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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Von Mord und Fürstenglück

18.05.2019

Bokelesch Über die Geschichte der Johanniter Kommende (Niederlassung) Bokelesch existieren nur wenig schriftliche Aufzeichnungen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich stattdessen Geschichten und Sagen verbreiteten. Die erste Sage stammt aus „Aberglaube und Sagen im Oldenburger Land“ von Ludwig Strackerjan.

Bokelesch ist ursprünglich eine Kommende der Johanniter-Ritter, und zu Osterhausen stand ehemals ein Nonnenkloster, welches durch einen unterirdischen Gang mit dem Ritterkloster in Verbindung gebracht war. Zu Ubbehausen stand damals nur eine Hütte, die war das Fischerhaus der Ritter.

Jubiläum im September

Das 700-jährige Bestehen Bokeleschs wird mit Unterstützung der Kirche sowie den Gemeinden Barßel und Saterland am Sonntag, 8. September, gefeiert. Dazu lädt der Förderverein „Johanniterkapelle Bokelesch“ ein. Gegen 10.30 Uhr soll es einen Gottesdienst in einem Zelt beim Informationszentrum geben, zelebriert von Pfarrer Ludger Fischer und August Vornhusen. Danach ist ein buntes Programm geplant.

Joachim Bunger ist für das Infozentrum zuständig. Er schreibt in einer Serie zum 700-jährigen Bestehen Bokeleschs über den Ort. Im zweiten Teil geht es um Sagen.

Mehr Infos über Bokelesch gibt es im dortigen Informationszentrum. Öffnungszeiten bis Ende Mai: mittwochs, freitags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr.

Als der deutsche Kaiser mit einem Sultan im Kriege war, hatte der Sultan den Beichtvater des Kaisers erkauft, dass er den Kaiser bewegen sollte, mit dem Sultan in Jerusalem eine Zusammenkunft zu halten. Als nun der Kaiser, dem Rate seines Beichtvaters folgend, nach Jerusalem kam, nahm ihn der Sultan gefangen und wollte ihn hinrichten lassen.

Letztendlich aber schenkte der Sultan dem Kaiser das Leben und die Freiheit unter der Bedingung, dass der Kaiser seinen Beichtvater, dessen verräterische Briefe ihm vorgezeigt wurden, und alle, die seines Ordens seien, in einer Nacht töten lasse, sobald er nach Deutschland zurückgekehrt sei. Es war aber der Beichtvater ein Johanniter. Der Kaiser versprach es mit heiligem Eide und hielt Wort. Als er wieder in Deutschland war, ließ er alle Johanniter in einer Nacht ermorden. Da wurden dann auch die Johanniter auf der Kommende Bokelesch ermordet.

Einige sagen aber, dass ein Knecht auf der Kommende am Leben geblieben sei, und dieser sei aus dem Lippeschen gewesen, deshalb können auch die echten Bokelescher, die alle von diesem Knechte abstammen, gleich den Lippern das R nicht aussprechen.

Der Sage liegt meines Erachtens die Verwechslung der Johanniter mit dem Templerorden zugrunde, der ebenfalls zu den Kreuzritterorden zählte.

Am 14. September 1307 wurde ein Haftbefehl des französischen Königs Philipp IV. ausgefertigt, und zwar für alle Templer ohne Ausnahme. Sie seien zu verhaften, gefangenzuhalten und dem Urteil der Kirche zuzuführen. Es kam zur Zerschlagung durch Ermordung, Verhaftung und Wegnahme aller Güter, die 1312 den Johannitern überlassen wurden.

Lesen Sie auch:Wie aus dem Kloster ein Ort wurde, Nordwest-Zeitung vom 3. April 2019

Zu der Annahme, dass die Johanniter Kommende Bokelesch vormals eine Niederlassung der Templer war, fehlen allerdings die Beweise. Es gibt zwischen 1319 und dem 16. Jahrhundert keine weiteren schriftlichen Aufzeichnungen über das Kloster Bokelesch, was wohl zur Entstehung der zweiten Sage (aus „Aberglaube und Sagen im Oldenburger Land“) führte:

Als die Johanniter zu Bokelesch umgebracht waren, lag alles Land auf der Kommende 300 Jahre lang brach und wüst, und keine Menschenseele wohnte dort. Nun war einmal ein deutscher Fürst aus seinen Landen vertrieben und irrte heimatlos umher. Da tat er ein Gelübde, wenn er wieder zur Regierung komme, wolle er alle zerstörten Klöster und Kirchen, von denen noch eine Mauer stehe, wieder aufbauen lassen. Und das Glück wandte sich ihm wieder zu.

Er ward in sein Land wieder eingesetzt und betrat den deutschen Boden zuerst in Bokelesch. Da baute er, seinem Gelübde getreu, die jetzige Kapelle zu Bokelesch wieder auf und ließ einen Knecht und eine Magd dabei zurück, die waren aus Coersfeld (Coesfeld). Die beiden bauten sich ein Haus bei der Kapelle, das heißt noch bis heute Coers Hus, aus welchem alle Bewohner von Bokelesch herstammen. Darum mussten noch bis auf die letzte Zeit alle Bokelescher ans Coers Hus gewisse Dienste leisten.

Sagen haben oft einen wahren Kern. Bei diesen hat das Ende durchaus einen historischen Zusammenhang, sowohl mit den späteren Pächtern, die nachweislich aus Coesfeld stammen, sowohl mit dem Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg beschädigten Kapelle.

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