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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Sie liegen versteckt hinter Mauern und Glas

14.06.2019

Friesoythe Um die Stadt des Eisens und der Schmiede wirklich kennen zu lernen, reicht es nicht aus, nur die Straßen von Friesoythe entlang zu spazieren. Manchmal muss man auch vom Weg abkommen, vor dem ein oder anderen Gebäude halt machen und sie ab und zu betreten. Dann kann zum Beispiel ein vergrabener Schatz entdeckt werden oder ein Schinken, in dem der schwarze Tod eingesperrt sein soll.

Friesoyther Münzfund

Bei dem Wort Schatz denken wohl alle direkt an Gold und Silber, Juwelen und Rubine. Allerdings hat der Schatz, der vor der Spar- und Darlehenskasse Friesoythe liegt einen eher symbolischen Wert. Hintergrund war eine Aktion der Spar- und Darlehnskasse von 2014. Damals konnten 500 Kinder zusammen mit dem Schmied Alfred Bullermann auf Münzen ihre Initialen prägen und sie in eine in den Boden eingelassene Schatztruhe neben dem Eingang der Bank einwerfen. Anlass der Aktion war der Münzenfund von 1935. Beim Bau eines Hauses an der Lange Straße im Bodenaushub wurden damals 307 Silbermünzen aus verschiedenen Regionen gefunden. Da diese Münzen vor 1235 im Umlauf waren, beweisen sie, dass bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hier eine Siedlung mit weit reichenden Handelsbeziehungen existierte. Die Originale befinden sich im Museumsdorf Cloppenburg.

Kirchturmuhrwerk

Schon etwas länger – seit 2004 – steht im Rathaus am Stadtpark das alte Kirchturmuhrwerk der Kath. St-Marien-Kirche. Von 1947 bis 1987 war es im Turm der Kirche verbaut und war ein Geschenk der Pfarrgemeinde an Dechant Bernhard Küstermeyer zu dessen 25-jährigem Jubiläum als Pfarrer in Friesoythe. Dank einer Initiative des Aktionskreises Friesoythe „Wir gestalten unsere Stadt“ konnte das Uhrwerk durch Spenden restauriert werden.

Es besteht aus vier Teilen, die durch mechanische Signale miteinander verbunden sind: Gehwerk, Viertelschlagwerk, Stundenschlagwerk und das Angelusschlagwerk. Doch obwohl es restauriert wurde, bleibt das Uhrwerk, ebenso wie das Angelusläuten, weiterhin stumm.

Nachtwächter

Auch Personen, die das frühere Stadtbild prägten, sind mit einer Skulptur verewigt worden wie der letzte Friesoyther Nachtwächter. Viele Jahrhunderte liefen die Nachtwächter als Diener der Stadt jede Nacht stündlich ihren Rundgang durch die Straßen und wachten über die nächtliche Sicherheit der Bewohner. Der letzte Nachtwächter in der Stadt Friesoythe war Hermann Hillebrand, der 1928 in den städtischen Dienst trat und die Aufgaben des Nachtwächters bis 1943 ausübte. Nach einem Foto von ihm ist in der Werkstatt der Gehlenberger Tischlerei Block-Deeken eine Holzskulptur gefertigt und der Stadt als Leihgabe zur Verfügung gestellt worden. Auf dem Sockel der Skulptur steht der Ausruf des Nachtwächters geschrieben: „Twölf is de Uhr, dei Uhr is twölw! Lobet Gott den Herrn dann bliwt dei Stadt in Ehren“. Heute steht die Skulptur im Rathaus am Stadtpark, an der alten Mühlenstraße.

Schlüsselkreuz

In der Kapelle des St.-Elisabeth-Haus, St-Marien-Straße, hängt ein 2,20 Meter hohes dreidimensionales Schlüsselkreuz. Es besteht aus 3500 Schlüsseln, die von Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde gespendet wurden. Es war Teil der Projektwoche „Friesoythe – eisenARTig einzigARTIG“ von 2014. Angefertigt wurde es vom Schmiedemeister Alfred Bullermann, der dafür den M&T-Metallbaupreis 2014 in der Kategorie Metallgestaltung verliehen bekam.

Pestschinken

Das wohl skurrilste Relikt der Friesoyther Geschichte steht direkt neben dem Kirchturmuhrwerk. Ein alter Schinken, der sogar in der Literatur Erwähnung fand: 1867 war im zweibändigen Werk „Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg“ von Ludwig Strackerjan zu lesen: „Zu Friesoythe im Wreesmannschen Hause nahe dem Harkebrügger Tor wird ein über 300 Jahre alter Schinken aufbewahrt. In diesen Schinken ist vor vielen Jahren die Pest, die in Gestalt einer blauen Wolke in der Luft flog, in den Schinken gebannt worden; der Schinken aber ist dadurch unverweslich geworden...“.

Heute wird der Pestschinken auf einer hölzernen Unterlage mit der Aufschrift „Pestschinken von Friesoythe 1350“ aufbewahrt. Diese Jahreszahl ist zwar nicht belegbar, allerdings wurde aus Wildeshausen berichtet, dass dort im gleichen Jahr viele Menschen durch die Pest hinweggerafft wurden. Bemerkenswert ist zudem, dass auf einer alten Postkarte - siehe Foto von einem „Pestschinken aus dem 16. Jahrhundert“ die Rede ist. Dazu passen auch die Angaben in einem großen Seitenfenster in der Marienkirche, das mit bildlichen Darstellungen und Jahreszahlen an große Schicksalsschläge für die Bewohner der Stadt erinnert und dabei „1567 Pest“ nennt.

Es ist schon beeindruckend, welche Kunst und Geschichte sich in so manchem Gebäude der Stadt Friesoythe verbirgt. Es lohnt durchaus, sich mal die Zeit zu nehmen und diese zu entdecken.


  Mehr Infos unter     bit.ly/2wfiqwq 
Soeke Heykes Volontär, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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