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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

„Ein würdiger Abschluss für das Haus“

01.06.2017

Cloppenburg Mittwoch, 10 Uhr, Nordenhamer Straße 2 in Cloppenburg: Cai-Olaf Wilgeroth schließt mit einem kräftigen Ruck die Tür des Siedlerhauses aus dem Jahr 1950 auf. „Sie klemmt immer ein bisschen“, sagt der Mitarbeiter des Museumsdorfs Cloppenburg. Dieses hat das seit Februar 2015 unbewohnte Haus bis Ende kommenden Jahres gemietet. Hier ist Vermieter Georg Elfert aufgewachsen, der nebenan neu gebaut hat und dort mit seiner Lebensgefährtin und der gemeinsamen Tochter wohnt.

Wie bitte? Warum mietet das Niedersächsische Freilichtmuseum ein „nur“ 67 Jahre altes Gebäude in einer bestehenden Wohnsiedlung, wo es doch weit mehr als drei Dutzend historische Gebäude auf seinem 300 Meter entfernten Museumsgelände hat, von denen die meisten weit mehr als 150 Jahre alt sind?

Die Anmietung des Siedlerhauses sei Teil des größeren Forschungs- und Ausstellungsprojektes „4 Wände“ zum Leben im Einfamilienhaus in Deutschland seit 1950, klärt Christian Petersen auf, der gemeinsam mit seinem Kollegen Wilgeroth für das Museumsdorf an dem – vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderten – Projekt arbeitet. Bereits seit September 2016 suche man deshalb den Kontakt zu den Anwohnern im Wohngebiet zwischen Braker und Nordenhamer Straße. „Wir sind dort schon mit einigen Menschen über ihre Häuser und ihr Leben in den eigenen vier Wänden und im eigenen Garten ins Gespräch gekommen. Dabei sind bereits viele Geschichten zu Hausbau, Nachbarschaft und Familienleben zusammengetragen worden“, sagt Petersen.

Stichwort Geschichte: Im Hause Elfert macht es den Eindruck, als sei dort die Zeit stehengeblieben. Im Flur liegt noch Teppichboden und in der Wohnküche das gute, alte Linoleum. An der Küchenwand sind auf einer Borte zahlreiche Pokale von Elfers verstorbenem Vater Franz aufgereiht. In der Stube hängt über dem Sofa ein massiver Eichenrahmen mit einem handgeknüpften Blumenbild, das Mutter Carla – ebenfalls verstorben – in vielen Stunden angefertigt hat. Der Rahmen wird mit kleinen Schwämmchen von der Wand abhalten, damit es keine Ränder an der Tapete gibt. Das ist ’mal Liebe zum Detail – und heute noch genauso vorhanden.

Zwei Schafe, Kaninchen, Hühner: Wie viele andere Cloppenburger halten sich auch die Elfers in den ersten Jahren nach dem Krieg Tiere zur Selbstversorgung. Später wird in den alten Stall eine Sauna eingebaut. „Die hat sich mein Vater mal gegönnt“, sagt Georg Elfert am Telefon. Der 47-Jährige kann an diesem Morgen aus terminlichen Gründen nicht bei der Hausbesichtigung dabeisein.

Aber auch fernmündlich ist deutlich zu spüren, dass der IT-Fachmann, der vor 16 Jahren endgültig zu Hause auszog, Feuer und Flamme für das Museumsdorf-Projekt ist. „Ich finde es super, dass mein Elternhaus für die Ausstellung quasi wiederbelebt wird. Das ist ein würdiger Abschluss für das Haus.“

Die beiden Projektleiter Wilgeroth und Petersen sind hingegen so begeistert, weil nicht nur im Haus fast nichts verändert wurde, sondern auch das Inventar eine Zeitreise durch 60 Jahre Konsumgüter darstellt: Da liegt aus den 80ern noch der C-64-Computer auf dem Schrank, der wiederum mit alten Gläsern, Krügen und Kartenspielen gefüllt ist. Auf der Fensterbank in Georg Elferts Kinder- und Jugendzimmer wartet ein blaues Carrerabahn-Auto aus den 70ern quasi auf den nächsten Start. Selbst aufgenommene Musikkassetten dokumentieren den Musikgeschmack des jungen Georg Elfert: Bruce Springsteen, REM, Van Halen, Manfred Mann.

„Das Haus soll Ort der Begegnung von Anwohnern mit all ihren eigenen Geschichten, ihrer Gegenwart sowie Zukunft sein und Besucher damit in Kontakt bringen“, betont Petersen. Weiteres Mittun und noch mehr Material aus dem Wohngebiet seien daher unbedingt erwünscht.

Deshalb werde das Museumsdorf am 30. Juni, ab 17 Uhr, als neuer Nachbar an der Nordenhamer Str. 2 mit einem Grillabend seinen Einstand geben. Dazu seien alle Anwohner des Gebiets eingeladen. Fotos, Dokumente und besondere Dinge dürften gerne mitgebracht werden.

„Wir wollen zeigen, was wir schon haben und hören, was sich die Anwohner wünschen und für die Erzählung ihres Wohngebiets vorstellen können“, sagt Wilgeroth. Etwas ganz Besonders hat er schon ergattern können: die handgeschriebene Preisliste eines früheren Straßenfestes. „Natürlich noch in D-Mark“.

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