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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Engelsflügel sind unverkennbar

24.02.2012

BöSEL „Die Engelsflügel, die Gewänder, die Farben – man konnte sofort erkennen, welche Bilder Gerhard Lamers gemalt hat“, erzählt Beate Reinke von ihrer Reise in die USA. Im September hat sie dort mit ihrer Familie Cincinnati besucht und einige Kirchen besichtigt. Die Malereien von Gerhard Lamers erkannte sie auf den ersten Blick – schließlich waren ihr die Motive aus der St.-Cäcilia-Kirche in Bösel vertraut. „Sie sind sehr ähnlich“, erzählt die gebürtige Böselerin, die in Garrel lebt.

Zwei Kirchen hat Beate Reinke zusammen mit ihrem Mann Rickert und den beiden Töchtern Felicia und Aurelia besichtigt. Die eine war die All Saints Church direkt in Cincinnati, in der es mehrere Bilder des Kirchenmalers gibt. „Die Kirche ist sehr hell, freundlich, gemütlich und jung.“ Die zweite war die Mother of God Church im Stadtteil Covington, der stark von deutschen Einflüssen geprägt ist. In dieser Kirche waren neben Lamers auch andere Maler am Werk. „Diese Kirche ist sehr nobel mit viel Marmor und Gold. Die blaue Deckenmalerei dieser Kirche erinnerte mich sehr an Bösel“, sagt Beate Reinke: „Das war schön zu sehen.“

Kein Zufall

Dass die Reinkes in Cincinnati auf den Spuren von Gerhard Lamers unterwegs waren, war kein Zufall: Beate Reinkes Onkel ist Univ. Prof. Dr. Hermann Gelhaus aus Bösel. Er ist sehr an der Böseler Geschichte interessiert und hat sich intensiv mit den Bildern in der St.-Cäcilia-Kirche beschäftigt. Als Gelhaus Tochter Franziska nun im September in Washington ihre Hochzeit feierte, reiste natürlich die Familie aus Bösel und Garrel in die USA. „Mein Onkel hatte uns davon erzählt, dass es in Cincinnati die Kirchen mit den Bildern von Lamers gibt, also sind wir hin“, so Beate Reinke. In der All Saints Church traf die Familie zufällig eine Deutsche aus Lingen, die dort ein Jahrespraktikum absolvierte. „Es war natürlich witzig, eine Deutsche und dann auch noch aus unserer Gegend dort zu treffen“, so die Garrelerin.

Ausmalung 1923

In der Böseler Kirche sind die Arbeiten von Gerhard Lamers im Chorraum und im Querschiff zu sehen. 1922 war dieser Teil der Kirche errichtet worden. „Die Ausmalung war 1923“, weiß Hermann Gelhaus zu berichten. Ihm gefällt St. Cäcilia sehr, „auch weil eben diese Bilder so schön sind“. Gerhard Lamers stammte aus Kleve am Niederrhein. 1871 wurde er geboren, im Alter von 14 Jahren trat er in das Atelier des Kirchenmalers Friedrich Stummel ein. 1906 zog Gerhard Lamers mit seiner Frau und den drei Kindern nach Münster. Über 100 Kirchen malte er in den folgenden Jahren aus, darunter die in Bösel und eine weitere in Papenburg. „Zu der Kirche in Papenburg planen wir im Rahmen des Plattdeutschen Jahres einen Ausflug mit Führung“, kündigt Gelhaus schon einmal die Veranstaltung für den kommenden Herbst an.

1928 wanderte der Maler schließlich nach Amerika aus. Dort malte er vor allem im Bundesstaat Ohio viele Kirchen aus, wo sich viele Deutsche niedergelassen hatten. Gerhard Lamers starb 1964 im Alter von 90 Jahren in Cincinnati.

Sechs große Bilder sowie sechs Porträts und viele schmückende Ornamente hat der Kirchenmaler in St. Cäcilia gestaltet. „Das wichtigste Bild ist der Gnadenstuhl“, berichtet Gelhaus. Das Bild ziert die Apsis über dem Hauptaltar.

Hermann Gelhaus wandert durch die Kirche, lässt den Blick über Decken und Wände schweifen: „Es ist doch eigentlich unfassbar, dass diese Bilder alle einmal überstrichen worden sind. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie die Kirche aussah,als hier alles einfach nur weiß war.“

Alle Bilder übermalt

1961 sei das gewesen: Es sei „in dieser Zeit so gewesen“, so der Böseler. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe man die Kirchen reinigen wollen und deshalb die Kunstwerke übermalt. Erst 1982 wurden die Bilder wieder freigelegt und restauriert, so dass sie bis heute der Böseler Kirche ihren besonderen Charakter geben. „So ist es doch viel schöner“, findet Gelhaus.

Und auch die Kirchen in Cincinnati haben Eindruck hinterlassen: „Es war eine wunderschöne und eindrucksvolle Zeit, an die sich hoffentlich unsere große Tochter Aurelia später noch erinnern kann“, sagt Beate Reinke.

Anja Biewald
Berne/Lemwerder
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2321

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