• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

„Werde auch zukünftig nicht schweigen“

20.02.2019

Cloppenburg „Ich kann Ihnen versprechen, dass ich auch zukünftig nicht schweigen werde.“ Das sagte Pfarrer Peter Kossen in seiner Dankesrede. Zuvor hatten die Bürgerstiftung und die katholische Kirchengemeinde St. Andreas dem furchtlosen Kritiker der Fleischindustrie im Kreishaus den „Vikar-Henn-Preis“ für Zivilcourage verliehen (NWZ berichtete). Benannt ist der Preis nach dem Nazi-Widerstandskämpfer Ernst Henn (1909 bis 1945).

Der 50-jährige Kossen beklagte Sklaverei und Arbeitsausbeutung in der Region und bezeichnete den Missbrauch der Werkvertrags- und Leiharbeit zum Zwecke von Lohn- und Sozialdumping als Krebsgeschwür, das seinen Ausgang in der Fleischindustrie gehabt und mittlerweile die Metallindustrie, die Logistik und weitere Branchen befallen habe. Selbstverpflichtungserklärungen sollten den Eindruck erwecken, als ob bereits Fortschritte erzielt worden seien, so Kossen. Doch die Realität zeige, dass Ausbeutung, Menschenschinderei und Lohndrückerei unvermindert fortgeführt würden.

Menschen würden benutzt, verschlissen und dann entsorgt – wie Maschinenschrott: „Wegwerfmenschen“ sagte er wörtlich. Zur Ausbeutung käme die Unterbringung in gesundheitsgefährdenden Wohnungen, fuhr Kossen fort. Die Tuberkulose-Fälle unter den Werkvertragsarbeitern führte er auf die zum Teil erbärmlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen zurück.

„Wer diese Wirklichkeit in unserer Heimat hinnimmt, verrät die Ideale eines Vikar Henn“, mahnte er. „Wenn einer Region die Solidarität und das Bewusstsein für die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen verloren gegangen sind, verliert sie ihre Kultur, die Wurzeln aus denen sie lebt.“

Im Januar dieses Jahres hatte Kossen den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ gegründet. Diesem käme das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro zugute, versprach er. Ziel des Vereins sei es, Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa stark zu machen und so dazu beizutragen, dass deren Integration gelinge.

Die Landesregierung habe kürzlich beim Besuch einer fleischverarbeitenden Firma in Garrel ein Zeichen gesetzt. „Diese Unternehmen müssen wir stark machen“, warb er. Auch die Verbraucher könnten ein Zeichen setzen, wenn sie Produkte der „Sklaventreiber“ in den Regalen liegenließen und durch ihre Kaufentscheidung faire Arbeitsbedingungen belohnten.

„Wir sollten Ernst Henn und Clemens August Graf von Galen nicht ins Museum stellen und wie eine Monstranz vor uns hertragen, sondern den Mut haben, heute für das Leben, für die Schöpfung und für Menschenwürde einzutreten“, schloss Kossen seine mit langanhaltendem Applaus bedachte Dankesrede.

Im Anschluss warb Dechant Bernd Strickmann für das von Werner Nilles verfasste Buch über Vikar Ernst Henn „Ich kann mich nicht vor der Wahrheit drücken“. Er dankte dem Autor für die „akribische und tolle Arbeit“. Er bezeichnete das Buch als Seh- und Denkschule, welches im Pfarrbüro „Forum“ (Sevelter Straße) und in der Buchhandlung Terwelp erhältlich ist.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.