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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Der König von Scheißegalien

15.10.2019

Cloppenburg Vorsichtig zückt Helga Grave, Inhaberin der Cloppenburger Galerie Kramer, an diesem Montagmorgen das Cuttermesser. Mit geübten Schnitten durchtrennt sie die Klebestreifen und schiebt die Hartpappe zur Seite: Zum Vorschein kommt – stark überzeichnet – der Meister persönlich: Mit Dreizack, brennender Zigarette, Umhang, Sonnenbrille und weißen Sneakern posiert Musikerlegende Udo Lindenberg auf diesem Siebdruck als „König von Scheißegalien“.

„Ich habe ganz lange überlegt, was für Cloppenburg interessant sein kann“, beschreibt Grave ihre neue Vernissage mit 33 Bildern des inzwischen 73-jährigen Musikers, der rund 4,5 Millionen Platten verkauft hat und schon zu Lebzeiten eine Legende ist. „Lindenberg ist unter anderem Teil meiner Jugend. Ein Freigeist, der mich an meine Fahrt in der zehnten Klasse nach Berlin, an das Lied Sonderzug nach Pankow von 1983 erinnert“, sagt die 50-jährige Galerie-Inhaberin.

Seit den 1990er Jahren tritt Lindenberg auch als Maler in Erscheinung – und das ebenfalls ziemlich erfolgreich. Einer ersten Ausstellung 1996 folgten zahlreiche weitere, unter anderem 2005 mit dem Titel „Keine Panik. Udo Lindenbergs bunte Republik“ im Haus der Geschichte in Bonn. Seine Werke fanden zunehmend Beachtung und befinden sich heute sogar im Bundeskanzleramt.

Aus kleinen „Udogrammen“, Frauchen und Männchen mit Hut, schuf er seinen eigenen Malstil – mit flotten Strichen, leuchtenden Farben und dem ganz speziellen Lindenbergschen Bildwitz komponiert er seine Gefühle zu Unikaten. So prostet er auf seinem Bild „Alle Tage sind gleich lang, aber verschieden breit“ einer unbekannten Blondine zu – Lindenberg und der Alkohol war lange Zeit eine gefährliche Mischung.

Mit seiner Mischung aus Cartoon und Karikatur sprengt Lindenberg alle traditionellen Gemäldekategorien. Die Künstler Joseph Beuys und Markus Lüpertz lobten Lindenbergs außergewöhnlichen Malstil. Die von ihm im Hamburger Hotel Atlantic – dort wohnte Lindenberg viele Jahre – entwickelte Technik des Likörells ließ er sich patentieren. Mit Blue Curaçao kann man eben nicht nur flotte Cocktails mixen, sondern auch ausdrucksstarke Bilder malen.

Und diese haben offenbar genau wie Lindenbergs Musik eine treue Fangemeinde. „Vor 15 Jahren konnte man ein Unikat von Lindenberg noch für 1000 Euro kaufen, inzwischen werden sie zwischen 5000 und 7000 Euro gehandelt“, weiß Grave. Dabei habe Lindenberg Kunst gar nicht studiert, sondern sei ein kompletter Autodidakt.

Die Lindenberg-Siebdrucke, die ab Samstag in der Galerie Kramer zu sehen sein werden, wurden in einem aufwendigen Verfahren hergestellt. Unter anderem ist für den Druck eigens ein Computerprogramm geschrieben worden, das dafür sorgt, dass die Drucke von der Vorlage qualitativ fast nicht zu unterscheiden sind. Ein winziger Unterschied: Während das Ausgangsbild von Lindenberg mit einem Farbstift signiert worden ist, benutzt er für die Drucke einen Bleistift: So oder so: Jedes Bild – die Siebdrucke werden meist in einer Auflage von 250 Stück hergestellt – ist von Lindenberg höchstpersönlich signiert.

Die Vernissage wird am Samstag, 19. Oktober, in der Galerie Kramer an der Osterstraße 46 eröffnet. Los geht’s um 14 Uhr mit den einführenden Worten von Galerie-Inhaberin Helga Grave, anschließend spricht Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese. Für die Musik sorgt Lindenberg-Double Rudi Wartha. Zu sehen ist die Vernissage bis zum 9. November: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 14 Uhr und nach Absprache (Telefon  0 44 71/ 2776).

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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