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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

„Erste Parzelle innerhalb der Stadt“

10.02.2017

Cloppenburg Wertvolle Erkenntnisse zur Cloppenburger Stadtgeschichte hat jetzt ein Grabungsteam der Firma „denkmal3D“ (Vechta) bei Arbeiten auf dem Grundstück Osterstraße 39 (an der Ecke zur Straße Hinterm Wall) in Cloppenburg gewonnen. Seit Anfang Dezember 2016 arbeiten der Archäologe Andreas Thümmel und dessen Team, unterstützt von den ehrenamtlichen Grabungshelfern Klaus Steinkamp und Heinz Vennen, auf dem Grundstück von Professor Peter Arnke und Professor Brigitte Häntsch. „Das ist die erste Parzelle innerhalb der Stadt gewesen“, berichtete Steinkamp am Donnerstag bei einem Ortstermin.

Wie berichtet, hatte bereits im September 2013 das Team des Archäologen Dirk Dödtmann (Vechta) gemeinsam mit Steinkamp im Zuge der Osterstraßen-Erneuerung auf Höhe der Galerie Kramer das südliche Fundament der Bether Pforte (oder auch Bremer Tor) freigelegt. Das Stadttor habe hier bis zum 4. Juni 1806 gestanden, berichtete Steinkamp seinerzeit.

Im März 2014 legten das Team Dödtmann und Steinkamp das nördliche Fundament der Bether Pforte frei. Damit konnte der exakte Standort des Tores und dessen Grundriss genau bestimmt werden: Das Tor stand nicht dort, wo es stadtgeschichtlich vermutet worden war, denn vor dem Tor und dem Wassergraben lag ein Vorplatz. Die Durchfahrtstiefe lag bei etwa sechs bis sieben Metern, es war knapp zwei Meter bis maximal drei Meter breit und stammt etwa von 1425/1430.

Drei Bauphasen

Die weitere Gebäude- und Stadtbefestigungsstrukturen, die jetzt entdeckt wurden, stellte Archäologe Thümmel vor. „Bei den Arbeiten wurde die Geschichte des Grundstücks Schicht für Schicht sichtbar“, so Thümmel. Die im Boden erhaltenen Gebäudestrukturen ließen bis zu drei unterschiedliche Bauphasen erkennen, die aufeinander aufbauten. Das jüngste Gebäude ist im Herbst 2015 abgerissen worden.

Gleich zwei Brände

Unter dem Fundament fanden sich Reste des Fachwerkhauses, das zuvor dort gestanden hatte. Dessen Fundamentreste bestanden aus Findlingen, die wiederum einen kleineren Hausgrundriss eines früheren Gebäudes erkennen lassen. Die Gebäude bauten im Wortsinne aufeinander auf. „Die Fußböden der Gebäude waren in weiten Teilen erhalten und wiesen Brandspuren auf. Diese Brandschichten zeigen, dass die Gebäude auf dem Grundstück der Osterstraße 39 gleich zweimal vom Feuer zerstört wurden“, erläuterte Thümmel. Im Laufe der Ausgrabung seien außerdem zwei Brunnen freigelegt worden, die zur Zeit der neuzeitlichen Bebauung benutzt wurden.

Unter den neuzeitlichen Gebäuderesten entdeckten Thümmel und dessen Team neben dem zur Osterstraße und zu der Straße Hinterm Wall parallel verlaufenden Stadtgraben einen zweiten, flacheren Graben, der möglicherweise zu einer weiteren Bauphase der mittelalterlichen Stadtbefestigung gehörte. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Reste einer Wehranlage, die in Zusammenhang mit dem historisch überlieferten Wall steht.

Stadtgraben erhalten

Der noch bis zu einer Tiefe von 1,40 m erhaltene Stadtgraben knickt auf dem untersuchten Grundstück im rechten Winkel nach Süden ab und war stadtseitig von einer Reihe aus – bis zu zwei Meter tief in den Lehm eingerammten – Holzpfosten gesäumt. Beide Gräben laufen auf das ehemalige Stadttor zu.

Neben den Fundamenten helfen auch die weiteren Funde bei der genauen Datierung. Das hier gefundene Material umfasst hauptsächlich Scherben von Keramikgefäßen, mit deren Hilfe sich die Gebäudereste in die Neuzeit (16. bis 19. Jahrhundert) datieren lassen. Außerdem fand das Team der „denkmal3D“ einen verzierten Pfeifenkopf einer Tabakspfeife aus weißem Ton, Reste von Gefäßen aus Steinzeug sowie wenige Metallfunde.

Küchenabfälle im Graben

In den tiefer gelegenen Gräben fanden sich Scherben aus harter Grauware, wodurch sich die Gräben und die Holzpfostenreihe ins Spätmittelalter (13. bis 14. Jahrhundert) datieren lassen. Die Verfüllung des Stadtgrabens enthielt außerdem Tierknochen, die als Küchenabfälle im Graben entsorgt wurden.

Die aus den erhaltenen Hölzern entnommenen Proben sollen im Anschluss an die Ausgrabung ausgewertet werden, um neue Erkenntnisse über die Zeitstellung der verschiedenen Holzkonstruktionen zu erhalten. Dabei werden die Holzquerschnitte mit den Jahrringen des Baumes untersucht. Mit dieser dendrochronologischen Analyse kann das Fälldatum eines Baumes genau bestimmt werden.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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