 zum Teil auch sehr junge Bürger am Mittwochabend ins „Hotel Schlömer“, um sich das Duell der beiden Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 25. Mai zwischen Amtsinhaber Dr. Wolfgang Wiese (CDU, 56, verheiratet, drei Kinder) und Stefan Riesenbeck (SPD, 54, verheiratet, drei Kinder) anzusehen und -zuhören, das von dem Cloppenburger Journalisten Hubert Kreke moderiert wurde.
Viel Neues gab es nicht, aber klare Bekenntnisse: Wiese wiederholt sein klares Ja zur Südtangente und zur Ansiedlung von Kaufland und Media-Markt an der Soeste, Riesenbeck sagte, mit ihm werde es diese Ansiedlung ebenso wenig geben wie die Südtangente – wobei er die Macht eines Bürgermeisters ein wenig überschätzte, denn die entsprechenden Beschlüsse fasst der Stadtrat, nicht das Stadtoberhaupt.
Debatte um Schulen
Breiten Raum nahm die Debatte um den Zustand der Schulen und Kindergärten ein. Während Riesenbeck hier mehr investieren und notfalls auch neue Schulden aufnehmen würde, verteidigte Wiese das System der jährlichen Bereisung und des daraus abgeleiteten Investitionsplans, der im Schulausschuss akribisch erarbeitet werde. Mit Blick auf Kritik aus Elternkreisen sagte Wiese, man solle nicht alles schlecht reden, schließlich erhalte Cloppenburg demnächst als eine der ersten Kommunen Niedersachsens die Auszeichnung „familiengerechte Stadt“, die von einem unabhängigen Büro vergeben werde. Etwa 80 Prüfsteine seien dafür bewältigt worden.
Mehr Bürgerbeteiligung
Bereits in seinem Eingangsstatement hatte Riesenbeck ein Ende der Hinterzimmerpolitik und mehr Transparenz gefordert. Bei einem Wahlsieg wolle er Bürgersprechstunden einrichten. Wiese konterte, ein Bürgermeister müsse immer für die Bürger da sein. Dazu bedürfe es keiner Sprechstunde. Politische Arbeit funktioniere nun einmal so, dass Beschlüsse in den Fraktionen vorbereitet und im Rat abgestimmt würden. Dem Bürger blieben genügend Möglichkeiten der Mitsprache. Wiese verwies auf die Projekte Lange Straße und Osterstraße, die in vorbildlicher Weise mit den Anwohnern abgestimmt worden seien. Auch beim Leitbild für die Stadtentwicklung habe es breite Beteiligungsmöglichkeiten gegeben. Aber es müsse durchaus noch mehr Interesse geweckt werden.
Wiese ist seit 2001 hauptamtlicher Bürgermeister und 2006 wiedergewählt worden. Er verwies auf die „hervorragend Entwicklung“, die Cloppenburg genommen habe. Mittlerweile habe die Stadt rund 34 000 Einwohner und etwa 14 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Diese Entwicklung müsse fortgesetzt werden – auch im Sinne der Kinder und Jugendlichen, die Ausbildungs- und Arbeitsplätze bräuchten.
Auch Riesenbeck will die Wirtschaft voranbringen, die Stadt aber auch interessanter für Familien, Kinder und Jugendliche machen, sagte der derzeitige Geschäftsführer des Betreuungsvereins. Seine persönliche Stärke sieht er in seiner Kommunikationsfähigkeit. Wiese setzte politische „Ausdauer“ dagegen.
