• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Ein Leben vor einer Wand aus Vinyl

02.09.2011

RAMSLOH Auf die Frage nach der Lieblingsplatte folgt keine spontane Antwort - Uwe Müller muss lachen und grübelt. „Ganz schwer zu sagen“, meint der Discjockey aus Ramsloh. In der Tat keine leichte Entscheidung, schließlich steht hinter ihm ein raumhohes Regal mit mehr als 6000 Schallplatten. Auf einen Favoriten kommt Müller jedoch nicht, zwei kommen in die engere Auswahl. „,Dark Side of the Moon‘ von Pink Floyd und ,Inside‘ von Eloy gehören zu meinen Lieblingsalben“, sagt der 53-Jährige schließlich und zieht die Platten erstaunlich schnell aus dem Regal. Sein Genre ist die Rockmusik – egal ob progressiv, hart oder jazzig. Auch heute ist Müller, Jahrgang 1958, noch großer Fan der Schallplatte aus Vinyl, Jahrgang 1951.

Hoffnung für das Vinyl

Zum 60. Geburtstag der Vinylscheibe, der in dieser Woche gefeiert wird, hat Müller einen Wunsch: „Ich hoffe, dass es noch viele Menschen geben wird, die den wahren Wert einer Schallplatte erkennen und schätzen.“ Seiner Meinung nach liegt das Geheimnis des Vinyls im besonderen Klang des Tonträgers. „Die Klangtiefe ist überragend, da hält keine CD und schon längst keine MP3-Datei mit“, weiß Müller, der seit 36 Jahren als DJ arbeitet und über die Jahre ein gewisses Gehör für seine Musik entwickelt hat. Auch wenn Müller im Laufe der Jahre seinen DJ-Betrieb auf CD umgestellt hat, würde aber gern wieder Schallplatten auflegen. Er fügt hinzu: „Ich brauche etwas in der Hand wie das Cover und das Bootleg.“ Anfang der 90er Jahre sei der LP-Boom durch die übermächtig werdende CD abrupt gestoppt. Hoffnung schöpft Müller aus einer Entwicklung, die er in den letzten Jahren beobachtet hat. „Es gibt zum Glück wieder mehr Schallplatten auf dem Markt.“

Auch legt er gern bei der „DJ-Nacht“ im Schlossmuseum in Jever auf, wo unterschiedliche DJs ihre Musik aus den 70er Jahren spielen – ausschließlich von Platte. Denn es war auch in den 70ern, als Müllers DJ-Karriere begann. Genau gesagt an Silvester 1975. Müller wird von Freunden gefragt, ob er auf einer Party in Scharrel auflegen möchte. „Ich hatte etwa 40 Platten in meiner Sammlung, fast ausschließlich progressive Musik“, erinnert sich Müller. Seine erste Platte ist von Uriah Heep, „Sweet Freedom“ kauft er sich 1973 bei Radio Nickel in Strücklingen.

Der erste Auftritt wurde zum Erfolg, die Party dauerte drei Tage. Aus der Party wurde eine regelmäßige Veranstaltung, bald war die „Company“ in Scharrel entstanden, Müller spielt anfangs jeden Sonntag, dann kommen Freitag, Sonnabend und Mittwoch hinzu. Inspirieren lassen hat er sich dabei von Diskotheken wie „Tiffany“ in Oldenburg, „Scala“ in Lastrup oder dem „Elysium“ in E’damm. Nebenbei arbeitet Müller in einer Fabrik, dann macht er eine Maurerlehre. Als Geselle arbeitet er jedoch nie.

„Ich wollte Mucke machen“

1981 entschließt er sich, nur noch mit der Musik sein Geld zu verdienen. „Die Leute haben mich für verrückt erklärt, doch ich wollte Mucke machen.“ Doch sein Plan geht auf. Er richtet sich eine mobile Disco ein und tingelt über die Dörfer, um den Leuten Rock-Musik vorzuspielen.

Später kommen zahlreiche Engagements in Diskotheken im gesamten Weser-Ems-Raum hinzu. Die Liste seiner Stationen ist lang: „Neue Heimat“ in Thüle, „Apex“ in Papenburg, „Charts“ in Harkebrügge, „Bourree“ in Neubörger, um nur einige zu nennen. Sein neuerlangter Status als Rock-DJ lässt auch die Plattenfirmen auf ihn aufmerksam werden. Eines Tages kam dann die erste Promotions-Platte zu Müller nach Hause. „Es war die erste Single von der damals noch unbekannten Band Depeche Mode.“ Ein Moment, an den sich Müller sehr gerne zurückerinnert. „Das war ein Traum, dass ich die Platten umsonst geschickt bekomme“, sagt der Plattenliebhaber, der mittlerweile auch über eine Sammlung von 5000 CDs verfügt.

Heutzutage legt Müller nach wie vor an Wochenenden mit seiner mobilen Disco auf, in der Woche betreibt er einen Laden, in dem er Lautsprecher und Lichtanlagen für Konzerte und Messen verkauft und vermietet.

Ein Phänomen hat er in den letzten Jahren beobachten können: „Auch wenn ich selbst schon über 50 bin, hatte ich ein komisches Gefühl, auf einem 50. Geburtstag aufzulegen. Ich wusste nicht, was ich spielen soll.“ Erleichterung kam auf, als die Gäste seine Musik von früher hören wollten. Am liebsten von der Schallplatte.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.