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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Kultur: Zuschauer ringen um Fassung

16.08.2019

Cloppenburg Tief ergriffen haben sich die Besucher des Theaterstücks „Wenn ich wieder klein bin – eine Erinnerung an Janusz Korczak“ im Museumsdorf Cloppenburg gezeigt. Inszeniert und aufgeführt wurde es vom Theater- Laboratorium Oldenburg. Im Rahmen des Cloppenburger Kultursommers brachte Schauspieler und Puppenspieler Pavel Möller-Lück mit viel Gefühl, Sensibilität und auch einer kräftigen Prise Humor das Leben des polnischen Kinderarztes, Pädagogen und Schriftstellers Janusz Korczak, der eigentlich Henryk Goldszmit hieß, auf die improvisierte Bühne im Quatmannshof. Zwei Vorstellungen waren mit insgesamt 440 Besuchern ausverkauft.

Drei Reisekoffer, die scheinbar im Raum schwebten und verschiedene Miniatur-Szenenbilder enthielten, ein altes Krankenhaustischchen und liebevoll gestaltete Handpuppen – dies waren die Requisiten, mit denen Pavel Möller-Lück die erschütternde Geschichte von Janusz Korczak und der jüdischen Kinder aus dem Warschauer Ghetto erzählte.

Der Schauspieler erweckte mit seiner Stimme, seiner Mimik und manchmal auch mit seinem bedrückten Schweigen die Figuren zum Leben. Die einzige lebensgroße Puppe stellte Perla Papierbuch dar, die über 80-jährige ehemalige Bewohnerin des Waisenhauses im Warschauer Ghetto. Korczak war es gelungen, sie und einige andere Kinder „die nicht so jüdisch aussahen“ noch rechtzeitig aus dem Ghetto zu schmuggeln, bevor der Befehl zum Transport in das Vernichtungslager Treblinka kam. Sie überlebte und erzählte nun die Lebensgeschichte von Dr. Korczak, der sich mit viel Liebe und Empathie für „seine“ Kinder einsetzte, die er immer als gleichberechtigte Gesprächspartner ernst nahm.

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„Wenn ich mit Kindern zusammen bin, dann leiste ich ihnen Gesellschaft und sie mir. Wir sprechen miteinander oder auch nicht. Es ist meine und ihre Stunde, wenn wir zusammen sind; unsere gemeinsame gute Lebensstunde, die meine und die ihre. Und eine, die nie wiederkehrt“, zitierte Pavel Möller-Lück aus den pädagogischen Schriften des angesehenen Kinderarztes und Pädagogen. Janusz Korczak gab seine erfolgreiche Karriere als angesehener Mediziner auf, um sich ganz und gar den Kindern zu widmen.

Korczak leitete das jüdische Waisenhaus in Warschau, an dessen Bau er selbst mitgewirkt hatte. Dort wollte er den Kindern ein wirkliches Heim geben, auch wenn – wie er mit einem Seufzer feststellte – 100 Kinder täglich 200 dreckige Schuhe und 99 Zahnbürsten bedeuteten. Warum nur 99? Eine wurde von ihrem kleinen Besitzer gegen eine Maus getauscht, die dann den Versuch, ihr die Zähne zu putzen, nicht überlebte. So kam in der stillen und nachdenklich machenden Inszenierung auch der Humor nicht zu kurz.

Dann prangte das Jahr 1939 auf dem Kalender, und aus dem alten Röhrenradio schallten die Nachrichten über den Beginn des Zweiten Weltkrieges und den Überfall auf Polen durch den Raum. Korczak musste mit den Kindern ins Warschauer Ghetto und versuchte mit allen Mitteln, Lebensmittel zu organisieren und die katastrophalen Lebensbedingungen für sie etwas erträglicher zu machen.

Als im Jahr 1942 der Befehl zum Abtransport in das Vernichtungslager Treblinka kam, belog er die Kinder zum ersten Mal. Er sagte ihnen, sie würden einen Ausflug aufs Land machen und begleitete sie in den Tod.

Nach einer kurzen Pause, in denen die Zuschauer hörbar nach Fassung rangen, bedankten sie sich mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen für eine sehenswerte und ergreifende Inszenierung gegen das Vergessen und für Humanität und Mitmenschlichkeit.

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