• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Von Bierstrafen, Groten und Befehlen

18.07.2018

Friesoythe Der Friesoyther Landwirtschaftsrat Heinrich Schulte hat es ziemlich treffend auf den Punkt gebracht. „Das Friesoyther Schützenfest ist eine sehr alte Einrichtung der Stadt“, heißt es in einem Schriftstück aus dem Friesoyther Stadtarchiv. Seit 1337 wird in Friesoythe das Schützenfest gefeiert, doch die Regularien haben sich seit dem mehrfach geändert. Die NWZ hat sich einmal durch die Geschichte gewühlt.

Statuten von 1668

Es gibt zwar noch ältere Statuten der Schützengilde Friesoythe, doch die aus dem Jahre 1668 sind vollständig überliefert. Die Regeln von damals klingen in der heutigen Zeit recht erstaunlich. „So soll niemand, so lang die Gilde währt, mit gewaffneter Wehr sich finden lassen und mit Dolchen und Messern sich nicht gegen den Geringsten oder Höchsten, besonders gegen Frauen vergreifen bei Strafe 1 Tonne Bieres“, heißt es in den Statuten. Und es ist nicht der einzige Paragraf, in dem die Zahlung von Bier als Strafe stand. Gleichzeitig sollte man mit dem edlen Getränk auch sehr vorsichtig umgehen. „So lange die Gilde (das Fest) dauert, soll sich ein jeder in ehrlicher christlicher Freude dergestalt ergötzen, daß niemand mutwillig mehr Bier, als man mit einem Fuß bedecken kann, vergieße bei Strafe 1 Viertop Bieres.“

Damals wurde das Friesoyther Schützenfest übrigens auch noch nicht im August gefeiert, sondern an Pfingsten, wie dieser Paragraf, natürlich auch wieder mit einer Bierstrafe, belegt. „Wenn an jedem Pfingstmontag um 4 Uhr auf dem Markt die Trommel wird geschlagen, sollen alle Schützen angesichts selber in Person und nicht durch Vertreter (es sei denn die höchste Not) allda erscheinen bei Strafe 1 Viertop Bieres.“

Statuten von 1851

Ohne Strafen mit Bier kommen die Statuten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts der Gilde aus. Schon damals konnten laut Reglement auch Gäste am Schützenfest teilnehmen. „Jeder Bürger dieser Stadt sowie jeder eingeladene Schützenfreund kann an diesem Volksfest teilnehmen und hat bei Unterzeichnung seines Namens sich zu seiner angewiesenen Kompanie zu stellen. Diejenigen aber, die nicht Anrecht am Schützenfonds haben, sowie jeder auswärtige hieran teilnehmende Schütze bezahlt 12 Grote!“ Der Groten war ein Kleingroschen und Bestandteil der damaligen Währung im Land Oldenburg. Erst 1872, nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, kam die Goldmark nach Friesoythe.

Natürlich wurde auch damals schon auf gutes Benehmen geachtet. „Jeder Schütze hat sich anständig und nüchtern zu betragen, dem Befehle der Offiziere Folge zu leisten, im Gliede sowohl als im Marsche die möglichste Ordnung zu beobachten, wofür die Herren Offiziere Sorge tragen wollen“, heißt es.

Reglement von 1912

Wie genau geschossen wird, wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg einmal schriftlich festgehalten. Viele der dort festgelegten Regularien gelten auch heute noch. Dort heißt es unter anderem: „Glaubt ein Schütze einen Teil des Vogels wie Zepter, Krone oder Reichsapfel geschossen zu haben, so hat er sich bei seinem Hauptmann zu melden. Nachträgliche Meldungen werden nicht angenommen. Sollten beim Schießen Streitigkeiten entstehen, so muß das Los entscheiden.“ Und auch der Fall des Ausschlusses vom Schützenfest wurde 1912 geregelt. „Sollten Schlägereien entstehen oder sich ein Schütze grob gegen das Offizierskorps benehmen, so kann er für die beiden Tage vom Schützenfest ausgeschlossen werden.“

Situation 1949

Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs gingen auch die Statuten der Schützengilde verloren. Der damalige Adjutant Heinrich Anneken kümmerte sich darum, die Schützenordnung so gut es ging wiederherzustellen. 1949 wurde dann das erste Schützenfest nach dem Krieg gefeiert. Damals fanden die Empfänge noch im Hotel Krose statt, da das Rathaus noch kriegszerstört war. Das Hotel Krose stand direkt neben der Kirche, wo heute das Geschäft „Staccato“ ist.

Anfang der 50er Jahre wurde dann auch die Erweiterung des Einzugsbereichs der Schützengilde beschlossen. 1955 beschloss man, dass alle Mitglieder der politischen Gemeinde Friesoythe in die Gilde eintreten und auch König werden können. 1958 wurde dann ebenfalls protokollarisch festgehalten, dass man nur Schützenkönig werden kann, wenn man Mitglied der Schützengilde ist, 25 Jahre alt ist und zwei Jahre in der Stadt wohnt.

Neuerungen 2018

In diesem Jahr gibt es ein paar kleine Änderung. So ist es laut General Theo Vahle ab jetzt verpflichtend, auf dem Freibier der vier Kompanien mindestens 15 Euro zu zahlen. Ebenfalls ist es für das noch amtierende Königspaar ab diesem Jahr verpflichtend, am Großen Zapfenstreich am Schützenfestsamstag teilzunehmen. Gleichzeitig soll der Friesoyther Schützenkönig jetzt auch immer am Schützenfest in Thüle mitmarschieren. Außerdem werden Adjutant Alois Arkenau und Theo Vahle für ihre 25- und 30-jährige Treue in der Gilde ausgezeichnet.

Die Friesoyther Schützenkönige seit 1949

1949 Willi Kühling, Kompanie Kirchstraße 1950 Rudolf Deters, Lange Straße 1951 Gerhard Glup, Lange Straße 1952 Alfred Hüffer, Kirchstraße 1953 Hermann Tholen, Kirchstraße 1954 Franz Varelmann, Lange Straße 1955 Gerhard Schonebeck, Kirchstraße 1956 Heinrich Vahle, Wasserstraße 1957Hermann Schepers, Lange Straße 1958 Alfons Stratmann, Wasserstraße 1959 Anton Wulfers, Kirchstraße 1960 Johann Memken, Kirchstraße 1961 Josef Deeken, Kirchstraße 1962 Hans Kreienborg, Kirchstraße 1963 Alfons Schumacher, Kirchstraße 1964 Hans Wreesmann, Kirchstraße 1965 Heinrich Bünnemeyer, Kirchstraße 1966 Heinrich G. Kuhlmann, Moorstraße 1967 Alexander Jender, Moorstraße 1968 Hermann Stuke, Lange Straße 1969 Horst Jonath, Moorstraße 1970 Hans Wimberg, Lange Straße 1971 Josef Hillen, Moorstraße 1972 Erwin Hochartz, Lange Straße 1973 Heinz Sprock, Wasserstraße 1974 Helmerich Duen, Lange Straße 1975 Hans Grale, Lange Straße 1976 Willehad Laing, Kirchstraße 1977 Paul Kock, Moorstraße 1978 Paul Witte, Moorstraße 1979 Hartwig von Hammel, Kirchstraße 1980 Gerd Bührmann, Kirchstraße 1981 Josef Coldehoff, Wasserstraße 1982 Josef Moormann, Wasserstraße 1983 Hans Hoffmann, Kirchstraße 1984 Bernhard Stuke, Lange Straße 1985 Alwin Stratmann, Wasserstraße 1986 Walter Paul, Lange Straße 1987 Heinrich Vahle, Wasserstraße 1988 Josef Nonnenmacher, Lange Straße 1989 Christian Pundt, Moorstraße 1990 Aloys Arkenau, Moorstraße 1991 Werner Bornhorst, Kirchstraße 1992 Johannes Rolfes, Moorstraße 1993 Michael Böttcher, Wasserstraße 1994 Hubert Kathmann, Moorstraße 1995 Bernhard Möller, Kirchstraße 1996 Ludger Böttcher, Wasserstraße 1997 Werner Schumacher, Wasserstraße 1998 Alfred Schumacher, Moorstraße 1999 Luigi de Martin, Lange Straße 2000 Hans-Peter Göken, Moorstraße 2001 Theo Vahle, Wasserstraße 2002 Andreas Günther, Wasserstraße 2003 Karl Günther, Wasserstraße 2004 Klaus Hanneken, Kirchstraße 2005 Hubert Brinkmann, Wasserstraße 2 006 Johannes Liebsch, Kirchstraße 2007 Bernhard Norenbrock, Wasserstraße 2008 Hans-Peter Marschall, Kirchstraße 2009 Wilfried Wulfers, Kirchstraße 2010 Thomas Wulff, Moorstraße 2011 Matthias Langen, Moorstraße 2012 Bernhard Stuke, Lange Straße 2013 Karl-Heinz Steenken, Wasserstraße 2014 Bernhard Dedden, Moorstraße 2015 Holger Peters, Wasserstraße 2016 Johannes Hovehne, Wasserstraße 2017 Stefan Hilker, Kirchstraße

Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
Rufen Sie mich an:
04491 9988 2906
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.