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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Fans aus der ganzen Republik

28.03.2017

Stapelfeld Für die Band BAP ist ihm kein Weg zu weit. Martin Ruff (65), Anästhesiepfleger im Ruhestand, hat alle gesehen. Alle? Ja, alle. Auf allen 51 Tourneen ist er gewesen, egal wo. Seit ihrem Durchbruch 1982 begleitet er die Kölner Rockband, ist einer ihrer treuesten Fans, besitzt, wie er sagt, alle jemals erschienenen Veröffentlichungen. Im seinem Auto hatte er zur Kassettenzeit ausschließlich BAP-Aufnahmen. Seine Familie hat es nicht nur klaglos ausgehalten, sondern die Musik des Sängers Wolfgang Niedecken auch sogar liebengelernt, wundert er sich selbst ein wenig. Dass so einer wie Ruff den Weg aus dem Treuchtlingen bei Nürnberg in die Katholische Akademie Stapelfeld nicht scheut, wenn hier ein BAP-Seminar angeboten wird, ist klar.

Das Wochenendseminar, das sich Dominik Blum, stellvertretender Leiter der Abteilung Seelsorge im Bischöflich Münsterschen Offizialat, und Akademiedozent Alexander Rolfes ausgedacht haben, ist ein neues Format. Rockmusik, BAP, Kölsch und Katholisch, wie soll das zusammenpassen, hatte sich auch der Berliner Kripobeamte Steffen Claussen (56) gedacht, als er online von diesem merkwürdigen Seminar erfuhr. Doch nun ist er überzeugt: „Das passt.“

In den Texten von Wolfgang Niedecken steckten so viele Lebensweisheiten, so viele gute Auseinandersetzungen mit dem Leben, mit Politik und Gesellschaft, Familie und Religion, mit der Verarbeitung der Nazizeit, mit der aktuellen Abneigung gegen Flüchtlinge – tagelang könnten sich die Männer darüber austauschen. „Die Diskussionen in der Gruppe sind tatsächlich auf einem sehr hohen Niveau“, sind sich Blum und Rolfes einig. Alle hätten ein großes Interesse an Politik und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Auch in den Pausen reden die 17 Männer – der älteste ist 75 und mit einer schweren BMW aus Hannover angereist – viel über BAP. Drei haben ihre Gitarren dabei, spielen draußen in der Abendsonne oder wenn ihre Gruppe bei Kölsch und BAP-Musik zusammensitzt und alle merken, wie viele Gemeinsamkeiten sie haben.

Mehrere aus der Runde kennen Niedecken, den legendären Frontmann der Kölner Band, persönlich. Seine Texte sind absolut authentisch, sagen sie. Seit seinem Schlaganfall, den er auch musikalisch verarbeitet, bringe er noch mehr Emotionen auf die Bühne, findet Frank Piwecki (52), Dozent für politische Bildung aus Buchholz bei Hamburg. Auch seine Familie hat er schon lange mit dem BAP-Virus infiziert. „Wir sind alle mit Niedecken alt geworden“, ergänzt Ruff. Die meisten BAP-Fans befinden sich in der zweiten Lebenshälfte.

Doch der Nachwuchs kommt. Im letzten Jahr habe er seinen 17-jährigen Sohn auf das neue BAP-Konzert in Berlin mitgenommen, lacht Claussen. Der Junior habe nicht gewusst, wer da auftrete, sich nur über die vielen alten Männer gewundert. Nach dem Konzert sei er schwer beeindruckt gewesen – von der Musik und der tollen Stimmung. Jetzt hört er auch BAP.