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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Die Horrorhütte in Friesoythe

23.03.2017

Augustendorf Gleichmäßig schabt ein Messer über ein Holzbrett, Äste schlagen gegen die Fenster. Die Hütte liegt tief im Wald, versteckt. In ihr schneidet eine junge Frau, Lisbeth, Rüben. Sie will ihrem kleinen Bruder Johannes einen Brei kochen. Ihr Bruder steht vor ihr. „Wir müssen gehen, der Ort ist böse“, fleht er sie an.

Die böse Hütte im Wald steht in Augustendorf. Und wenn nicht gerade ein Filmteam in ihr einen Horror-Kurzfilm dreht, ist es auch kein gruseliger Verschlag, sondern ein Ort an dem Friesoyther spazieren gehen. Für die Dauer der Dreharbeiten zum Film Incubo (Italienisch: Albtraum/ Latein: ich brüte) aber, scheint im Jahr 1945 auf der Hütte in Fluch zu liegen.

Lisbeth legt das Messer zur Seite. Sie stiert an ihrem Bruder vorbei ins Leere. Ihr Blick senkt sich, eine Hand schiebt ihr weißes Nachthemd zur Seite. An ihrem Bein tropft Blut herab, sie wurde gebissen. Fasziniert beobachtet Lisbeth das tröpfelnde Blut. „Bitte, lass uns gehen. Heute noch“, bettelt Johannes. „Es wird bald dunkel“, nuschelt Lisbeth. Sie spricht leise, scheint ihren Bruder kaum zu bemerken. Langsam nähert sich ihre Hand dem verletzten Bein. Ein Finger taucht in das Blut. Sie führt in zu den Lippen, steckt ihn in den Mund und kostet ihr Blut.

Incubo erzeugt Spannung ganz ohne Special Effects, sagt Produzent Leonardo Re. Langsame Kamerafahrten, Aufnahmen nah an den Schauspielern und plötzliche Toneffekte reichen aus, um den Zuschauer erschaudern zu lassen. Drehbuchautor Horst Vogelsang hat sich bei der Geschichte zu dem Kurzfilm von einem Film aus den 60er Jahren inspirieren lassen. „Atmosphärisch habe ich mich auf jeden Fall stark von ,Bis das Blut gefriert‘ beeinflussen lassen“, sagt er. So ist Incubo auch mehr eine Mischung aus Thriller und Horrorfilm.

In der Hütte wird das Licht auf dem Fußboden geprüft. Liegt noch genug Staub auf dem Tisch, muss die Nebelmaschine noch einmal angeschmissen werden, reicht das Kunstblut auf Dana Herfurths Bein noch? Die 19-Jährige spielt die im Film 16-jährige Lisbeth. Lisbeths und Johannes Mutter ist beim letzten Bombenangriff auf Dresden gestorben, ihr Vater im Krieg verschollen. Die Geschwister wollen zur Tante nach Bremen. Aber die Flucht kostet Kraft, Johannes wird krank. Und Lisbeth zerbricht an der Verantwortung.

„Ich hab noch nie eine so weibliche Rolle gespielt, das ist schon eine besondere Herausforderung“, sagt Dana. Besonders, wenn man eigentlich mitten in den Abivorbereitungen steckt. „Das klappt sicher, aber stressig ist es schon“, erzählt die Bremerin.

An der Schauspielerei begeistert sie, dass sie sich in neue Rollen stürzen kann. „Ich schmeiße mich da komplett rein und koste die Extreme aus, die man sonst nicht so ausleben kann. Das macht mir viel Spaß.“

Ihr Filmpartner Henning Beeck empfindet ähnlich wie sie. „Außerdem macht mir das miteinander am Set sehr viel Spaß“, erzählt der 13-Jährige. Das Bild 25.1 ist mittlerweile im Kasten – Danas Kunstblut wird abgewischt, die beiden Schauspieler gehen noch einmal in die Maske und ziehen sich um, bevor es weitergeht.

Am Set wird umgebaut – die nächste Szene findet bei Nacht statt, die Fenster werden abgedunkelt. Großer Aufwand um ein Uhr mittags. Aber damit nicht genug. Mitten im Wald in Augustendorf gibt es natürlich weder fließend Wasser noch Strom. Ein Generator muss für alles sorgen. Der wiederum, darf aber nicht zu laut sein – sonst stört er die Tonaufnahmen. Für die Aufnahmeleitung gibt es viel zu bedenken. Beim Dreh von Incubo ist das die Aufgabe von Manuela Rusch. Sie muss die ganze Zeit den Durchblick am Set haben, schließlich ist alles durchgetaktet, damit der Film Ende August fertig ist. Sie kümmert sich auch darum, dass alle Regeln eingehalten werden. Für Henning gilt schließlich das Jugendschutzgesetz. Beim Dreh verrichtet er Kinderarbeit und darf maximal drei Stunden arbeiten und fünf Stunden am Set sein. Ein paar Minuten bleiben an diesem Drehtag noch. Aus Henning wird wieder Johannes, der bei flackerndem Kerzenlicht in der Hütte einschläft. Und ganz alleine ist, als er wieder aufwacht. Alleine im dunklen Wald.


Sehen Sie ein Video unter   www.nwzonline.de/videos 
Sehen Sie mehr Bilder vom Dreh unter   www.nwzonline.de/fotos-muensterland 
Video

Lina Brunnée
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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