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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Gogericht verurteilt Honigdieb

01.07.2019

Emstek Bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen ist am Samstag der Gogerichtstag am Desum in Emstek über die Bühne gegangen. Mit lautem Kanonendonner wurden die Gäste beim Betreten der Gogerichtsstätte begrüßt.

Seit mehr als 25 Jahren lädt die Interessengemeinschaft „Altes Gogericht auf dem Desum“ zum jährlichen Gerichtstag ein. Zahlreiche Besucher versammelten sich in dem kleinen Wäldchen und nahmen rund um die steinerne Gerichtsstätte Platz.

In historischen Gewändern betraten die rund 40 Akteure den Steinkreis. Georg Meyer-Nutteln, Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Altes Gogericht auf dem Desum“, begrüßte die anwesenden Gäste und dankte den zahlreichen Aktiven für ihre tatkräftige Unterstützung. Das Amt des Gografen übernahm in diesem Jahr Hergen Stolle, Vorsitzender des diesjährigen Partner-Heimatvereins Düngstrup. Die 24 Schöffen, die aus den teilnehmenden Gemeinden entsandt worden waren, nahmen ringsum an den Erinnerungssteinen Platz und verfolgten aufmerksam die Verhandlungen. Auch die beiden Gerichtszeugen (1. Kornot Clemens Holzenkamp und 2. Kornot Benno Timmen) sowie Urteilsweiser (Meik Fangmann) und Gerichtsschreiber (Ludmar Brokamp) durften nicht fehlen.

Jens Kuraschinski, Bürgermeister von Wildeshausen, überbrachte die Grußworte der diesjährigen Partnergemeinde und erinnerte daran, dass einer seiner historischen Vorgänger vom Gogericht zum Tode verurteilt worden sei. Er hatte daher zur eigenen Sicherheit zwei Wachsoldaten mitgebracht. Er bat um ein gerechtes Urteil im diesjährigen aktuellen Fall.

Dieser befasste sich dieses Mal mit der Meinungsbildung in der Politik: Dr. Johannes Wilking aus Wöstendöllen warnte vor einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft, dem kritiklosen Verbreiten von Fake News und dem Anwachsen des Populismus. „Wo alle das gleiche denken, denkt keiner viel“, so Wilking. Er forderte mehr kritische und sachliche Auseinandersetzung mit den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. „Öffentliche Meinung muss durch Denken entstehen und nicht durch Posaunen.“

Die Schöffen stellten nach eingehender Besprechung fest, dass dies zwar kein Fall für eine Gerichtsverhandlung sei, forderten aber alle Anwesenden auf, individuelle Verantwortung für das gesellschaftliche Miteinander zu übernehmen.

Im historischen Fall aus dem Jahr 1605 verklagten drei Häuslinge und ihr Anwalt den Drost Rebicken. Sie warfen ihm vor, ihre Bienenstöcke samt Honig gestohlen zu haben. Da der Drost sich weigerte vor Gericht zu erscheinen und er schon einmal des Bienendiebstahl überführt worden war, sprachen ihn die Schöffen nach einer kurzen Verhandlung für schuldig. Der Drost muss die Bienenkörbe zurückgeben und die Kosten für den Anwalt übernehmen. Dieses Urteil wurde sowohl von den drei Klägern als auch vom Publikum mit viel Applaus bedacht.

Eine besondere Ehre wurde Herbert Feldhaus zuteil. In seiner Laudatio lobt Johannes Bockhorst, Leiter der Cloppenburger Oberschule Pingel Anton, das besondere Engagement des „Strahlemann“-Erfinders. Mit Empathie und Leidenschaft würde er Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten hätten sich in die Berufswelt einzugliedern, begleiten und gemeinsam mit Unternehmen aus der Region tatkräftig unterstützen, so Bockhorst. Feldkamp wurde für sein großes soziales Engagement mit dem Desumer Ehrenteller ausgezeichnet.

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