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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Ein Ort trauriger Erinnerung

19.11.2011

FRIESOYTHE Man schrieb den 13. November 1895. Damals war der aus Bakum im Landkreis Vechta stammende Bernard Tapke katholischer Pfarrer in Friesoythe. Und just an jenem Tag vor 116 Jahren war es Pfarrer Tapke, der den neuen katholischen Friedhof auf dem damaligen Johanneskamp in Friesoythe offiziell einweihte. Nach seinem Tod wurde Pfarrer Tapke dort beigesetzt.

Heute ziert ein Grabstein die Stelle, an der nicht nur Bernard Tapke beerdigt wurde. Auch die einstigen Geistlichen Lambert Meyer (Pfarrer in Friesoythe von 1901 bis 1922), Dechant und Domkapitular Bernhard Küstermeyer (Pfarrer in Friesoythe von 1922 bis 1951) und Dechant und Propst August Wehage (Pfarrer in Friesoythe von 1952 bis 1977) sind hier beigesetzt. Den drei letztgenannten Pfarrern wurde in Friesoythe sogar eine besondere Ehre zuteil: Sie wurden vom Stadtrat zu Ehrenbürgern ernannt.

Zwangsarbeiter

Ein Spaziergang über den katholischen Friedhof an der Marien-Straße verschafft viele verschiedene Einblicke in die jüngere Geschichte der Stadt Friesoythe. So erinnert ein Denkmal an 14 russische Kriegsopfer. Es waren wohl Zwangsarbeiter, weiß Wolfgang Letzel, profunder Kenner der Stadtgeschichte und Leiter des Postgeschichtlichen Museums in Friesoythe, die damals während des 1. Weltkrieges nach Friesoythe deportiert wurden. Sie kamen mit der Eisenbahn an und mussten vom Bahnhof in Friesoythe nach Schwaneburgermoor marschieren, wo sie in einem Lager kaserniert wurden. Viele von ihnen überlebten die Strapazen der Zwangsarbeit nicht und starben in den Jahren zwischen 1915 und 1917. Wolfgang Letzel hütet in seinem umfangreichen Archiv eine Fotografie, die die russischen Kriegsgefangenen zeigt, wie sie vom Bahnhof in Friesoythe in einer geschlossenen Formation abmarschieren. Letzel: „Das Foto stellt ein historisches Zeugnis der Stadtgeschichte dar und hat absoluten Seltenheitswert.“

Persönlichkeiten

Zu den zahlreichen Persönlichkeiten Friesoythes, die auf dem katholischen Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben, gehört auch Dr. Fritz Landgraf. Er lebte von 1881 bis 1968, war Zahnarzt in Friesoythe und der Erforschung der Heimatgeschichte eng verbunden. „Als Vorsitzender des Heimatvereins Friesoythe hat er den berühmten Pestschinken vor der Vernichtung gerettet und dem Heimatverein geschenkt“, erzählt Wolfgang Letzel.

Pestschinken

Der Sage nach war vor gut 450 Jahren die damals Friesoyther Familien heimsuchende Pestilenz in den Schinken gebannt worden. Bauer und Gutsherr Dietrich Windberg verwahrte den Schinken auf seinem Hof in Schwaneburg. Als er 1961 starb, sollte der Schinken entsorgt werden. Dr. Fritz Landgraf erwarb das historische Stück für den Heimatverein. Der Pestschinken wird seitdem im Friesoyther Rathaus aufbewahrt.

Der Gang über den älteren Teil des Friedhofs führt auch zum Grab von Gerhard Schonebeck. Er war nach Gerhard Wreesmann und Bernhard Bramlage der dritte Nachkriegs-Stadtdirektor in Friesoythe – und starb im Alter von 44 Jahren auf tragische Weise: Am 21. Juni 1966 verunglückte Gerhard Schonebeck in der Nähe von Cloppenburg mit seinem Auto.

Gerhard Schonebecks Nachfolger im Rathaus wurde Heinz Köhne, der 1971 von Wilhelm Habrock abgelöst wurde. Habrock war der letzte Stadtdirektor, bevor die zweigleisige Führung mit Bürgermeister und Stadtdirektor abgeschafft wurde und 1998 mit Johann Wimberg erstmals ein hauptamtlicher Bürgermeister gewählt wurde.

Übrigens: Auch die Gräber früherer Bürgermeister finden sich auf dem Friesoyther Friedhof: So sind dort die Nachkriegs-Bürgermeister Heinrich Vogel, Heinz Stuke, Gerhard Block und Heinrich Olberding beigesetzt.

Heinz-Josef Laing Friesoythe / Redaktion Münsterland
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