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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

„Hochdütsch? Nee, dat kann ick nich“

22.03.2019

Barßel Anders hätte dieser Abend nicht beginnen dürfen: Mit einem bodenständigen aber nicht zu fröhlichen „Moin“ betrat Moderator und Entertainer Yared Dibaba am Mittwochabend die Bühne in der Theateraula des Schulzentrums Barßel. Es blieb aber bei einem Moin. „Ihr wisst ja, Moin Moin ist für den Norddeutschen schon gesabbelt“, sagte der 49-Jährige, der damit auch sofort das Publikum auf seiner Seite hatte.

„Ich bin mit Plattdeutsch aufgewachsen und kann auch gar kein Hochdeutsch. Wenn ich im Fernsehen Hochdeutsch spreche, werde ich immer synchronisiert“, sagte Dibaba, der in Äthiopien geboren wurde. Auch in seiner Heimat, dem sogenannten Omotal, wurde laut seiner Erinnerungen immer Platt gesprochen. Damit ihm diese Geschichte auch geglaubt wird, ließ der NDR-Moderator ein I-Pad, oder wie Dibaba sagt ein „Ackerwischer“, durch die Reihen gehen mit einem Bild von seinem Urgroßvater – ein dunkelhäutiger älterer Herr mit Ostfriesenhemd, Prinz-Heinrich-Mütze und Pfeife im Mund. Und: Im Omotal wurden auch Reetdachhäuser gebaut. „Diese waren aber rund, dann konnte auch keiner in die Ecke machen“, sagte Dibaba mit einem Schmunzeln. Die mehr als 350 Zuschauer kriegten sich nicht mehr ein. Doch es gab laut Dibaba auch ein paar typisch norddeutsche Herren in der Aula. Er deutete auf die erste Reihe. „Du sitzt den ganzen Abend schon mit verschränkten Armen da und regst dich nicht. Du freust dich eher innerlich, oder?“, fragte der Moderator. Für ihn verkörpert er den typischen Norddeutschen. „Wenn man ihn fragen würde, wie er den Abend fand, und er dann ’gut’ sagt, ist er schon außer sich vor Freude“, so Dibaba.

Natürlich ging der Wahl-Hamburg auch auf Barßel selbst ein. Er lobte den Hafen und sein Ambiente und war erstaunt, was das Saterland alles zu bieten hatte. Moment, was hat er da gerade gesagt? Saterland? Ein Raunen ging durch die Aula. „Ha, ne das war ein nur ein Scherz. Ich weiß, dass Barßel nicht zum Saterland gehört. Ich wollte nur mal eben schauen, ob mir mein Publikum auch zuhört“, sagte der Plattdeutsch-Liebhaber.

Zum Running-Gag entwickelte sich im Laufe des Abends Dibabas Vorlese-Pläne. Immer wieder ging er zum aufgebauten Tisch und wollten den Gäste etwas vorlesen. Doch ihm fielen immer wieder Geschichten ein, die ihn vom Lesebeginn abhielten – bis zum Schluss schon keiner mehr glauben wollte, dass er wirklich noch etwas vorlesen wird. „Ihr denkt wahrscheinlich, ich hab keine Lust euch etwas vorzulesen?“, fragt der 49-Jährige, der noch im April seinen 50. Geburtstag feiert. Doch ein paar Kurzgeschichten und Reime aus dem Buch brachte er dann doch noch über die Lippen.

Zwischendurch schlug Dibaba aber auch ernste Dinge an und ging auf die Flüchtlinge ein. Allein das Wort stört ihn schon. „Flüchtling klingt so niedlich, so verharmlosend. Muss es einfach sagen wie es ist: Flüchtlinge sind Vertriebene die aufgrund einer anderen Meinung oder eines anderen Glaubens aus ihrem Land vertrieben wurden. Das ist schrecklich und man sollte das auch mit aller Deutlichkeit sagen.“

Zum Abschluss war das Publikum dann zum Mitmachen aufgefordert – es wurde gemeinsam gesungen. „Dat du min Leevsten büst, dat du woll weeßt. Kumm bi de Nacht, kumm bi de Nacht, segg wo du heeßt“, schallte es gemeinsam durch die Aula.

Die hätte übrigens auch noch voller seien können. „Die Karten waren so schnell vergriffen, dass wir hier heute abend auch 1000 Leute hätten empfangen können. Mir ist das ein oder andere unmoralische Angebote unterbreitet worden“, sagte Bürgermeister Nils Anhuth.


Ein Video des Abends mit Yared Dibaba sehen Sie unter   www.nwzonline.de/videos 
Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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