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NWZonline.de Region Cloppenburg Kultur

Glück in großer Tragik finden

27.06.2018

Friesoythe Beim Thema Demenz geht es oft um schleichenden Verfall, zunehmende Verwirrtheit, Hilflosigkeit und Angst. Es ist nicht immer leicht für die Betroffen und Angehörigen, mit dieser Thematik umzugehen. Vielfach ist es auch noch eine Tabuzone.

Wie man sich dieser heimtückischen Krankheit allerdings auf ungewöhnliche Weise widmen kann, zeigte das Theater-Laboratorium aus Oldenburg am Sonntagabend im Forum am Hansaplatz in Friesoythe auf Einladung des Kulturkreises Bösel-Saterland-Friesoythe. In dem Stück „Der Mann, der niemals weinte“ wirkt die Demenzerkrankung für Hauptfigur Paul wie eine Erleichterung. Die Aufführung zeigt, vor welchen Problemen aber auch Herausforderungen jene Menschen stehen, die in irgendeiner Form mit Demenz konfrontiert sind. Sei es als Betroffener oder Pflegender.

Das tragikomische Stück zeigt ganz neue Perspektiven und beschert den Zuschauern immer wieder wahre Glücksmomente mit Tiefgang. Im Mittelpunkt steht Opa Paul, eine leicht schrumpelige Puppe, die von Pavel Möller-Lück perfekt geführt wird. Möller-Lück leiht ihr auch noch die knorrige Stimme. Und während er neben der Puppenführung auch den Sohn Severin spielt, der sich ein paar Tage um den dementen Opa kümmert, mischt die Enkeltochter Marie (Esther Vorwerk) mit ihrer Quirligkeit und ihrem süßen Liebeskummer das Männerduo auf.

Der zwischen den Kriegen geborene Paul hat seine angstvolle und traumatische Kindheit ein Leben lang verdrängt und ist im Alter an Demenz erkrankt. Da kommen dann beispielsweise bei Gewittern fetzenhaft Erinnerungen an Bombenangriffe hoch, die ihm Angst einjagen und die ebenso schnell wieder vergessen sind. Und dennoch entwickelt Paul eine gewisse Leichtigkeit, sorgt mit seinen Äußerungen für eine wunderbare Heiterkeit und je mehr sein Sohn und seine Enkelin sich auf ihn einlassen, umso intensiver und fröhlicher wird ihre Beziehung. Wobei Sohn und Enkelin ihren Vater bzw. Großvater neu entdecken und sich bereichert fühlen. „Ja Opa, in Altenoythe ist Schützenfest“, wirft Pavel Möller-Lück spontan ein. Opa kennt auch mal keine Namen oder Gesichter.

Pauls Lebenstraum ist es, einmal zum Kap der guten Hoffnung zu reisen.

„Der Mann, der niemals weinte“ ist ein Stück, das Mut macht, berührt und zum Lachen bringt. Bei aller Tragik der Demenzerkrankung wird gezeigt, dass es auch noch eine andere als die rationale Ebene im Leben gibt und sie uns einen Zugang zu den Erkrankten ermöglicht, den die meisten nicht kennen und erst noch lernen müssen.

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