• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Warum der Dachstuhl die Achillesferse der Kirchen ist

18.04.2019

Friesoythe /Altenoythe Die Bilder waren spektakulär und haben gleichzeitig erschüttert. Als der Spitzturm der Kathedrale Notre Dame in Paris am Montagabend einstürzte, sahen wohl viele Zuschauer das Ende des historischen Gebäude kommen. Doch die absolute Katastrophe konnte abgewendet werden – am Dienstag war das Feuer gelöscht. Doch ein Großteil des Gebäudes ist zerstört. Wie sieht es mit den Kirchen in Deutschland aus? Können die Gotteshäuser in Friesoythe auch so schnell ein Raub der Flammen werden? Die NWZ hat nachgefragt.

Ortstermin hoch über der Stadt – genauer gesagt im Dachstuhl der St.-Marien-Kirche. Jeden Winkel dieses Geästs aus trockenen Holzbalken und einem großen Haufen Isolierwolle kennt Küster Rainer Schweigatz. Mehrmals im Jahr muss er die mehr als 60 Stufen in den Dachstuhl gehen, um zum Beispiel Sicherungen zu überprüfen oder Lampen und das große Triumphkreuz niederzulassen. „Falls hier mal ein Brand ausbrechen sollte, dauert es nicht lange, bis das ganze Dach in Flammen steht. Das Holz ist trocken und gerade im Sommer ist die Hitze hier oben nicht auszuhalten“, berichtet Schweigatz, der sozusagen der Hausmeister der Kirche ist. Über einen kleine Steg kann der Küster alle Ecke der Holzkonstruktion über dem gemauerten Gewölbe erreichen. Dass das Dach eine Schwachstelle einer jeden Kirche ist, dessen ist sich auch Pfarrer Michael Borth bewusst. „Der Dachstuhl ist sozusagen die Achillesferse einer jeden Kirche“, so Borth. So ist die Pfarrei darum bemüht, immer wieder die Brandschutzmaßnahmen zu überprüfen und gegebenfalls zu erneuern. „Allein aus versicherungstechnischen Gründen ist dies schon erforderlich. So wurden erst vor ein paar Jahren alle elektrischen Leitungen in spezielle Aluminiumschächte gelegt. Vorher waren diese direkt an das Holz montiert“, so Borth.

Doch natürlich gibt es nicht nur im Dachstuhl der Kirche gefährliche Ecken. Auch Kerzen spielen in der Kirche eine große Rolle. Es werden aber nicht irgendwelche Kerzen in der Pfarrei benutzt. „Alle Kerzen gehen nach dem Abbrennen automatisch aus. Der Docht ist so konzipiert, dass er am Ende abknickt und im Wachs ertränkt wird“, verrät Schweigatz. Andere Kerzen dürfen zu den Gottesdienste auch nicht mitgebracht werden.

Aber die Kirche hat noch einen anderen Schwachpunkt. Sie ist immer auf. Jeden Tag von 8 bis 18 Uhr sind die Tore geöffnet – jeder kann zum Beten in die Kirche kommen. „Alle Kerzen, bis auf die Opferkerzen, sind dann aber aus. Doch natürlich ist das ein Risikofaktor. Aber da müssen wir auf die Besucher vertrauen“, so Schweigatz, der erst im vergangen Jahr eine spezielle Brandschutzschulung durchlaufen hat.

Wesentlich älter als die St.-Marien-Kirche in Friesoythe ist die St.-Vitus-Kirche in Altenoythe. Ihre Geschichte ist bis ins 12. Jahrhundert belegt – damit ist sie eine der ältesten Kirchen im Oldenburger Münsterland – und auch sie hat einen Dachstuhl mit einer Holzbalkenkonstruktion. „Gerade bei einer so alten Kirche wie in Altenoythe wäre ein Brand sehr verheerend. Wir versuchen alles mögliche in Sachen Brandschutz, aber die hundertprozentige Sicherheit vor Bränden wird es nie geben“, sagt Borth. Für den Notfall gibt es in jeder Kirche der Gemeinde drei Feuerlöscher.

Falls es aber mal zu einem großen Brand kommen sollte, ist die Freiwillige Feuerwehr Friesoythe gefragt. „Erst in der vergangenen Woche war ich mit dem Küster im Rahmen des Frühjahrsputzes auf dem Dachstuhl der Friesoyther Kirche unterwegs“, sagt Ortsbrandmeister Matthias Schmidt, der sich über dem Gewölbe der Kirche inzwischen gut auskennt. Einen speziellen Einsatzplan für die Friesoyther Kirche gibt es aber nicht. „Mit unserer Drehleiter kommen wir aber auf jeden Fall bis über das Dach und könnten dies im Notfall gut löschen. Nur bis zum Turm kommen wir nicht ganz hoch“, berichtet Schmidt.

Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
Rufen Sie mich an:
04491 9988 2906
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.